EMPURIABRAVA, 19.08.2019 - 18:42 Uhr

Sagrada Familia in Barcelona beantragt Baugenehmigung – mit 133 Jahren Verspätung

BARCELONA / KATALONIEN / SPANIEN: Das sollte mal ein normaler Bauherr inklusive aller Nachfahren bis in fünfte Generation hinaus wagen: eine Baugenehmigung für sein Häuschen in der Stadt mit einer Verspätung von 133 Jahren einzureichen (die Erben sind natürlich gemeint). Aber das dies geht, beweist der Bauausschuss für das wohl bekannteste Bauwerk in Barcelona, die Sagrada Familia.

Nachdem der erste Bauherr, Antoni Gaudí, wohl keine Genehmigung für die Errichtung der Kirche beantragt hatte und ohne zu fragen erst mal mit dem Bau loslegte – und dann nicht fertig wurde – wurde nun vom aktuellen Bauausschuss die nötige Genehmigung beantragt. Was dies kosten wird, wie lange der Antrag bearbeitet wird und wie man überhaupt alles berechnen will, wurde nicht bekannt und nach Informationen will man darüber auch das Mäntelchen des Schweigens legen. Nur die Quadratmeterzahl, nach denen alles kalkuliert werden soll, wurde veröffentlicht: es sind 45.000 qm. Lediglich für einen Bebauungsplan wird der Ausschuss in den nächsten zehn Jahren 36 Millionen Euro zahlen, damit der Stadt Barcelona die bislang entstandenen Kosten erstattet werden können.

Zurück zur Baugenehmigung. Was soll das Rathaus um Bürgermeisterin Ada Colau eigentlich berechnen? Das dies nur ein Prestigefall für die Alcaldessa ist, dürfte klar sein und das sie sich damit ein kleines Denkmal setzen will, ebenfalls. Sollte man tatsächlich die genaue Summe inklusive aller Zinsen, Zinseszinsen, Verspätungsgebühren und was es sonst noch alles gibt, um eine Rechnung höher ausfallen zu lassen, wird man zu einem Gesamtbetrag kommen, der wahrscheinlich nicht mehr bezahlbar sein wird, trotz der jährlichen 4,5 Millionen Besucher, die alle brav Eintritt zahlen müssen.

Und wenn der Bauausschuss nicht zahlen will? Wird die Sagrada Familia dann abgerissen wegen illegalem und nicht genehmigten Baus? Wohl eher nicht und wenn ja, wird man dann aus Pietät bis zum Jahr 2026 warten, wenn der 100.Todestag des „Täters“ Antoni Gaudi begangen wird. Und dann? Werden alle 18 Türme, alle fünf Schiffe und der ganze Rest beschlagnahmt und der Stadt Barcelona unterstellt? Wenn das passiert, wird es wahrscheinlich nichts mit einer pünktlichen Fertigstellung werden, die bisher auch für 2026 geplant ist – aber wer glaubt noch daran?

Mittwoch 15. Mai 2019 15.05.19 19:11

          

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