EMPURIABRAVA, 21.04.2019 - 02:52 Uhr

Kommentar zur “Nueva gramatica de la lengua Española”

Was guckst Du,  bin ich Kino? Ich mach Dich Krankenhaus !

von Max aus Roses

Noch zu keiner Zeit standen wir einem derart vielfältigen, geradezu Babylonischen Sprachgewirr gegenüber, wie heute. Ohne Englischkenntnisse versteht man in (Computer) Technik und Werbung so gut wie gar nichts. Neben den teils eingedeutschten, teils unveränderten Anglizismen, ist es die von  Migranten geschaffene Verstümmelung und  Verballhornung, die Eingang in die  Alltagssprache gefunden hat.

Eine zeitlang verpönt, sind Dialekte wieder angesagt und in Redewendungen Bestandteil des täglichen Sprachgebrauchs ( z.B. paßt scho ) geworden.

Das wird jedoch von den mit ( Aus-) Bildung befaßten Kremien und Kreisen, d.h. den Philologen, Germanisten und sonstigen kraft Amtes für Bildung, Erziehung  und Kultur Verantwortlichen völlig ignoriert. Sie sehen sich nach wie vor in der Tradition von Goethe und Schiller und reiten unter dem Deckmantel ihres höchstselbst definierten Bildungsauftrages ihre alltagsfernen Steckenpferde. Die verschiedenen Reformen haben nicht dazu beigetragen, die Sprache und den Sprachunterricht an die tägliche Realität anzunähern und vor allem auch für Ausländer leichter erlernbar, verständlich und in andere Sprachen übersetzbar zu machen.

Dies scheint jedoch kein rein deutsches Phänomen zu sein.

Für den Spanisch sprechenden Teil der Welt – das sind immerhin 450 Millionen Menschen in 22 Ländern - in Spanien selbst leben nur etwa 10% davon - hat die Königliche Akademie nach 11-jähriger Arbeit unlängst die Nueva grammatica de la lengua Española, ein 4.000 - seitiges Mammutwerk mit einem 750-seitigen Manual / d.h. einer Anleitung und einer 250-seitigen Gramatica basica, die den Zugang zu diesem Wälzer erleichtern sollen, pub-liziert. In den Medien ist die Rede von einer „Heldentat“ und die Reihe der gefeierten ( bereits toten ) Literaten, in deren Tradition das Werk stehe, ist schier unendlich.

Wem soll das bitte nützen und in welchem Zusammenhang mit der Verbreitung und täglichen Verwendung des Spanischen in 22 verschiedenen Ländern soll das praktische Bedeutung haben?

Auch das Spanische ist den sprachlichen Einflüssen der Europäisierung und der Globalisierung ausgesetzt und wird dementsprechend permanent idiomatisch und grammatikalisch beeinflusst und verändert.

Für Philologen, in Literatur und Kunst mag Sprachakrobatik ein interessantes Betätigungsfeld und eine Ausdrucksmöglichkeit sein. Eine heutige moderne Alltagssprache hingegen muß „funktionieren“, d.h. sie sollte vorrangig einer möglichst unkomplizierten, klaren unmißverständlichen Kommunikation dienen.

Anstatt sich mit narzistischer Selbstverliebtheit  an sprachlichen Konstrukten zu delektieren, diese noch weiter zu drechseln und mit Klauen und Zähnen zu verteidigen, wäre es an der Zeit, Alltagssprachen Schritt für Schritt zu entrümpeln, ihre indo-europäischen Ge- meinsamkeiten wiederzubeleben und zu Sprachen zu finden, die gegenseitiges Verstehen im strengen Wortsinn erleichtern