EMPURIABRAVA, 19.09.2020 - 03:41 Uhr

Rund 200 Teilnehmer folgten dem Aufruf zur Teilnahme an Versammlung gegen Hausbesetzer

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN: Gab es das schon einmal abgesehen von den Protesten gegen das Küstengesetz vor ein paar Jahren, dass sich Massen an Bürgern Empuriabravas zusammen taten? Gestern geschah dies ein weiteres Mal, um sich bei der von der Bürgerinitiative „Rosa dels Vents“ anberaumten Versammlung gegen die Plage der Hausbesetzer zu treffen? Am Donnerstag waren es rund 200 (vielleicht sogar ein paar mehr), die Einlass im Centre Cívic begehrten, aber zum Teil keinen Platz mehr fanden. Kurzerhand mietete man einen Saal im gegenüber liegenden Hotel „Xon's“ an, wo es dann aber auch recht knapp wurde, aber letztendlich rückte man zusammen und alle Besucher passten hinein. Das Problem war, das kein Mikrofon vorhanden war und man in den hinteren Reihen leider kaum etwas von dem verstand, was vorne gesprochen wurde.

Der Vorsitzende und Sprecher von „Rosa dels Vents“, Joan Puerto“ (ehemaliger Abgeordneter für Sicherheit im Rathaus von Castelló), begrüsste die Teilnehmer und erklärte zunächst die Nicht-Teilnahme von Bürgermeister Güell (wird in einem weiteren Beitrag näher erläutert) und ging dann sofort in die Vollen und meinte, das endlich etwas gegen die Machenschaften der Hausbesetzer in Empuriabrava geschehen müsse und es nicht sein kann, dass hier mafiöse Strukturen aufgebaut würden, die von Drogenanbau, Drogenhandel bis hin zur Geldwäsche und anderen bösen Dingen gehen.

Puerto betonte, dass bislang recht wenig gegen das Problem Hausbesetzer getan worden ist – weder vom Rathaus noch von der Polizei - und sich diese Individuen im Grund genommen herausnehmen können, was sie wollen. Problematisch scheint eine neue grosse Gruppe an Leuten aus dem Ostblock zu sein, die nicht nur gnadenlos Häuser und Wohnungen besetzen, sondern auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurück schrecken.

Zwar ist gesetzlich geregelt, dass bedürftige Bürger das Recht auf eine adäquate Unterkunft haben und notfalls auch Immobilien belegen können, doch was in Empuriabrava passiert, hat in den meisten Fällen nichts mit „Bedürftigkeit“ zu tun, sondern dient als Basis für Verbrechen. Mittlerweile werden gerne Häuser am Kanal „okkupiert“, denn dort ist es anscheinend noch einfacher, Drogenplantagen aufzubauen und direkt per Schiff an andere Orte zu schicken.

Ziel von „Rosa dels Vents“ ist es, eine ähnliche Gesetzgebung wie auf den Balearen zu bekommen, wo man dasselbe Problem hatte und auf richterliche Anordnung nun hingehen kann und besetzte Häuser von der Polizei räumen lassen kann – und da ist es egal, wie lange die Hausbesetzer das Objekt schon für sich beschlagnahmt haben. Man möchte mit den offiziellen Stellen u.a. auf Mallorca zusammen arbeiten und Ideen austauschen, wie man vorgehen könnte, damit Empuriabrava wieder frei von diesem Gesockse wird.

Joan Puerto erklärte weiter, dass sich Empuriabrava von einem wundervollen Ort mit weltweiter Beachtung zu einem nicht mehr sicheren Provinznest entwickelt hat und wenn diese Entwicklung weitergeht, man dies demnächst an den Einwohnerzahlen, der Zahl der Touristen und dem Niedergang der Wirtschaft und der Infrastruktur wird sehen können.

Von Seiten der Vereinigung wird man nach Lösungen suchen, ist dabei aber natürlich auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Jeder kann Ideen einreichen – egal in welcher Sprache – und kann helfen. Darüber mehr in einem weiteren Beitrag auf dieser Seite.

Zurück zur Versammlung: Der Einfachheit halber wurden die Informationen in Spanisch weitergegeben und auch die Diskussionen sollten in dieser Sprache gehalten werden. Ein Teil der Infos wurde auch auf Deutsch und Französisch übersetzt, aber letztendlich nahm dies viel zu viel Zeit in Anspruch und wie immer plapperten viele in ihrer Muttersprache drauf los und ein Grossteil der Besucher verstand natürlich kein Wort. Nachdem dies überhand nahm, reagierte die Junta von „Rosa dels Vents“ und führte die Versammlung rigoros auf Spanisch weiter – und das funktionierte dann auch.

Vielleicht hätten ein paar mehr Informationen und Zahlen besser zum Verständnis der Situation beigetragen, aber auch so waren die teilnehmenden Bürger stellenweise entsetzt über das, was gesagt wurde. Regelmässige Treffen und vermehrter Austausch wären gut, um nicht nur den Betroffenen – die übrigens im Grunde keinerlei Rechte mehr nach der Besetzung ihres Eigentums haben – sondern auch allen, die ebenfalls in diese Situation geraten könnten, zu helfen.

Weiterhin wäre eine Liste mit Tipps, was man als Besitzer selber in die Wege leiten kann, nicht schlecht.

Der erste Schritt ist nun gemacht und hoffentlich bleibt man dran und lässt nicht alles im Sande verlaufen.



Freitag 14. Februar 2020 14.02.20 10:41

          

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