EMPURIABRAVA, 16.07.2019 - 06:36 Uhr

Burg Quermançó wurde mit großer Beteiligung für das Publikum eröffnet

Zwischen Vilajuïga und der Straße von Figueres nach Llançà liegt unübersehbar das Castell Quermançó (sprich: Karmanso) auf einem schroffen Felsklotz. Für die ehemalige Grafschaft Empúries ist das eine historisch bedeutsame Stätte. Von 1029 bis 1325 war dort das gräfliche Archiv  wohl gesichert untergebracht  Außerdem war die Burg kriegerischer Schauplatz mancher Auseinandersetzung der politischen Mächte der Region. Zudem handelt es sich um  einen magischen Ort, der von vielerlei Legenden lokalen und internationalen Zuschnitts umwoben ist. So wird die Burg mit der Gralssage in Verbindung gebracht. Auf ihrer Flucht vom Montsegur sollen katharische Ritter den Gral – den Kelch des letzten Mahles Jesu, in dem auch sein Blut am Kreuz aufgefangen wurde – nach Quermançó und von dort zum Montserrat gebracht haben. Andere betrachten das Castell als Sitz des Zauberers Klingsor, dem Gegenspieler  der Gralshelden Parzifal und Gawan, der hier große Schätze angehäuft und viele Jungfrauen gefangen gehalten haben soll. Es besass eine Zaubersäule, von der aus man in alle Länder der Welt blicken konnte. Wieder andere vermuten dort in unterirdischen Gängen eine Goldziege, die ein maurischer König oder Juden von Vilajuiga auf ihrer Flucht versteckt haben. Eine weitere legendäre Gestalt ist die „Gräfin Teresa von Molins“, eine Räuberhauptfrau aus San Pere Pescador, die im 19. Jahrhundert dort ihren Unterschlupf hatte und sich und ihre Kumpanen am Schluss in die Luft sprengte.  Kein Wunder, dass Dalí

eine Vorliebe für die Burg hatte – er war der Auffassung, dass man dort die schönsten Sonnenuntergänge der Welt erleben könne – und sie vor  Schloss Pubol für seine Gala kaufen und herrichten wollte. Er plante dort eine Tramontana-Windorgel, ein Projekt, das vor einigen Jahren  von Eigentümer und den „Freunden der Burg“ verwirklicht werden sollte, aber noch nicht zur Ausführung gekommen ist.

Ein interessanter Ort also, dessen Besuch sich lohnt. Allerdings stand man bislang vor einem verschlossenen Portal und konnte nicht ins Innere der Burg. Das hat sich nun geändert.

Der jetzige Eigentümer der Burg, Senor Josep M. Martorell, hat Aufgang und Burginneres mit beträchtlichen Kosten in landschaftsangemessener und denkmalsangepasster Weise herrichten lassen.  Das neueingerichtete turistische Empfangszentrum  CAT in Vilajuiga ( Centre d´Acollida Turistica) übernimmt die Führungen auf die Burg  (Tel. 972 530 977). Das Zentrum, das sich thematisch den „heiligen“ Wegen in Katalonien, vor allem dem Jakobsweg, widmet  ( mit einer kleinen Ausstellung), ist ansprechend gestaltet – man kann sich u a. anderem   an einer Bar erfrischen - und ist besuchenswert.

Vergangenen Samstag hatten nun Besitzer, das Rathaus von Vilajuïga und das CAT zur ersten Öffentlichen Besichtigung von Quermançó eingeladen. Ca. 120 Personen, groß und klein, hatten sich eingefunden, darunter auch einige Deutsche. Unter Führung einer Mannschaft vom CAT bewegten sich die Teilnehmer durch den Ort und stiegen dann durch eine beeindruckende Naturkulisse zur Burg auf. Durchs große Portal ging es nun auf gesicherten Wegen ins Innere der Ruine. Gut erkennbar sind links ein großer Saal, den eine französische Besatzung in den napoleonischen Zeiten als Mannschaftsraum erneuert hatte; in der Mitte die auffällig große Kapelle Sant Pere, unter der die Reste einer alten Anlage sichtbar werden ( die Franzosen hatten diesen „Keller“ wohl als Munitionsraum verwendet und bei ihrem Abzug gesprengt, was alle Dächer in die Luft hob). Rechts folgt der ehemals gewaltige und hohe „Torre mestre“, der Bergfried. Dann geht´s hinauf auf den großen Burgplatz, über den nun die europäische Fahne weht. Ein Blick in die Zisterne lässt an die unterirdischen Gänge und den unterirdischen See denken, die sich unter der Burg befinden sollen. Rundum schweift von dort der Blick ins Emporda, ans Meer und auf die Pyrenäen. Die Besucher hatten viel zu schauen und waren bald in angeregte Gespräche verwickelt. Neben einigen Ehrengästen konnte man mit einem Schriftsteller ins Gespräch kommen, der an einem Roman über Quermanzo schreibt. Senor Martorell konnte über das Geleistete und den Zuspruch zufrieden sein und war beglückt über eine Buchgabe, die Quermançó ausdrücklich mit den „Geheimnissen des Grals“ verbindet.

Die kleine deutsche Gruppe beschloss den abendlichen Ausflug bei Schinken und Wein in einer originellen Bodega im Industriegebiet von Vilajuiga.

Dr. Wolfram Janzen

Montag 16. August 2010 16.08.10 09:48

          

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