EMPURIABRAVA, 20.11.2019 - 22:49 Uhr

Satire: Grausamer Anschlag auf wehrlose Mitbürgerin

Tauber mann in roses

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN: Eigentlich wollten wir ja nur in Frieden etwas Essen gehen und den Tag ausklingen lassen. Es war ja nun wirklich ein richtig schöner Herbsttag, eigentlich ja so ein Tag, wie er hier normalerweise immer normal gewesen ist, aber die letzten Monate litten ja eindeutig allzu sehr unter den Folgen einer missglückten Klimarettung. Es war zu trocken und zu wenig feucht. Verkehrte Welt. Die Umweltkatastrophen stehen ja womöglich doch in einem direkten Zusammenhang mit den Anstrengungen zum Klimaschutz. Diese gewagte Theorie stammt von meinem Cousin Klaus-Friedrich, dem Erzeuger der übergewichtigen Plagen mit der Vorliebe für rot-weiße deutsche Esskultur.

Und mit eben dieser Verwandtschaft war ich also nun zum Essen in ein kleines, aber auch ebenso feines, Restaurant, an diesem besagten Tag, auf der Terrasse sitzend im entspannenden Licht der Abendsonne.

Ach ja, ich vergaß noch Tante Klara zu erwähnen, die dieses Mal ja wieder mitgereist war, die Erbtante, auf welcher mein Cousin schon länger die Finger drauf hat, saß am Kopfende des Tisches, zu ihren Füßen lag der Familienhund, ein grässlicher Köter, der mich sichtlich nicht leiden mag und der mir seine Abneigung täglich auf vielfältige Weise bezeugt.

Meine Lederjacke, ja dieser zerbeulte Ersatz für die weiblichen Handtaschen, von der ich mich nie und niemals trennen werde, hing lässig über dem Stuhl, welcher rechts neben der Tante positioniert, zum Ablegen diverser anderer Familienutensilien diente.

Das Essen wurde serviert, natürlich mir Extraportionen von Rot-Weiß und dem perfekten Tagesausklang stand nichts mehr im Wege. Die Plagen quälten ihre Smart-Phones, Tante Klara quälte den Kellner mit umfangreichen Sangria Nachschub ordern.

Da zerrissen jäh Detonationsgeräusche und Sirenengeheul nahe der Schmerzgrenze die friedfertige Abendstimmung. Die Explosionen ereigneten sich, soweit war noch zu lokalisieren, in meiner geliebten Lederjacke. Tante Klara sprang vom Stuhl hoch, stieß gegen den Terrassentisch und sorgte so schon mal wieder für weiteren Sangrianachschub. Sie riß meine Jacke hoch und wollte sie wohl zur Seite schleudern. Aufgrund des hohen Eigengewichtes dieser Jacke, welche ja ach so viel nützliches wie unnützes enthält, geriet die Schleuderbewegung der noch immer jaulenden und explodierenden Jacke völlig aus der vorberechneten Flugbahn und traf den Kellner, welcher ein Tablett mit der linken Hand balancierend dem Kriegsschauplatz zueilte, in den Bauch, was wiederum das Tablett mit einer bogenförmigen Freiflugeinlage quittierte, die dann in der Paellapfanne auf dem Nachbartisch endete. Jähes Entsetzen in den Augen der restlichen Gäste, ein Kellner auf der Flucht vor meiner Lederjacke, zerstörter Abendfrieden......

Die Erklärung des Phänomens der jaulenden und schießenden Lederjacke, meiner geliebten Lederjacke, war rasch gefunden.

Ich hatte mir am Vortag eine mobile Freisprecheinrichtung über Bluetooth zugelegt. Für mein Handy, wirklich schön laut, denn ich höre oft die Klingeltöne nicht. Ich habe dieses Teil zu Hause initialisiert und in die Jacke gesteckt, wiegt 350g, ist laut wie eine Stereoanlage der späten 60-ziger bei der Kellerparty. Und dieses Ding steckte nun eingeschaltet in meiner Jacke und sollte das Handy-Klingeln übertragen. Nur, es rief niemand an. Dafür spielten die Plagen mit ihren Smart-Phones, entdeckten den „Blauzahn“ Empfänger in Reichweite, nicht geschützt durch irgendwelche PINs oder so, enterten die Verbindung und spielten irgendwelche Filmmusik ab, welche sie gespeichert hatten. Nur, sie wussten ja nichts von meiner genialen Lösung meiner Altersschwerhörigkeit und so kam es zu der explodierenden Lederjacke mit all ihren Folgen.

Ebenso darf ich mir aktuell mal wieder keine Hoffnungen machen, meine Liquiditätsprobleme mit Tante Klaras Hilfe etwas zu mindern. Sie glaubt mir nicht, auch wenn ich es immer wieder betone, dass ich gänzlich unschuldig sei.

Man hätte man mich ja wenigstens mal aufklären können, was das Höllengerät so alles kann. Ich muss schon sagen, ich bin beeindruckt. Mein Handy höre ich jetzt wirklich auch über 3 Stockwerke und freisprechen kann man auch mit dem Ding und mit Hilfe einer alten Lederjacke wird es auch noch zur richtigen Kriegswaffe, Hut ab, die Jungs bei EPS haben schon tolle Sachen im Regal......

Pepino

Sonntag 20. Oktober 2019 20.10.19 22:30

          

Weitere Meldungen: