EMPURIABRAVA, 15.10.2019 - 23:55 Uhr

Kommentar: Gesellschaftsspiele oder anderer Zeitvertreib auf dem Airport Girona – wenn Ryanair geht

GIRONA / KATALONIEN / SPANIEN: Es scheint vorbei zu sein! In wenigen Wochen wird Ryanair die Basis Girona aufgeben und dann mit Glück sechs oder sieben Verbindungen aufrecht erhalten – das ist ein Tod auf Raten für einen Flughafen. Es wird dann wieder so sein wie früher: die wenigen dann noch verbleibenden Mitarbeiter – Ryanair entlässt ja seine 162 Festangestellten in Girona – können problemlos auf Socken durch die Hallen des Flughafens schlittern, können Gesellschaftsspiele starten ohne Angst haben zu müssen, bald von einer startenden oder landenden Maschine gestört zu werden und Preisausschreiben starten, deren Hauptpreis eine Reise ist – abgehend vom Airport Barcelona.

Lange hat das Konstrukt Airport Girona gehalten, obwohl es so manches Mal am seidenen Faden hing. Aber unter gütiger Mithilfe von Subventionen der Generalitat, der Regionalregierung in Girona oder von der Handelskammer, konnte der gierige Schlund der Verantwortlichen von Ryanair immer gedade noch gesättigt werden und es ging ein paar Monate wieder alles gut.

Mittlerweile kann man Ryanair mit einer Heuschreckenplage vergleichen, die Flughäfen aussaugt und dann ohne Skrupel in den Dreck wirft. Es wird wahrscheinlich auch nicht mehr lange dauern, bis die ersten Abwrack-Unternehmen erscheinen, um sich dann unnötige Bauten oder auch Flugzeuge einzuverleiben und auszuweiden, bis nur noch Skelette am dann grauen Horizont zu erkennen sind.

Leider wurde das viele Geld – nicht genannt werden wollende Quellen sprechen von bis zu 60 Millionen Euro für Ryanair – pro Jahr wohlgemerkt – und insgesamt schon mehr als eine halbe Milliarde an illegalen „Spenden“ an die Iren. Was hätte man damit alles anfangen können....

Den Verantwortlichen muss man – obwohl sie zweifellos in guter Absicht gehandelt und mit dem Geld den Tourismus (zumindest von der Zahl der Urlauber her) auf Top-Standard gehievt haben – ankreiden, zu kurz gedacht zu haben und eine Art Monokultur zugelassen zu haben. Wie jeder wissen sollte, zerstört Monokultur in der Landwirtschaft jedes Feld und schlaue Bauern wechseln regelmässig ihre Bepflanzung, um möglichst lange an dem Anbau zu verdienen.

Genau so hätte man es auch auf dem Airport Girona machen müssen: mehr Fluggesellschaften und vor allen Dingen grosse, die sich gegenseitig Konkurrenz hätten machen können. So geschehen auf den Kanaren, die zwar auch nicht glücklich über den Abgang von Ryanair sind, weil etliche grosse Landstriche in Europa nun erst einmal bezüglich möglicher Touristen verloren sind, aber man hat ja immer noch Gesellschaften wie Vueling, Norwegian, EasyJet, Jet2, Eurowings etc. in der Hinterhand. Urlauber und Gäste wird man wohl kaum verlieren.

Den gleichen Fehler wie Girona hatte vor knapp 20 Jahren auch der Flughafen Perpignan gemacht und man verlor praktisch von einem Moment auf den anderen Ryanair als Grosskunden. Aber die Nachbarn aus dem Norden haben gut reagiert und mittlerweile hat man einen lukrativen kleinen Flughafen, der prächtig funktioniert.

Der Schreiber dieser Zeilen kennt den Airport Girona noch aus alten Zeiten. Damals kamen nur ab und zu ein paar Flieger aus England und ein einziger pro Woche aus Deutschland (Düsseldorf) an und das wars. Im Winter lief nur eine Notbeleuchtung, damit man sich vor der Ankunftshalle nicht den Hals brach. Parkhäuser? Nicht vorhanden. Hotels? Nada. Leihwagen? Haha.

Und wahrscheinlich wird es wieder so weit kommen, wenn die katalanische Regierung, die Landesregierung und alle anderen Regierungen, die es noch gibt, nicht schnell handeln. (MO)

Freitag 30. August 2019 30.08.19 21:29

          

Weitere Meldungen: