EMPURIABRAVA, 21.04.2019 - 03:09 Uhr

Bald auch ein „Gebirgsgesetz“ in Katalonien?

von Max aus Roses

In der Tageszeitung „ el Periodico“ vom 11.11.09 wird der „Plan de Montanya“ mit einem Gesamt - Volumen von 3,6 Mrd. Euro erklärt, der bis zum Jahr 2012 etwa 600 Maßnahmen, vor allem Straßenbau,  vorsieht.

Im genannten Artikel wird der der schlechte Zugang, d.h. der mangelnde Ausbau der Zufahrtsstraßen zu den Gebirgsregionen und den touristisch interessanten Orten festgestellt und beklagt.

Die Gebirgsregionen betragen etwa 30% der Landesfläche Kataloniens, wo nur 3% der Bevölkerung dauerhaft wohnen und leben.

Es bedürfe zudem einer Verbesserung der Infrastruktur in den Skigebieten, die ebenfalls Bestandteil des von der Regierung verabschiedeten Planes, das Alt Urgell, das Alta Ribagorca, das Berguedà, das Garrotxa, Pallars Jussà, Pallars Sobirà,  das Ripollès, das Solsonès und das Val d’Aran betreffend, sei.

85%  der  Investition über 2.821 Mrd. € kämen von der Generalitat, der Rest seien ministerielle Fördermittel.

Der Ausbau der N-230 zwischen dem Aragón und dem Tunnel von Vielha sei mehr als überfällig und der Anschluß an die N-260 zwischen Xerallo und El Pont verschlinge weitere 82 Mio. €.

Die Planungen mit dem Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung der Region, die im Vergleich mit anderen bislang stets etwas benachteiligt gewesen war,  seien  seit 20 Jahren im Gange. Üblicherweise werde für jede Provinz ein eigener Plan entwickelt, im vorliegenden Fall sei dies provinzübergreifend geschehen.

Die Summe der diesbezüglichen Investitionen habe von 2001-2005 bei 1,362 Mrd. € gelegen und sei nun auf mehr als 2,8 Mrd. € angestiegen.

Die Regionen Ber-guedà  und Garrotxa  kämen   in den Genuß   des   größeren Teiles    der Summe,  da   der  Ausbau der  C-16 zwischen   Berga   und  Bagà   als Verbindung  zum Tunnel  von Cadí  sehr   kostenintensiv  sei. Die   Komplettierung der Achse zwischen  Sant Esteve d’en  Bas und  Olot, sowie die Weiterführung der Straße von  Vic zum  Tunnel von Bracons   und    der  Ausbau  der  Straße zwischen Besalù  und  Banyoles seien  weitere Schlüsselstrecken  der  neuen Planung.

Der   gleichermaßen erfreute    und      erstaunte   Leser, Bürger, Autofahrer  und Steuerzahler fragt  sich  an  dieser Stelle,  ob man  behördlicherseits  dabei bebedacht  habe,   daß nicht nur Küsten, sondern auch Gebirgsregionen zu den hochsensiblen Gebieten der Natur zählen. Es wird ja nicht bei den paar Quadratkilometern für den Straßenbau und der in der Folge unausweichlichen Luftverschmutzung durch den auf ihnen fließenden Verkehr bleiben. Liftanlagen und Schneekanonen, Parkplätze und Restaurants werden die Natur ebenso  belasten und  verbauen, wie neue Urbanisationen und in der Folge sich dazu ansiedelnde Gewerbebetriebe.

Wie lange wird es dauern, bis der Staat sich dessen bewußt wird und man die Gebirgsregionen, genau wie die Küsten, zum schützenswerten, unveräußerlichen öffentlichen Eigentum erklärt ?

Was den Bergen recht ist, sollte den Küsten billig sein! Eine derart eklatante Ungleichbehandlung beider Gebiete, die sich im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Umwelt und das Klima im Kern durch nichts unterscheiden, ist unerträglich.

Will man sehenden Auges in den Bergen dieselben Fehler begehen, wie an der Küste und wird man danach nicht auch einsehen müs-sen, daß Fehlent- scheidungen korri-giert werden müssen?

Die Vermutung liegt nahe, daß auch hier – wie in vielen anderen Fällen - EU-Gelder im Rahmen der Kohäsionspolitik aus Struktur-Fond-Fördermitteln kurz-sichtig verbraten werden, um Probleme zu schaffen, die man ohne diese Mittel vorher nicht hatte und sich am Ende in die Riege der Länder einzurei-hen, in denen – wie in der königlichen Rede zum Küstengesetz so messerscharf und wahr festgestellt wurde – ähnliche Probleme, wie hierzulande bestehen, die nicht weiter hinnehmbar seien und die dringend gelöst werden müssen.