EMPURIABRAVA, 15.12.2019 - 22:00 Uhr

Sehenswerte Orte ganz in der Nähe

KATALONIEN / SPANIEN: Heute wollen wir Sie zu einer Erkundungsfahrt in die Pyrenäen einladen, für die Sie sich aber mindestens zwei Tage, besser noch drei reservieren sollten. Die Strecke ist kurvenreich und zum Teil am besten mit einem Jeep zu befahren. Andererseits ist jetzt eine gute Jahreszeit, um diese faszinierende Landschaft kennenzulernen, denn im Winter sind die Wege oft verschneit.)

Wir haben schon vor längerer Zeit erfahren, dass das Naturschutzgebiet

Aiguestortes i Estany de Sant Maurici auf der Achsenzone der Pyrenäen um weitere 25 bis 30 Prozent ausgedehnt werden soll. Seit fünfzig Jahren ist dieses Hochgebirgsgelände aus Granit und Schiefer geschützt, das durch Gletschererosion vor rund 200 Millionen Jahren entstanden ist. Umweltschützer aus aller Welt, aber Gottlob aber auch die katalanische Politik waren einsichtig genug, diese urwüchsige Landschaft, in der noch immer Auerhähne, Gemsen und Adler anzutreffen sind, unter strikten Naturschutz zu stellen, auch wenn sich in den umliegenden Weilern und Ortschaften mittlerweile viele Pensionen und Sporthotels angesiedelt haben. Schliesslich ist die Gegend im Winter ein ideales Skigebiet!

So ist Aiguestortes, das „windungsreiche Wasser“, wie der katalanische Name korrekt übersetzt heißt, eine Ansammlung von über fünfzig Seen, Wasserfällen und Bächen, die das umliegende Land zu satten Weiden werden lassen, auf denen Herden von braunen Kühen stehen. Die Berge sind dicht bewaldet mit Schwarzkiefern, Föhren und Tannen, aber Buchen und lichte Birken bringen Farbtupfer in die düsteren Hänge.

Den Nationalpark erreicht man von Osten her aus der Richtung Espot. Sollten Sie von Westen anreisen, ist Boi der letzte Ort, an dem es große Parkplätze gibt. Im Park selbst kann man nämlich nicht mit seinem Privatauto fahren. Es werden aber geführte Ausflüge im Jeep angeboten. Falls Sie Wanderer sind, werden Sie dort oben auf Ihre Kosten kommen. Die zahlreichen Wanderwege sind gut ausgeschildert. Viele dauern allerdings mehrere Stunden, weshalb sich Rucksackverpflegung empfiehlt.

Nach Aiguestortes direkt kommt man über eine Strasse, die zwischen Barruera und Caldes de Boí abzweigt. Von dort sind es noch 5 Kilometer durch wildromantisches Gelände. Der Sant- Maurici-See ist von hohen Berggipfeln umgeben und neben dem See bilden mehrere Wildbäche eindrucks- volle Kaskaden.

Nicht nur für den Naturliebhaber, sondern auch für geschichtsinteressierte Menschen lohnt sich dieser entfernt liegende Ausflug, denn die sogenannte Route der Romanik führt von La Seu de Urgell in der Provinz Lerida (Kat. Lleida) bis in das berühmte Valle de Aran und das Valle de Boí. Während im Valle de Aran hochgestellte spanische Persönlichkeiten – manchmal sogar die Königsfamilie selbst - Skiurlaub machen, ist das Valle de Boí vor allem für seine schon aus der Römerzeit bekannten warmen Mineralquellen bekannt. Zahlreiche balnearios, also Kur-und Badeorte sind um sie herum angesiedelt.

Die Strasse der Romanik ist kurvenreich und im Winter oftmals verschneit. Aber die Fahrt lohnt sich, denn über hundert romanische Kirchen säumen ihren Weg. Das kommt daher, daß Altkatalonien (oft la Cataluña profunda = das tiefe Katalonien genannt) schon seit 985 nicht mehr gegen die Araber kämpfen mußte. Es erlebte mit der Oberhoheit über die (heute französische) Provence und vor allem durch die Vereinigung mit dem Königreich Aragon eine frühe Hochblüte. Im späten elften Jahrhundert wurde in Katalonien die römische Liturgie eingeführt. Das bedeutete mehr Platzbedarf für die größeren Altäre. Dazu kam der in früheren Jahrhunderten so selbstverständliche Austausch von Künstlern, Wissenschaftlern, Gelehrten und Mönchen über alle Grenzen Europas hinweg, wodurch im Grenzland der Pyrenäen so etwas wie ein Bauboom entstand. Später verlegte sich das katalanische Reichsinteresse an das Mittelmeer, also nach Barcelona hin. Somit verfielen viele Kirchen in dem unzugänglichen Gebirge und die Innenausstattung wurde oftmals gestohlen und fortgeschafft.

Das Gebiet westlich der Seu de Urgell (wobei Seu immer Bischofssitz bedeutet) ist von spektakulärer Schönheit. Die Täler des Flusses Noguera mit seinen Nebenflüssen sind herrlich anzusehen. Ihre Wildwasser sind ein Dorado für beherzte Kanufahrer, die heute sogar aus aller Welt anreisen. Wer sich mehr für Geschichte und Kunst interessiert, wird vielleicht lieber nach Gerri de la Sal abbiegen: einen alten Ort, der für seine Salinen und eine mächtige Benediktinerabtei aus dem Jahre 1149 bekannt ist.


Es wird kolportiert, daß sich Antonio Gaudí persönlich von den bizarren Kalksteinformationen der Schlucht von Congost de Colletas habe inspirieren lassen, durch die sich die Noguera Pallaresa zwängt.

Unweit davon finden wir den Ort La Vielha = die Alte, früher ein verschlafenes Dorf, das erst zu neuem Leben erweckt wurde, als man im Jahre 1948 von Frankreich aus einen Tunnel bis hier ins spanische Hinterland schlug. Hier hat sich die aranesische Sprache erhalten können, die streng genommen ein Regionaldialekt des Okzitanischen ist.

Bei dieser kilometerweiten Ausfahrt über zwei oder drei Tage sollten Sie auch nicht versäumen, den 1.500 m hoch gelegenen Ort Taüll zu besuchen. Das Dorf ist mit seinen graubraunen Steinhäusern auch schon attraktiv, atemberaubend aber ist die Kirche Sant Climent mit ihrer sehr gut erhaltenen dreischiffigen Anlage und einem sechsgeschossigen Glockenturm an der Südflanke. Er hat nicht seinesgleichen in Europa. Im Inneren ist eine kostbare Nachbildung von Christus als Pantokrator zu sehen, umrahmt von den Aposteln Matthäus mit dem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.

Wie Sie hinkommen: ab Figueres auf der N260 in Richtung Besalú, Olot usw. bis Sort, ab dort auf der C 13 bis Berros-Jussà, hier links ab nach Espot.

Es lohnt sich die Anschaffung einer Pyrenäen-Karte, zu haben in jedem Zeitungsladen.

Quelle: costabrava.org

Donnerstag 11. Juli 2019 11.07.19 21:31

          

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