EMPURIABRAVA, 23.02.2020 - 19:53 Uhr

Spanisches Königshaus: „Wenig vorbildliches Verhalten“

MADRID / SPANIEN: Nun ist es heraus. La Casa del Rey, die Institution, die sich der Angelegenheiten des Königshauses annimmt, liess am Montag durch ihren Chef Rafael Spottorno in einer improvisierten Pressekonferenz verlauten, wie sehr die geschäftlichen Umtriebe von Schwiegersohn Iñaki Urdangarín den Monarchen verärgern und gleichzeitig beunruhigen. König Juan Carlos hat nämlich in den 36 Jahren seiner Herrschaft die Monarchie auf die vier Säulen politischer Stabilität und Neutralität gestellt. Ausserdem gelang es ihm, die Krone als Verkörperung des spanischen Staates darzustellen und nicht zuletzt verdankte das Königspaar Juan Carlos und Doña Sofía ihre Beliebtheit der Tatsache, dass sie sich zu jedem Zeitpunkt vorbildlich verhielten. Spottorno sagte offen, dass der Schwiegersohn Iñaki diesen Verhaltenskodex am wenigsten respektiert habe. Die Casa Del Rey kündigte an, man werde noch vor Jahresende über die 8,6 Millionen Euro Rechnung legen, die das Königshaus mit ihren offiziell 15 Mitgliedern in diesem Jahr aus öffentlichen Geldern erhielt. Damit erfüllt die Krone erstmals eine seit Jahren von den monarchiefeindlichen Kräften der Katalanisten, der Kommunisten und einiger linker Parteien erhobene Forderung nach Transparenz der königlichen Finanzen.

Die Königsfamilie besteht aus dem Ehepaar Juan Carlos und Sofía sowie deren Tochter Elena mit ihren Kindern Froilan und Victoria Federica,  der Tochter Cristina, mit den Kindern Juan, Pablo, Miguel und Irene und dem Thronfolger Felipe mit Ehefrau Letizia Ortiz und deren Töchtern Leonor und Sofía. Der geschiedene Ehemann von Elena, Jaime de Marichalar, gehört dieser berühmtesten aller spanischen Familien nicht mehr an und es wird nicht mehr lange dauern, dann ist auch Iñaki Urdangarín unsichtbar. Bisher wurde er amtlich (Arena berichtete darüber) nur von der Teilnahme an offiziellen Veranstaltungen freigestellt. Wie es mit ihm weitergeht, wird von den Ermittlungen und einer möglichen Anklage abhängen. Was mit Doña Cristina geschehen soll, falls sich die Vermutungen über Korruption und Aneignung öffentlicher Gelder bestätigen sollten, war in dieser aufgeregten Woche im Zarzuelapalast noch nicht abzusehen. Einige Kommentatoren stellten die Möglichkeit in den Raum, dass die Infanta, derzeit 7. in der Rangfolge auf den Thron, zugunsten ihres Bruders Felipe abdankt. Don Juan Carlos liess durch seinen Sprecher Rafael Spottorno keinen Zweifel daran, dass er sich von den geschäftlichen Tätigkeiten seines Schwiegersohnes strikt distanziert: sowohl die Figur des Königs wie sein Amt seien „unipersonal“, könnten also nur von ihm selbst verkörpert werden.

Der Schwiegersohn liess inzwischen durch seine Anwälte in Barcelona mitteilen, dass er „seelisch gedrückt“ durch die Anschuldigungen sei, aber auch in gewissem Sinne „indignado“  indigniert. Schliesslich seien die Ermittlungen gegen seine Stiftung Nóos noch geheim  und er selbst weder als Zeuge noch als Beschuldigter vor Gericht zitiert worden.  Diese Geheimhaltung der Ermittlungen mache es ihm unmöglich, sich öffentlich zu verteidigen.

Die spanische Presse erging sich zum Wochenbeginn des Langen und Breiten über die Apanagen in den anderen europäischen Königshäusern. Daraus konnte man entnehmen, dass das viel kleinere Schweden 11 Millionen Euro pro Jahr an das Königshaus zahlt, wobei aber jedes Mitglied dem Parlament Rechenschaft ablegen muss. In Belgien bekamen König Albert und Kónigin Paola dieses Jahr 13,6 Millionen Euro und brauchten keinerlei Rechenschaft über die Verwendung abzulegen.
Den Vogel schiesst das englische Königshaus mit 49 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln ab und das bei der Tatsache, dass die Queen als eine der reichsten Frauen der Welt gilt.
Es ist also alles relativ. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.
Angelika Eisenführ

Mittwoch 14. Dezember 2011 14.12.11 21:28

          

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