EMPURIABRAVA, 28.11.2022 - 20:39 Uhr

Die Geschichte des Empordà - Synthese aus Mittelmeermenschen und Pyrenäenbewohnern

EMPORDÀ / KATALONIEN / SPANIEN: Von der «lächelnden Ebene», wie die Empordà-Zone in einem alten Sardana-Lied bezeichnet wird, werden viele Legenden erzählt. Die Legende, die auf das Alter der Siedlungskerne anspielt, geht auf die Entstehung der Welt zurück. Ihr zufolge verbrachte Gott den Frühling der Schöpfung in der Gegend des Empordà. Eine andere Legende berichtet, dass der Empordà aus der Vereinigung eines Hirten und einer Sirene hervorging. Die Verschmelzung der Pyrenäen-Bewohner und der Mittelmeermenschen sollte die Synthese für die reiche Empordà-Ebene werden, von der auch gesagt wird, daß sie die Wiege der katalanischen Sprache ist.

Zwischen Legende und Geschichte ist die Idee einzureihen, daß die Indigeten die Vorfahren der Einwohner des Empordà waren, denn einige Forscher haben die im Altertum «indigetisch» genannte Uferlandschaft mit der Küste von Girona identifiziert.

Eine andere Legende berichtet, dass auf einem das Meer beherrschenden Berg, wo bereits der Tempel der «Aphrodite der Pyrenäen» stand, die sterblichen Überreste des Apostels Petrus begraben sind. Sicher ist, daß das Kloster Sant Pere de Roda, das diese Reliquien gehütet haben soll, als das Herz und Epizentrum des Empordà bezeichnet worden ist. Die Geschichte dieser Gegend entwickelte sich im Umkreis dieses mitten in der Sierra de Roda mit Blick auf Port de la Selva gelegenen Klosters, das laut einer in seiner Bibliothek gefundenen Urkunde 608 gegründet wurde.

Die prähistorischen Funde berichten ihrerseits von Katalonien als einer seit fernsten Zeiten besiedelten Zone. Das beweisen die in Banyoles gefundenen Skelettreste eines Menschen der Neandertalergruppe. Wenn man sich auf Girona beschränkt, kann man allein in dieser Provinz in Serina und Sant Julià de Ramis Fundstätten aus dem Paläolithikum sowie Dolmen und Menhire aus dem Neolothikum an zahlreichen Punkten besichtigen.

Von der fortgeschrittenen Kultur der iberischen Ureinwohner sind Reste der Siedlung Ullastret erhalten. Griechenland hinterliess seine Spuren in Paléopolis und Neópolis mit den Ruinen von Empúries, einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten Spaniens, sowie in Rhodas, dem heutigen Roses. Die Römer betraten die Iberische Halbinsel in Empúries, wo im Jahr 218 v. Chr. die Scipionen landeten, und von ihrem Durchzug sind noch heute in den genannten Fundorten von Empúries eindrucksvolle Spuren erhalten. Der 600-jährige Aufenthalt der Römer beeinflusste das spätere Katalonien. Auch Westgoten und Araber sollten zur katalanischen Identität beitragen durch die Kämpfe zwischen Franken und Muselmanen, denn Girona gehörte zu der von Karl dem Grossen (aus Aachen!) geschaffenen Spanischen Mark.

Mit Wilfredo I., dem Behaarten, und der Unabhängigkeit der katalanischen Grafschaften von der spanischen Mark entstand die kata-lanische Dynastie und der Kern einer Gemeinschaft, die bereits Ende des 9. Jhs. über eine Fahne, die Senyera, verfügte.

Aufgrund der Vereinigung von Katalonien und Aragonien durch die Eheschlie-ßung zwischen dem Grafen von Barcelona, Ramón Be-renguer IV, und Petronila, der Erbin Arageniens, die im Jahr 1137 erfolgte, sowie die Eroberung der Balearen und Valencias durch Jaime I., den Eroberer, wurde die katalanische Sprache und Kultur «von Salses bis Guardamar und von Fraga bis Mahón» verbreitet. Isabella, Königin von Kastilien, und Ferdinand, König von Aragonien, vereinten beide Reiche ebenfalls durch Heirat im Jahr 1479, wodurch Katalonien an der Einheit Spaniens teilhatte.

Als Philipp IV. versuchte, die besondere Konstitution der Reiche Spaniens abzuschaffen, verhinderte dies der Bauernaufstand, der in der katalanischen Hymne «Els Segadors» (Die Schnitter) verewigt ist. Als Barcelona in die Hände seiner Parteigänger fiel, setzte Philipp V. die katalanischen Gesetze und Institutionen außer Kraft und beschränkte die katalanische Sprache und Kultur. Das geschah am 11. September 1714, und noch heute wird zur Erinnerung an nationalistische Gefühle jährlich die «Diada» gefeiert. Durch die Wiedergeburt der katalanischen Kultur nach verschiedenen späteren historischen und politischen Wechselfällen ist heute die katalanische Identität in ihrer ganzen Kraft und Frische erhalten, mit der alle ihre Institutionen seit der Schaffung des Autonomiestatuts, nach dem Katalonien verwaltet wird, getränkt sind.

Sonntag 11. September 2022 11.09.22 18:27

          

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