EMPURIABRAVA, 25.04.2019 - 23:47 Uhr

Carne vale oder Carrus navalis?

von Max aus Roses

Über die zweifelsfreie Herkunft des Wortes Karneval kann man nur spekulieren. Inhaltlich und formal hat der Karneval eine zurückverfolgbar lange abendländische Tradition.

Je nachdem,wie eng man die mit dem Karneval verbundenen Aktivitäten und Bräuche sehen und interpretieren will, wenn man ihn ab- seits seiner unterschiedlichen Ausprägungen auf ihm zugrunde liegende Inhalte abklopft, führen die Spuren bis in die Antike.

In der griechischen Mythologie wurden Göttern menschliche Eigenschaften und charakterliche Unzulänglichkeiten zugeschrieben, die sie augenzwinkernd bis spöttisch in die Nähe der Menschen rückten. Es ist historisch belegt, daß es Feste gab, bei denen als Folge von Drogen und Alkohol die Hierarchien auf den Kopf gestellt und die ein-ende Kraft der gemeinsamen  Trunkenheit zu vorübergehender Kumpanei zwischen allen sozialen Schichten führte. Sowohl das Bedürfnis, dem sozial höher Gestellten ungestraft, weil  nicht im Zustand der Zurechnungsfähigkeit, einmal die Meinug sagen zu können, als auch die Möglichkeit, aus demselben Grund seinen Status und den damit verbundenen Verhaltens - Codex vernachlässigen zu können, darf man die genannten Veranstaltungen wohl als Ventil zum Abbau sozialer Spannungen und zur Bewahrung des sozialen Friedens werten.

Die Einführung des Christentums als Staatsreligion im Jahre 343 durch Kaiser Konstantin bedeutete zwar eine Abkehr von heidninischen Gottheiten, viele tief im Brauchtum  verwurzelte  Rituale wurden jedoch umgemünzt und an das neue Dogma adaptiert. Bei genauer Betrachtung des Christentums finden sich auffallend viele Analogien zu Symbolen und Ritualen aus heidnischer Vorzeit. Ein den wenigsten Christen bewußtes  Relikt findet sich beim Abendmahl wieder, wo es bis heute um den – wenn auch symbolischen – Verzehr des Fleisches und des Blutes Christi geht. Man kann dies als Aufforderung zum Kanibalismus, oder im Sinne einer Blutsbrüderschaft deuten, wie sie von verschiedenen animistischen Natur-Religionen bekannt sind.

Die Herleitung des Namens Karneval vom lateinischen „carne vale“, was soviel wie „Fleisch lebe wohl“ bedeutet, ist insofern wohl eher unzutreffend, weil damit nicht der Karneval selbst, sondern die auf ihn folgende Fastenzeit zum Ausdruck gebracht wird. Der Begriff „carrus navalis“, was  im Lateinischen „Schiffs-Karren“ bedeutet, kommt der Sache schon näher, weil vom Altertum bis heute ungezählte

Prozessionen auf  dem Wasser, d.h. auf Flüssen, Seen und dem Meer bekannt sind, bei denen Boote und Schiffe als bevorzugtes Transportmittel die tragende Rolle spielen und  als Verbindung von sich gegenüberliegenden Ufern, d.h. von Gegensätzen, wie Himmel und Hölle, Tod und Leben, Freude und Leid usw. von Alters her über eine entsprechende Symbolkraft verfügen.

Es liegt daher nahe, daß auf Karren montierte Schiffe als Ursprung des Narrenschiffes und damit auch als namengebend für den Karneval anzusehen sind.