EMPURIABRAVA, 16.07.2020 - 16:12 Uhr

Ab heute wird das Sant Joan-Fest gefeiert – Tradition, Herkunft und Tipps

ALT EMPORDÀ / KATALONIEN / SPANIEN: Dienstag und Mittwoch wird hierzulande der Heilige Johannes - Sant Joan – mit einem grossen Fest geehrt, aber eigentlich ist dies kein christliches, sondern eher ein heidnisches Fest. Traditionell werden an sicheren Orten, also u.a. auch an den Stränden, grosse Feuer angezündet (fällt in diesem Jahr aus), die aber nicht zum Braten von Würstchen dienen, sondern der Sonne mehr Kraft verleihen soll, da sie ab sofort durch die kürzeren Tage an Stärke verliert.

Eine andere Version ist eine christliche und die besagt, das Zacharias befohlen hatte, Lagerfeuer anzuzünden, damit die Winde der vier Himmelsrichtungen die Geburt seine Sohnes Johannes in der Welt verkünden. Daraus wurde dann irgendwann der Heilige Johannes, der Sant Joan oder in Spanien San Juan.

Die Feuer werden meist am Abend entzündet, so auch in Empuriabrava und Roses und ist der Wind nicht zu stark, sind sie schon von weitem zu sehen. Eine mögliche – christliche - Erklärung für die Feuer könnte auch sein, dass Feuer reinigend Kräfte hat (siehe auch die Inquisition mit ihren Menschenverbrennungen). In diesem Fall strebten und streben die Menschen eine Erneuerung an, in dem sie alte Sachen wie Kleidung oder Möbel verbrannten.

Ein Ritual der Johannisfeuer ist, dass man kleinere Lagerfeuer mit Anlauf überspringt, aber dabei hat sich schon so mancher einen heissen Hintern geholt, wenn er seine Laufgeschwindigkeit und Sprungkraft überschätzt hat. Also Vorsicht beim Mitmachen.....

Beendet wird die Nacht, die auch „Verbena de Sant Joan“ genannt wird, wobei „verbena“ nichts anderes als Party, Feier oder Fest bedeutet, mit Musik und natürlich einem grossen Feuerwerk (fällt in diesem Jahr auch aus). Danach geht die Party dann erst richtig los und die Wirte freuen sich.

Zu einer ordentlichen Sant Joan-Feier gehört zwingend auch ein Stück „Coca de Sant Joan amb Cava“. Hierbei handelt es sich um einen speziellen Kuchen, der normalerweise doppelt so lang wie breit ist und mittlerweile mit den unterschiedlichsten Zutaten hergestellt wird, aber süss sollte er schon sein. Dazu trinkt man ein Glas „Cava“, katalanischen Sekt und schon nimmt man einer weit verbreiteten Tradition teil. „Coca“ bekommt man ein, zwei Tage vor dem Fest in Bäckereien und Supermärkten, wobei die frisch hergestellten aus traditionellen Bäckereien um Längen besser schmecken als die abgepackten Chemiekeulen aus dem Supermarkt. Die „Coca“ kann man sich während des Abends am 23. oder auch am nächsten Tag, dem eigentlichen Johannistag, schmecken lassen.

An Sant Joan und kurz davor kann es laut werden. Im Grunde ist dieses Fest das Silvester Kataloniens und Spaniens, was das Zünden von Böllern und Raketen betrifft (gibt es auch in diesem Jahr, aber mit verminderter Feuerkraft). Krachzeug kann man in speziellen Läden kaufen und vor allem Jugendliche machen sich einen Spass daraus, schon vor Sant Joan Leute mit Chinakrachern oder ähnlichem zu erschrecken. Das ist zwar verboten und die Polizei darf nichts mitbekommen, aber ändern wird man daran nichts.

Für Empuriabrava sind lediglich am 23. Juni um 18.00 Uhr vor oder im Festzelt im Hafen Havaneres-Gesänge mit der Gruppe “Terra Endins” geplant und ab 21.00 Uhr soll ein Konzert mit den d’Gremlins in der Strandbar AMS stattfinden und das war es dann auch schon mit den Festlichkeiten.

Aber in Castelló d’Empúries sieht es auch nicht viel besser aus und es gibt ebenfalls am 23.6. ab 19.30 Uhr nach dem Eintreffen der Flamme von Canigó zwei Umzüge durch den Ort. Ohne anschliessende Party oder Umtrunk. Am 24.6. um 20.00 Uhr finden dann auch der Plaça Alsina Sardanes-Tänze mit der Cobla Rossinyolets statt und auch hier gibt es kein öffentliches Nachfeiern.

Der 24. Juni, der Johannistag, ist gesetzlicher Feiertag. Banken, Post, Ämter und Behörden haben geschlossen, dafür haben die meisten Supermärkte, Bäckereien etc. in Küstenorten normal geöffnet. Natürlich sind auch die Restaurants und Bars offen – man muss also nicht zwangsläufig verhungern.


Dienstag 23. Juni 2020 23.06.20 12:26

          

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