EMPURIABRAVA, 25.10.2020 - 08:31 Uhr

Ein Gang durch das jüdische Castelló d´Empúries (2)

Fortsetzung von gestern
CASTELLÓ / KATALONIEN / SPANIEN:  An einem Abend machen wir eine Führung zu den Orten jüdischen Lebens mit – Führer ist der jüdisch gewandete Senor Pau vom Fremdenverkehramt. Wir haben nicht alles von der in Katalanisch gehaltenen Führung verstanden, konnten es aber aus vorhandenen Kenntnissen, mit nachträglicher Lektüre und eigener Suche auffüllen. Die Führung begann in  dem Raum des Gefängnismuseums, der der jüdischen Vergangenheit der Grafenstadt gewidmet ist.

An einem Modell der mittelalterlichen Grafenstadt, wurde gezeigt, wo sich Juden ansiedelten. Zuerst war dies auf dem Puig Eramala am Rande der Stadt gewesen, um den Carrer dels  Jueus. Dort wurde auch die erste Synagoge eingerichtet, die sich am Platz des Gartens der Casa Sanllehi befand. Die „Call“, das jüdische Viertel, dehnte sich im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts über die Placa de la Llana in den Carrer del Lli, über die Gassen „Sant Pere mes Baix“, Peixateries Velles bis zum wirtschaftlichen und handwerklichen Mittelpunkt der Stadt, der Placa del Gra (heute Jaume I.) aus. Es waren jedoch einzelne Häuser in der ganzen Stadt in jüdischem Besitz. Die jüdischen Häuser waren durch eine „Mesusa“ an der rechten Seite des Eingangs  gekennzeichnet. In einer Einkerbung wird eine längliche Kapsel befestigt. Sie enthält auf Pergament geschriebene Worte aus der Thora (die fünf Bücher Moses), unter anderem das „Glaubensbekenntnis“ Israels, das „Schema“: Höre Israel, Er unser Gott, ist ein einiger, einziger Gott“. Beim Betreten eines Hauses legt der Jude seine rechte Hand an die Mesusa. „Raw“ Pau zeigt uns im Museum einen Stein, in dem sich die längliche Einkerbung für die Mesusa befindet. Der Stein stammt von einem Fenster der linken Seitenkapelle der Basilika Santa Maria, wo er eingebaut wurde.

Um 1280 erwarb man auf Grund des Anwachsens der jüdischen Gemeinde  durch Zuzug ein baufälliges Gebäude auf dem Puig del Mercadal, das man sukzessivezu einer großen und repräsentativen Synagogenanlage ausbaute. Nach alter und allgemeiner kirchlich-politischer Gesetzgebung war es nicht erlaubt, neue Synagogen zu errichten oder ältere zu erweitern,  der Bau  fand aber offenbar die Unterstützung des souve- ränen Grafen und auch die Erlaubnis des Bischofs von Girona. 1415 hatte der aus Aragon stammende Papst Benedikt XIII. (nach seiner Herkunftsfamilie genannt „Papa Luna“) – einer der  Doppelpäpste der Zeit, der die Unterstützung des aragonesischen Königshauses hatte - eine Bulle („Etsi doctoris gentium)erlassen, die Juden schwere Einschränkunen auferlegte, u.a. die Schließung neuer, erweiterter oder besonders aufwendiger Synagogen. Auf Grund dieses Dekrets wollte der Generalvikar der Diözöse Girona die Synagoge in Castello schließen lassen. Dies konnte aber verhindert werden. Aus dem Bericht der Kommission, die den Sachverhalt prüfte, wissen wir, dass es sich in Castello um eine – mindestens in Teilen – außergewöhnlich „preziose“ Synagoge gehandelt haben muß. Aus dem Bericht kann man übrigens auch entnehmen, das sich die christlichen Anwohner und Passanten über laute Gebete, verbunden mit „ schändlichen Schmähungen des Erlösers“ beklagten, die an den Sabbaten und jüdischen Feiertagen aus der Synagoge schallten. 1417 sollte diese Synagoge auf Grund der Zahlungsunfähigkeit der zusammengeschmolzenen Gemeinde auf Betreiben des königlichen Prokurators der Grafschaft versteigert werden. 1420 wurde der Gebäudekomplex verkauft und zu einem Hostal umgewandelt.

Die durch massenhafte Übertritte zum christlichen Glauben klein gewordene und in prekären Umständen befindliche Gemeinde wurde durch kirchlich-politischen Druck gezwungen, sich in das alte Judenviertel  auf dem Puig Eramala zurückzuziehen, wo sie abgeschlossen lebte. 1442 erwarben Vertreter der Aljama das alte Synagogengebäude zurück, das dann bis zur Vertreibung 1492 den Juden als Versammlungsort diente.
Fortsetzung  morgen

Dienstag 06. Oktober 2020 06.10.20 20:53

          

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