EMPURIABRAVA, 26.04.2019 - 00:00 Uhr

Cacofonia oder Cagafonia?

von Max aus Roses

Im „el Periodico“ vom 5.2.10 ist zu lesen, daß sich das „Juzgado Contencioso - Administrativo numero 9 de Barcelona“ damit zu befassen hatte, daß ein Immobilien-Makler sich weigert, 400€ Strafe zu bezahlen, weil er an seinem Büro „Fincas“ anstatt „Finques“ stehen hat, d.h. sein Büro in Spanisch, anstatt in Catalan beschriftet.

Die ”Agència Catalana de Consum” ist die für derartige Maßnahmen zuständige Stelle,  d.h.  sie  kümmert sich um die Einhaltung, bzw. um die Zuwiderhandlungen gegen einen Erlaß der „Generalitat“ (allein dieser Name für eine simple Verwaltungsbehördewie ein Landratsamt läßt schon tief blicken). 

Vergangene  Woche streikten die Kinobesitzer Barcelonas und ließen bis auf wenige Ausnahmen ihre Kinos geschlossen, weil die Forderung, daß Filme in Catalan synchronisiert sein müßten und die jetzige Praxis, katalanische Untertitel einzublenden, eine Herabwür-digung der katalanischen Sprache sei, für sie den wirtschaftlichen Ruin bedeuten könne, weil praktisch keine international bedeutenden Filme in katalanischer Fassung verfügbar sind. Nach Auffassung des den Angeklagten vertretenden Anwalts, verletze das Gesetz „de politica lingüistica“ von 1998 das fundamentale Recht der freien Meinungsäußerung.

Er forderte die Richterin auf,  den Fall (und damit das gesamte Gesetzeswerk) an das Oberste Spanische Ver-fassungsgericht  zu weisen und warf dem Gericht darüber hinaus Spitzfindigkeit und einseitige Interpretation vor, da das zugrunde liegende Gesetz „… como minimo el Catalan“ fordere und das Spanische, oder irgendeine andere Sprache, gleichberechtigt zulasse.

Der Anwalt kündigte an, daß er – falls die Strafe nicht zurückgenommen  werde – den Europäischen Gerichtshof in Straßburg anrufen werde, der das Recht der freien Äußerung über nationale und regionale Gesetze seiner Mitgliedsländer stelle.

Der Verteidiger zog außerdem einen vergleichbaren Fall aus Kanada heran, wo 3 Unternehmer sich nicht der französischen, sondern der englischen Sprache bei ihren Firmenbeschriftungen bedienten und die am Ende freigesprochen wurden.

In Catalunya dagegen wurde das Gesetz aus 1998 erst unlängst verschärft und die Strafandrohung auf 3.000€ bis 10.000€ erhöht. Wer kann es den Betroffenen verdenken, daß unter ihnen inzwischen das Wortspiel von „Cagalunya“ die Runde macht.