EMPURIABRAVA, 26.02.2020 - 16:58 Uhr

Sergio Martínez Casadesus nach tragischem Unfall verstorben

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN: Noch bis vor ein paar wenigen Jahren kannte wohl der Grossteil der Bewohner sowie zahlreiche Urlauber Sergio Martinez, diesen halben Deutschen und halben Spanier, der während seiner Berufslaufbahn in erster Linie im Nachtgeschäft tätig war.

Vor einiger Zeit ging er zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach Hessen, weil ihm hier in der Bucht von Roses das Glück wahrlich nicht hold war und weil er sich erhoffte, dass man ihm in Alemania mit seinem Bein, das nach einem Autounfall mehr als schwer zerstört war, besser helfen konnte. Dem war nicht so und das Schicksal traf ihn am 1. Februar erneut in Form eines Unfalls mit seinem PKW, doch diesmal hatte er kein Glück und er starb mit nur 51 Jahren an den Folgen der schweren Verletzungen. Ein 26-Jähriger übersah beim Abbiegen ein anderes Auto und stiess mit diesem zusammen und dieser PKW schoss anschliessend unkontrolliert auf die Gegenfahrbahn und erwischte frontal den Renault von Sergio.

Aber wer war Sergio Martínez Casadesus eigentlich? Seine herausragendste Eigenschaft war zweifellos seine Tierliebe, in der dieser in einem Heim für Tiere in Roses voll aufging. Der von der Figur her eher breitere Halbspanier hatte ein Händchen für die kleinen ausgesetzten Würmer und diese wurden in seinen Händen zu den friedlichsten Geschöpfen überhaupt.

Ganz anders im Berufsleben. Er tauchte vor vielen, vielen Jahren zum ersten Mal im Saloon in der damaligen „Zona Nit“ in Empuriabrava auf, wo er trotz seines schlimmen Beines dafür sorgte, dass kein ungebetener Gast die schmucke Bar betrat. Nachdem er diesem Job nach ein paar Jahren aufgab, betrieb Sergio im Los Arcos nacheinander zwei Bars – eine ganz unten versteckt namens „Tijuana Rockcafé“ und später mit einem Partner eine andere im ersten Stock des Gebäudes. Aber das Glück war auch hier nicht auf seiner Seite und nach einigen Jahren musste er aufgeben. War eigentlich schade, denn wenn Sergio eines konnte, war es das Erzählen von teilweise sehr verworrenen, aber doch lustigen Geschichten und er konnte sich über die Lokalpolitiker aufregen wie kein anderer.

Da er trotz Behinderung vom spanischen Staat keine grossartige Unterstützung erhielt, blieb ihm nur die Rückkehr nach Deutschland, wo er dann auch wieder Fuss fasste, einen Job und eine Wohnung hatte (kurioserweise bei ehemaligen Geschäftsleuten aus Empuriabrava) und es ging vorwärts – bis zum 1. Februar.

Das Sergio Empuriabrava verliess, war schon ein grosser Verlust – ist aber natürlich nichts gegen seinen viel zu frühen Tod. Speziell in den sozialen Medien ging ein Aufschrei nach Bekanntwerden seines Ablebens und egal ob Katalanen, Spanier oder Deutsche: alle verabschiedeten sich mit viel Respekt und netten Worten von ihm.

Sergio Martínez Casadesus hinterlässt seine Eltern, für die dies schon der zweite schwere Verlust war, denn vor einiger Zeit verunglückte der zweite Sohn ebenfalls mit dem Auto.

Seine Eltern würden ihren Sohn natürlich gerne hier beisetzen, doch da wäre finanzielle Hilfe nötig. Wir werden morgen eine Adresse mit einer wahrlich vertrauensvollen Person veröffentlichen, an die die Spenden gehen könnten.

Nun noch ein paar Worte in eigener Sache. Ich kannte Sergio über viele Jahre und unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Eines blieb immer gleich: der Spass an Unsinn mit Worten, das Erzählen (manchmal natürlich übertrieben) von absurdesten Geschichten, der Unmut über die Politik und die Freude über ewig lange Diskussion über manchmal rein gar nichts. Er war ein sehr angenehmer Gesprächspartner, der auch mit groben Schimpfworten nicht sparte – aber diese muss man eben manchmal benutzen. (MO)

RIP alter Freund y DEP amigo viejo.

Mittwoch 05. Februar 2020 05.02.20 22:09

          

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