EMPURIABRAVA, 22.10.2020 - 06:00 Uhr

Ein Gang durch das jüdische Castelló d´Empúries (5)

Fortsetzung von gestern
CASTELLÓ / KATALONIEN / SPANIEN:
In Castelló sind ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts mindestens 180 Juden konvertiert. Diesen Schlag hat die jüdische Gemeinde nie mehr überwunden. Sie fristete ihr Dasein, in reduzierter Zahl, eingeschlossen in ihrem Viertelum ihre kleine Synagoge auf dem Hügel Eramala, in althergebrachter Weise, relativ  unbehelligt -  bis zum “Alhambra-Edikt“ der „Katholischen Könige“ 1497. Wenn sie nicht zum Christentum übertraten, mussten Juden binnen kurzem die spanischen Territorien verlassen. So ging es auch den Juden aus Castello, die ihrem alten Glauben treu geblieben waren. In den letzten Notarsnotizen, die Juden aus Castello betreffen, werden vier Männer und eine Frau  mit Namen genannt, die rasch und zu Schleuderpreisen ihre Darlehen, Häuser und Grundstücke verkaufen mußten; ein anderer verschenkt sein Haus im Judenviertel an einen Christen. Gold und Silber durften sie nicht mitnehmen, sie verfielen  dem König. Auch ihre Schriften und die heiligen Thorarollen mussten sie wohl zurücklassen. Dann traten sie den langen Weg in ein weiteres Exil der jüdischen Geschichte an. Wahrscheinlich zogen sie mit den Juden aus Girona nach Perpignan, wo sie aber nicht bleiben konnten; von Colliure aus schifften sie sich nach Italien ein. Von dort zogen viele Sefarden in die von den Osmanen beherrschten Länder, Griechenland, Türkei... Die osmanische Sultansoll sich über die Torheit der  spanischen Könige mokiert haben, „die ihre besten Bürger ihren ärgsten Feinden überließen“.

Doch auch die Übergetretenen waren ihre Probleme nicht los. Theoretisch hatten sie jetzt die gleichen Rechte wie die anderen Christen. Mit der Taufe trennte sie eine Kluft von ihrer alten Gemeinschaft, aber damit waren sie noch nicht in die Mehrheitsgesellschaft integriert.

Es bestand auch eine Kluft zwischen den „Neu-„  und „Altchristen“. Auf den Konversen lastete der „Makel“ des „jüdischen Blutes“ und der Verdacht des „Judaisierens“.

Tatsächlich übten viele der unter Druck Übergetretenen insgeheim ihre jüdische Religion weiter aus oder behielten aus Gewohnheit jüdische Sitten bei. Als Juden durften sie ihre Religion ausüben, aber jetzt waren sie Christen geworden und damit war „Judaisieren“ „Ketzerei“,  und wurde von der Inquisition verfolgt. In dem „Glaubensakt“ („Autodafe“), das 1495 in Girona vor der Kathedrale „zelebriert“ wurde, wurden 22 Konversen, Männer und Frauen, aus Castello d´Em- puries zum Tode verurteilt. Drei wurden verbrannt, die restlichen wurden – sie hatten sich der Verurteilung wohl durch Flucht entzogen - „in Abwesenheit“, in Form einer Puppe verurteilt und verbrannt.

Obwohl die Suche und Verfolgung der Inquisition weiterging und sie Nachteile hinnehmen mußten, blieb doch ein großer Teil der ehemaligen Juden in Castelló unbehelligt und ging in der übrigen Bevölkerung auf. So mag mancher Alteingesessener in Castelló d´Empúries jüdische Vorfahren haben, ohne, dass er es weiß.
Ende der Serie

Freitag 09. Oktober 2020 09.10.20 20:55

          

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