EMPURIABRAVA, 20.11.2019 - 23:29 Uhr

Seenot – wann kann man davon sprechen?

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN: Wenn ein Schiff havariert, d.h. ein technisches Problem hat, oder auf Grund gelaufen ist, ist dies nicht unbedingt ein Seenotfall.

Um dem Missbrauch der für Seenotfälle vorgesehenen Hilfssignale (SOS, MAYDAY) vorzubeugen, müssen in einem Seenotfall bestimmte Kriterien erfüllt sein. Das wichtigste davon ist, dass definitiv Gefahr im Verzug ist, d.h. dass dadurch die Gesundheit und das Leben der Passagiere und/oder der Besatzung unmittelbar bedroht ist.

Nur wenn ein manövrierunfähiges Schiff für andere Schiffe oder für die Umwelt eine wirkliche Gefahr darstellt, ist dies ein Seenotfall, der allerdings weder SOS noch MAYDAY rechtfertigt.

In solchen Fällen ist über die nächstgelegene Seefunkstelle die Küstenwache zu verständigen. Falls man über kein Seefunkgerät verfügt, wo derartige Meldungen über Kanal 16 abgesetzt werden können, ist im Notfall auch die DGZRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) in Bremen zuständig – und dies international.

Gem. der international gültigen KVR (Kollisions-Verhütungs-Richtlinie) sind im Fall der eingeschränkten, oder totalen Manövrierunfähigkeit, alle Wasserfahrzeuge – d.h. auch die Berufsschifffahrt – nach §18 ausweichpflichtig.

Wenn die Küstenwache von einer Havarie, oder eingeschränkter Manövrierfähigkeit eines Seefahrzeugs Kenntnis hat, sendet sie in Abständen über Kanal 16 entsprechende Warnhinweise.

Um andere Fahrzeuge visuell zu warnen, sind Flaggen, oder bei Nacht Lichter zu setzen, ggf. auch und Tonsignale auszusenden.

Die Flagge „D“ (Delta), bzw. bei Nacht die Lichter Rot-Weiss-Rot untereinander gesetzt, zeigen an, dass man manövrierbehindert ist.

Zusätzlich kann man die Flagge „M“(Mike) setzen, die anzeigt, dass die Maschine nicht läuft. Bei Nacht muss dementsprechend das weisse Toplicht ausgeschaltet sein.

Das Problem ist, dass allzu viele Freizeitkapitäne keine, oder nur wenig Ahnung von den diesbezüglichen Möglichkeiten und Vorschriften haben.

So ist z.B. ein unter Segeln und Motor laufendes Segelboot (z.B. beim dänisch kreuzen) rechtlich gesehen ein Motorboot und muss bei Tag einen mit der Spitze nach unten zeigenden schwarzen Kegel führen. Ein Sportboot, von dem aus geangelt wird, ist verpflichtet, 3 schwarze Ballons zu setzen.

Es wäre zwar hilfreich, wenn es, zumindest für Sport- und Freizeitboote, auf dem Wasser eine dem ADAC vergleichbare Organisation gäbe, an die man sich bei Problemen wenden könnte. Dies entbindet jedoch nicht davon, ausreichende Kenntnisse der in der Seeschifffahrt gültigen Regeln zu besitzen.

Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass bei Schlepp- und Bergemanövern das internationale Seerecht gilt.

Die anfallenden Kosten sollten vorher, möglichst vor Zeugen, oder schriftlich vereinbart werden.

Es gibt dafür auch die sog. Lloyds open form, wonach bei einer missglückten Bergung kein Kostenanspruch für das Bergeunternehmen besteht (no cure - no pay).

Gem. Seerecht hat der Hilfeleistende, oder das Bergeunternehmen bei nicht vorheriger und ausreichender Klärung der Kostenfrage Anspruch auf den Schiffswert, bzw. auf das Schiff selbst.

Das gilt insbesondere auch für die Befestigung einer fremden Schleppleine am havarierten Boot. Um dies zu vermeiden, sollte man immer eine eigene Schleppleine dabei haben, um diese im Bergefall beim Abschlepper festmachen zu können. In diesem Sinne: Allzeit Gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Donnerstag 07. November 2019 07.11.19 22:23

          

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