EMPURIABRAVA, 11.08.2020 - 02:06 Uhr

Die Heiligen Drei Könige in Katalonien und auch in Roses und Empuriabrava (2)

Von Dr. Wolfram Janzen
ROSES  / KATALONIEN / SPANIEN:
  Und so begrüßt man denn, lautstark und ausgelassen, oft mit Feuerwerk, die Ankunft der prächtig orientalisch herausgeputzten Könige mit ihrem großen, bunten Gefolge. Auf Pferden, manchmal Kamelen oder mit Gestirnsymbolen geschmückten „Carrosses“ ziehen sie ein, winken leutselig und werfen Bonbons. Begleitet werden sie von ihren „Patges“, den Pagen, und allerlei anderen Gestalten, „Capgrossos“, Tanzmädchen, Musikanten… Man fühlt sich an Karneval erinnert. In Barcelona war letztes Jahr der Zug 900 m lang und 15 000 kg „Carameles“ wurden verteilt!
Doch an jedem Ort läuft das unterschiedlich und in unterschiedlichem Ausmaß ab. Auf jeden Fall sind die Drei Könige und ihre Pagen der Mittelpunkt.
- Melcior ist der „weiße König“ mit heller Haut, weißem Bart und Haar. Eigentlich ist er der jüngste König, aber nach einer Legende wurde er, weil er mit seiner Jugend protzte, vom Jesuskind zum Ältesten verwandelt. Er repräsentiert das Alter und Europa. Er bringt das Gold, das edelste und beständigste Metall, das Mächtigen und Königen als Geschenk zusteht.
- Gaspar ist der „Rei ros“, der jüngste mit „rosiger“ Haar – und Hautfarbe - wie Melcior traditionell mit  Kleidern im „gotischen“ Stil angetan. Er repräsentiert die Jugend, Asien und bringt „encens“, Weihrauch (hergestellt aus dem Harz des Boswelliabaumes), der dem Göttlichen dargebracht wird.
- Baltasar  ist der dunkle König, der „Mohr“ (Maure) mit brauner oder schwarzer Hautfarbe und orientalischer Gewandung.  Er repräsentiert das mittlere Alter, Afrika, und bringt „mirra“, die „bittere“ und heilkräftige Myrrhe (aus dem Harz eines Balsambaumes), mit der Könige, Propheten, aber auch Verstorbene gesalbt wurden. Diese Gabe weist darauf hin, dass Christus leiden und sterben musste, um die Menschen zu erlösen.

Manchmal gibt es noch einen vierten König. Er hat sich verspätet, weil ihn Not und Leiden von Menschen, die ihm unterwegs begegnet sind, aufhielten. Dieser König repräsentiert die späteren, den gegenwärtigen Menschen, der sich auf Christus zu bewegt.
Die Könige haben Pagen als Herolde und Helfer. Diese kündigen die Könige an, nehmen Karten der Kinder mit ihren Wünschen an und teilen die Geschenke aus, in kleineren Orten manchmal direkt, oft klettern sie dazu über Leitern auf Balkone und kommen so in die Häuser. Üblicherweise stellen aber die Kinder abends Schuhe auf Balkone, dazu auch einen Teller mit Torrons (Mandelkonfekt) und ein Glas Sekt als Wegzehrung für die Könige, und morgens finden sie dann die Geschenke vor.
Die Pagen treten örtlich verschieden auf. In Barcelona ist es der Patge Gregori, der mit seinen großen Augen und Ohren alles sieht und hört und den Königen berichtet, ob die Kinder sich gut oder schlecht betragen haben. Für die Guten gibt es Geschenke, für die
Unartigen Kohle, den Carbo de Reis. Als Ansporn zur Besserung wandelt sie sich im Munde allerdings in Zucker. (Die Kohle war ein Geschenk eines legendären Köhlers an die Heilige Familie. Auf Geheiß des Jesusknaben nahm sie der Köhler in den Mund und siehe da – sie schmeckte süß! Irgendwie ist die Kohlengabe dann zu den Königen gelangt. Vielleicht hat sie das Jesuskind auch an die Könige verteilt und sie haben sie dann in ihr Geschenkrepertoire übernommen.) Woanders gibt es andere Pagen. In Alicoi sind es die dunklen Negres  des Königs Baltasar, die auf die Balkone klettern und Geschenke verteilen. In Igualada ist es der Maure Faruk, in Girona und im Alt Emporda der en Fumera mit seinen sieben Augen am Kopf und einem Auge an einem langen Finger, auch eine Art „Spion“ der Könige, der wie der Rauch durch die Kamine kommt und überall herumschnüffelt.
Noch eine andere Sitte ist zu nennen, die als typisch spanisch gilt. Am Morgen des Dreikönigstages verzehrt man den Roscon de Reyes (katalanisch: Tortell de Reis), einen überzuckerten Hefekranz, gefüllt mit Orangeat und Marzipan. Mit ihm wird eine Krone geliefert. Er enthält eine getrocknete Bohne und eine Figur, meist einen König. Wer auf den König beißt – Vorsicht mit den Zähnen! – darf sich die Krone aufsetzen und als König repräsentieren. Wer auf der harten Bohne kaut, muss den Kuchen oder noch mehr bezahlen.  
Die Namen der Könige, die symbolischen Bedeutungen der drei Gestalten, des Aussehens, der Gewandung sind alt, auch der Zug der Könige geht auf alte Vorbilder zurück. Wer aber meint, es handelt sich bei den heutigen Kavalkaden um uraltes Traditionsgut, täuscht sich. Die älteste Cavalcada ist die von Alcoi (Region Alicante), die
1866 eingeführt wurde – und damit berühmt und viel besucht ist. Danach kommt die von Igualada (Region Barcelona), die es ab 1895 gibt. Die meisten Cavalcadas stammen aus dem 20. Jahrhundert, oft aus der jüngsten Zeit. Sie werden von bestimmten Vereinigungen,  dem örtlichen Handel und manchmal vom Ajuntament oder gemeinsam veranstaltet.
Dementsprechend tritt der kommerzielle Hintergrund, das Spektakel, die Tourismusattraktion deutlich hervor. Immerhin stand dagegen am Anfang eine religiöse und soziale Ausrichtung: In Alicoi bewegt sich der Zug auf ein „Naixement“, auf eine Geburtsszene, zu und man wollte ursprünglich arme Arbeiterkinder beschenken.
Bei ihrem Zug durch die Länder und Zeiten haben die Drei Könige manche Veränderung mitgemacht. Aber immer noch sind dieses „Migranten“ aus dem Orient Gestalten, die Deutschland und Spanien und darüber hinaus Orient und Okzident verbinden.
Ende der Serie

Samstag 05. Januar 2013 05.01.13 19:35

          

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