EMPURIABRAVA, 08.08.2020 - 02:41 Uhr

Bücher um die Ereignisse in Katalonien zu verstehen.

Von Pere Grau

KATALONIEN / SPANIEN: Ich habe in ARENA schon zu erklären versucht, warum die Berichte über Katalonien in den deutschen Medien mit viel Vorsicht zu geniessen sind. Für die Deutschen aber, die wirklich darüber besser informiert sein wollen, gibt es auch Mitteln und Wege. Zum Beispiel zwei Bücher, die ich den werten Leser dieser Zeitung sehr empfehlen möchte.

Das erste heisst „Catalonia calling. Die Welt soll es wissen“ (Editorial Sapiens, Barcelona 2013). Das Buch ist in mehreren Sprachen erschienen und wurde auch an viele politischen und kulturellen Persönlichkeiten in den ganzen Welt geschickt, vom Papst bis Angela Merkel, von Bill Gates bis Daniel Barenboim. Im ersten Teil des Buches wird erzählt wie Katalonien seine Freiheit im spanischen Erbfolgekrieg verlor, und die Lage vor und nach diesem Schicksalschlages erläutert. Im zweiten Teil wird die spätere Entwicklung der Katalanen bis in unsere Tage beschrieben. Das Buch ist also nützlich um zu erfahren: was war bis jetzt geschehen?

Das zweite Buch dagegen ist äusserst interessant um zu verstehen, was gerade jetzt geschieht. Es handelt sich um das Buch von Krystyna Schreiber „Die Übersetzung der Unabhängigkeit. Wie die Katalanen es erklären, wie wir es verstehen“ (Hille Verlag, Dresden, 2015). Frau Schreiber (Autorin, Journalistin, Übersetzerin und Volkswirtschaftlerin) wohnt in Katalonien seit 2002 und hat auch „Catalonia Calling“ ins deutsche übersetzt. In „Die Übersetzung der Unabhängigkeit“ hat die Autorin 12 Persönlichkeiten interviewt, die ihre jeweilige Meinung über das Thema ausführlich begründet haben, von der entschiedenen Befürwortung bis zur vorsichtigen Skepsis. Es handelt sich um sechs Katalanen, fünf Deutsche und einen Letten. Das Vorwort hat ein Österreicher geschrieben, Prof. Dr. Franz Schausberger, Vorsitzender des Instituts der Regionen Europas (IRE). Und er drückt die Meinung der Mehrheit der Interviewten in dem letzten Satz des Vorworts aus: „Letztendlich -und das sei die persönliche Anmerkung des Autors dieses Vorworts- wird die Unabhängigkeit Kataloniens nicht zu verhindern sein“. Ein Anhang am Ende des Buches enthält ein Glossar der Begriffe, der Persönlichkeiten und der benutzten Quellen, so dass der Leser ausreichend informiert wird, um alles gut verstehen zu können.

Wohlbemerkt: ich erwarte keineswegs, dass der Leser dieser Bücher gleich ein glühender Anhänger der Unabhängigkeit Kataloniens wird. Das wäre lächerlich. Aber ich hoffe, dass man dann etwas mehr Verständnis hat, für das Streben der Katalanen nach der vollen Souveränität über ihr Land. Man kann es nicht oft genug wiederholen: dieses Streben hat nicht das Geringste zu tun mit den Nationalismen ethnischer Art, mit Fremdenhass, oder mit Ausgrenzung. Es ist nur (und das ist nicht wenig), dass man endgültig satt hat, der Willkür von unfähigen Politikern ausgeliefert zu sein, die nicht in der Lage sind zu begreifen, dass auch verschiedene Völker im selben Staat leben können, wenn alle gleich behandelt werden, und jeder jeden mit Respekt entgegentritt.

Samstag 30. April 2016 30.04.16 08:51

          

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