EMPURIABRAVA, 25.08.2019 - 14:46 Uhr

Interview mit dem Bürgermeister von Castelló und Empuriabrava, Salvi Güell

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN: Vergangene Woche trafen sich ARENA und der Bürgermeister von Castelló d'Empúries und Empuriabrava, Salvi Güell i Bohegas, zu einem sehr relaxten Gespräch in angenehmer Atmosphäre über die kürzlich abgehaltenen Kommunalwahlen, über die Pläne des Rathauses speziell für Abraummaterial und über die Zukunftssaussichten. Heraus kam ein sehr interessantes Interview mit einigen Überraschungen und einer Einleitung des Alcalde, mit der wir nicht gerechnet hatten.

ARENA: Senyor Alcalde, wie glücklich oder froh sind Sie, die Kommunalwahlen doch sehr deutlich gewonnen zu haben und was bedeutet dies für Castelló und Empuriabrava?

Salvi Güell: Darf ich erst auf ein anderes Thema eingehen? Wo sind in diesem Jahr die Touristen?

ARENA: OK, dann machen wir es umgekehrt. Es ist eigentlich logisch, dass weniger Leute da sind, da in Jahren, in denen Ostern sehr spät liegt, kommen die Gäste entweder sehr spät oder gar nicht. Ist seltsam, ist aber so. Aber viel schwerwiegender ist, dass sich (für diese Länder natürlich positiv) die Türkei, Ägypten (gerade heute leider ein Attentat auf unschuldige Menschen. Die Red.), Griechenland, Slowenien nach internen Problemen erholt haben und Kroatien in der Gunst der Urlauber noch einmal zugelegt hat. Mit den Preisen, die dort angeboten werden, kann Katalonien oder auch Spanien nicht mithalten.

Salvi Güell: Was mit aufgefallen ist, sind die fehlenden Franzosen. Im Mai und Juni waren noch sehr viele Gäste aus dem Nachbarland da, aber auch aus Deutschland kamen recht viele Urlauber, aber im Moment? Wie erklärt sich ARENA das?

ARENA. Siehe oben. Auch die Franzosen wollen preiswert Urlaub machen oder bleiben gleich ganz im eigenen Land. Aber warten wir mal ab, denn ab dem 1. Augustwochenende wird es voll.

Salvi Güell: Na mal sehen....

ARENA: Jetzt ändern wir aber die Reihenfolge wieder – und wir fragen. Ist das in Ordnung? Also: Sie und Ihre Partei ERC haben die Kommunalwahlen in Castelló und Empuriabrava geradezu dominiert und fast die absolute Mehrheit erreichen können. Wie erklären Sie sich diesen plötzlichen Aufschwung?

Salvi Güell: Zunächst einmal muss sich sagen, dass wir nach der Analyse der Wahlergenisse die Wahl nicht nur in Castelló gewonnen haben, was vielfach behauptet wird, sondern auch in Empuriabrava grosse Gewinne hatten. Ich glaube, dass die ehrliche Politik, das Bemühen um Verbesserungen und die verstärkte Präsenz des Rathauses mit dazu beigetragen haben, die Bürger zu überzeugen. Wir haben in den letzten zwei – drei Jahren viele Dinge angeschoben, die entweder schon fertiggestellt wurden oder aber in Kürze fertig werden. Daneben haben wir im Vorfeld schon ganz deutlich gesagt, was wir beabsichtigen, welche Investitionen wir planen und was verbessert werden muss und das scheint bei den Bürgern gut angekommen zu sein. Aber nicht das wir uns falsch verstehen: was wir oder ich vor den Wahlen gesagt haben gilt und wird auch erledigt. Andere Dinge, auf die wir an dieser Stelle noch zu sprechen kommen, bedürfen grosser Investitionen und können bis zur Inangriffnahme und Fertigstellung dauern und das sage ich auch ganz deutlich. Was natürlich vor der Wahl enorm geholfen hat, war die Fertigstellung der Arbeiten am Strand in Empuriabrava – was aber auch so geplant war. Wie ich oft hörte, sind die Leute – Einwohner wie Besucher - sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und das ist es, was uns natürlich auch zufrieden macht.

ARENA: Für die absolute Mehrheit benötigte die ERC einen Koalitionspartner und diesen fand man in der CUP, einer sehr weit links stehenden Partei, die gerne ihr eigenes Süppchen kocht.

Salvi Güell: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass wir notfalls auch mit einer Minderheitsregierung angetreten wären. Das ist ein wenig umständlicher, hätte aber auch funktioniert. Aber natürlich ist alles viel einfacher mit einem Partner und da hat sich die CUP nach vielen Sondierungsgesprächen angeboten. Diese Partei steht sehr weit links, das stimmt, aber deshalb sind es noch lange keine Kommunisten – wenn es das ist was Sie meinten. Die beiden Repräsentanten sind noch jung und müssen sich erst noch in die Materie Rathaus einarbeiten. Natürlich hören wir uns alle die Meinungen und Vorschläge der CUP an, behalten uns aber auch vor, diese notfalls abzulehnen. Wir werden viel kommunizieren und – das können Sie und Ihre Leser uns glauben – zum Wohle der Gemeinde entscheiden. Noch ist alles etwas durcheinander, denn es gibt neue Räte, die sich erst einarbeiten müssen, Personal wurde ausgewechselt und Posten entweder gestrichen oder neue eingerichtet. Aber es geht alles schnell voran und dann werden sich schnell Ergebnisse vorweisen lassen.

ARENA: Ein Ergebnis liegt schon vor und das ist die Beteiligung der Anlieger der Avinguda Marinada an den Kosten für Bürgersteige in Höhe von 30%. Bei Kosten von über 900.000 Euro ist das kein Pappenstil...

Salvi Güell: Vollkommen richtig, aber es wurden weder bei der Erschliessung der Parzellen noch beim Bau der Häuser irgendwelche Kosten oder Abgaben für in dem Fall Bürgersteige erhoben. Normalerweise ist es hierzulande so, das man erst eine Baugenehmigung erhält, wenn Strom, Wasser und auch Bürgersteige vorhanden sind. Das ist mir vor 27 Jahren ähnlich ergangen und das Gesetz gab es auch schon für fünfzig Jahren. Warum die Abgaben damals nicht erhoben wurden oder einfach nicht gezahlt wurde, kann man nicht mehr nachvollziehen. Ähnlich war es ja auch mit den Kosten für die Abwasser-Kanalisation im Ort. Keiner wusste mehr von gar nichts und am Ende mussten die Eigentümer der Immobilien 90% der Kosten selber tragen. Zwar könnte man jetzt sagen, dass die Sickergruben auch weiterhin funktioniert hätten und das man den Bürgern und Gästen auch weiterhin hätte zumuten können, im Schlamm neben der Strasse zu laufen, aber alle wollen doch einen runderneuerten Ort Empuriabrava und auch solche Massnahmen gehören zur Modernisierung dazu.

ARENA: Hätte das Rathaus nicht die kompletten Kosten übernehmen können?

Salvi Güell: Hätten wir, aber dann hätte wieder Geld an anderen Stellen gefehlt und dann wären dort die Diskussionen losgegangen. Glauben Sie mir: das Rathaus ist nach Meinung vieler sowieso immer an allem Schlechten Schuld und wir ziehen den Bürgern das Geld aus der Nase. Aber wir kassieren nur das, was nötig ist für Empuriabrava (und Castelló) und können so mit der Zeit immer mehr Sachen bieten, die woanders schon selbstverständlich sind. Wir bezahlen jetzt für die Nachlässigkeiten der Vergangenheit und versuchen, dies möglichst schnell auszugleichen.

ARENA: Jetzt sind wir schon beim Thema Neuerungen, Pläne und sonstigen für die Bürger und Besucher interessante Meldungen. Was möchten Sie denn den ARENA-Lesern sagen?

Salvi Güell: Die erste gute Nachricht ist, dass die Bürger der Gemeinde demnächst Geld sparen werden. Das Rathaus hat beschlossen, die Autosteuer zu senken, die in Castelló und Empuriabrava doch recht hoch angesetzt ist. Derzeit muss man hier mehr zahlen als in Girona oder auch in allen Nachbargemeinden und das werden wir ändern. Um wie viel die Reduzierung ausfallen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Das war der erste Teil des grossen Interviews mit Salvi Güell. Im nächsten Teil lesen Sie, was er und der Gemeinderat noch alles vorhaben und wir können schon so viel verraten, dass sich sehr, sehr viel ändert und alles wird – wenn man nur Empuriabrava betrachtet – sehr positiv ausfallen.

Montag 05. August 2019 05.08.19 20:22

          

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