EMPURIABRAVA, 19.09.2020 - 05:04 Uhr

Covid-19 löste in der Provinz Girona ein Fahrradfieber aus - doch jetzt gibt es lange Gesichter

PROVINZ GIRONA / KATALONIEN / SPANIEN:  Die Provinz Girona ist eine Fahrradprovinz und nicht erst, seit sich Lance Armstrong hier seine Tour de France-Siege antrainierte (wir gehen hier mal vom Unschuldsgedanken der Dopingvorwürfe aus) oder Jan Frodeno, dreimaliger Iron Man-Sieger auf Hawaii, sich hier sechs Monate im Jahr die Grundlagen für diesen mörderischen Sport holt.

Nein: in der Provinz Girona wird sehr viel Rad gefahren und mit der Corona-Pandemie noch mehr, weil man sein Auto nicht mehr so viel benutzen durfte und ausserdem ein wenig mehr Fitness ja auch nicht schadet. Also wurden die Fahrradgeschäfte leer gekauft und die alten Drahtesel wurden zur Auffrischung zum Bike-Dealer des Vertrauens geschafft - mit dem Auto natürlich.

Die Händler freute es natürlich und die Spinnen ganz genauso, denn in den Lägern war jetzt jede Menge Platz für fein gesponnene Netze. Der Fahrradboom ebbte jedoch schnell ab, aber nicht weil die Bürger der Region keine Lust mehr darauf hatten, sich auf schmalen Rennradsätteln Hämorrhoiden zu holen, sondern weil es nichts mehr zu kaufen gab. Irgendwann hatten die Geschäfte auch das letzte unnütze E-Bike, das letzte altmodische Holland-Fahrrad und das letzte Dreirad verkauft und konnten darüberhinaus auch keine Ersatzteile für die entweder neuen und schon kaputten Räder oder die alten abgehalfterten besorgen. Und warum dies: weil  fast alles - egal ob für alte oder neue Räder - aus China oder überhaupt Asien kommt. Und wir wissen, dass dort auch so manche Fabrik für Monate zumachen musste und offensichtlich waren dort ausgerechnet viele Fahrradfabriken betroffen. So kommt es, dass mittlerweile wesentlich weniger Räder auf den Strassen unterwegs sind und es blüht der Schwarzhandel für Ersatzteile. “Haste mal nen Reifen, ich hab ne Klingel” sind geflügelte Worte geworden.

Hinzu kommt noch, dass es sehr lange Wartelisten für Neuware oder Ersatzteile gibt und nichts kommt an. Im Herbst sind dann aber wieder alle unterwegs und die Fahrraddealer gemachte Leute.

PS. Bei den Motorrädern aus Asien oder auch den USA sieht es ähnlich aus, nur die gute alte deutsche BMW kann wohl noch liefern.

Donnerstag 16. Juli 2020 16.07.20 23:04

          

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