EMPURIABRAVA, 15.12.2019 - 13:48 Uhr

(NICHTS) NEUES AUS KATALONIEN - Ein Bericht über den katalanischen Weg zur Unabhängigkeit (2)

Fortsetzung von gestern
KATALONIEN / SPANIEN:
Aber während sich bei den Katalanen immer mehr Gründe für den Bruch aufhäufen, scheint in Spanien niemand gewillt zu sein, irgendeine Art von Öffnung, die die Situation entschärfen könnte, auch nur zu erwägen. Die Regierung Rajoys beharrt nach wie vor auf einer frustrierenden, einseitigen Interpretation des spanischen Grundgesetzes, um jedwede Vorschläge Kataloniens abzublocken, ganz egal mit wieviel Legitimität oder Höflichkeit sie überbracht werden. Gleichzeitig führt die Regierung die aggressive Strategie gegen Katalonien fort. Sie versucht, die katalanische Verwaltung, dank ihrer Kontrolle über die katalanischen Steuergelder, finanziell in den Würgegriff zu nehmen; sie erlässt ständig neue Gesetze und Regeln, die eindeutig in die Kompetenzen, die an die Regionen übertragen wurden, eingreifen oder sie außer Kraft setzen; sie heizt die schon traditionelle Kampagne gegen katalanische Symbole und Kulturmerkmale sowie gegen die katalanische Sprache weiter an; und sie duldet oder unterstützt sogar in ganz Spanien ein gefährliches Klima des Hasses auf die Katalanen, das von wichtigen Medien und über die sozialen Netzwerke geschürt wird.

Jedoch könnte dieses Hinhaltemanöver, sich stur zu stellen und alles zu blockieren zu einem spielentscheidenden Eigentor werden. Den Druck auf Katalonien an allen Fronten weiter zuzuspitzen, könnte die Lage an einen Punkt bringen, von dem aus es kein Zurück mehr gibt und an dem die Katalanen dann einseitig handeln müssen. Bis heute haben sie sehr deutlich gemacht, dass sie angehört werden wollen. Und die Volksvertreter stehen entschieden hinter dieser Forderung und werden die Abstimmung in irgendeiner Weise durchsetzen. Auch hoch angesehene internationale Stimmen fragen mittlerweile, mit welcher Begründung ein angeblich aufgeklärtes und fortschrittliches Land in Westeuropa einen solch grundlegenden Akt der Demokratie, nämlich die Stimme des Volkes zu hören, einfach ablehnen will. Man kann nur hoffen, dass am Ende das politische Establishment Spaniens doch noch die reale Basis und die Dringlichkeit der katalanischen Sache erkennt und ehrlich versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. Ein erster, unabweisbarer Schritt in dieser Richtung – und wenn auch nur als Zeichen guten Willens – wäre ein beidseitig befriedigender Plan, in Katalonien ein Referendum abzuhalten.

Unterdes schreitet der Prozess der katalanischen Abnabelungung stetig weiter. Es ist vor allem ein leiser Kampf, geleitet von rationalen Argumenten, offenem Dialog und realistischen Vorschlägen. Vielleicht ist es ja deshalb etwas stiller um Katalonien geworden. Bis am nächsten Wendepunkt – der katalanische Nationalfeiertag am 11. September steht vor der Tür – ein massiver Akt der Selbstbestätigung die Welt erneut daran erinnert, dass der Traum kein Traum ist. Also schreiben Sie Katalonien noch nicht ganz ab. Die Menschen dort sind absolut entschieden, ihrem Land eine bessere Zukunft zu verschaffen.
Mit freundlicher Genehmigung von „Collectiu Emma“ (Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Spieker und Tilbert Dídac Stegmann)

Freitag 06. September 2013 06.09.13 19:23

          

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