EMPURIABRAVA, 24.10.2017 - 02:30 Uhr

„Els Excursionistas“: Wir wandern wieder dort, wo sich einst die katalanischen Robin Hoods versteckten…

Von Herbert Strothbäumer

Am Fuße der Pyrenäen liegt die Garrotxa. Der Name bedeutet so viel wie „unwegsames Gelände“. Wo sich einst Räuber versteckten, finden wir Wanderer auch am kommenden Dienstag, den 13. Juli, wieder wilde Natur im Canyon des Aniol bei kühlen Temperaturen. Rundherum ranken sich Geschichten von Bauernaufständen, Räuberbanden und katalanischen Rebellen. Die Garrotxaner haben viel gelitten und gekämpft für ihr Land und ihre Sitten. Wie für andere eingefleischte Katalanen führt auch für sie eine ziemlich gerade Linie von feudaler Ausbeutung über Jahrhunderte kastilischer Fremdherrschaft bis hin zu Franco und zuletzt Aznar. Das alles haben sie mit einer gepflegten Hartleibigkeit überstanden. So können sie sich die Erinnerungen nun verabreichen wie ein Tonikum zur Stärkung des lokalen Patriotismus. Die Garrotxa ist die Hochburg des Katalanismus. Weitab vom multikulturellen Barcelona , wo das Catala nur noch von 49 Prozent der Einwohner als Umgangssprache benutzt wird, weitab auch von der touristisch durch entwickelten Costa Brava, pflegt man hier die Tradition mit ungebremstem Elan und verteidigt die regionale Identität offensiv. Über 80 Prozent der Bevölkerung spricht  nur noch Catala, Graffiti fordern überall den Auszug der „kastilischen Invasoren-Schweine“, und man findet Haustüraufkleber, die bitten, sich gefälligst „en catala!!“ dem Hausherrn zu nähern. Das regionalistische Ressentiment wird allerdings meist auf kleiner Flamme gehalten und selten zu handgreiflicher Aggression hochgekocht. Dennoch reicht es mitunter zu kritischem Lob der „Trabucaires“, der legendären Räuberbanden, die im 19. Jahrhundert von der Hohen Garrotxa aus auf Beutezug gingen. Ihre Mitglieder hatten bis 1840 im sogenannten Karlisten-Krieg für Gott, Tradition und katalanische Sonderrechte gekämpft. Nach der Niederlage nahmen sie Unterschlupf in den Bergen unserer Wanderroute und verlegten sich auf Raub und Entführung. Bevor sie vollends verrohten, inszenierten sie sich eine Zeit lang als Robin Hoods und fielen demonstrativ über Statthalter der liberal gesinnten Madrider Regierung  oder über Fabrikanten her. Noch heute trägt eine Felsnase in unserem Wandergebiet den Namen Salt des Liberals, weil von hier aus die Trabucaires einige ihrer Opfer in den Tod springen ließen. Das Rückzugsgebiet der Banditen wird heute vor allem von uns Wanderern und den Freeclimbern  durchstreift. Von den Trabucaires sind nur die Legenden geblieben. Die einzigen Gemäuer, die überdauert haben, sind romanische Kapellen, eine Spezialität der Garrotxa. Wer – wie wir – von Sadernes aus im Canyon des Aniol hinaufsteigt zur schlichten Wallfahrtskirche Sant Aniol d`Aguja, der hat gleich ein mehrfach bedeutungsvolles Ziel erreicht. Hier stand schon im neunten Jahrhundert ein Kloster. Hier trafen sich später die Räuber. Dann kamen antifrankistische Wandervögel, um auf den angrenzenden Bergwiesen Protestlieder zu singen. Und heute versammeln sich alljährlich Katalanisten von dies- und jenseits der französischen Grenze zum Sommerfest mit Volkstanz und Messe im Zeichen der großkatalanischen Sehnsucht. Und natürlich machen auch wir dort nach 6,5 Kilometern unsere Picknick-Pause. Wir verzehren die mitgebrachten Köstlichkeiten und baden im angrenzenden See des Wasserfalls. Ich hoffe auf rege Teilnahme aller gut trainierten Urlaubsgäste, da die Tour nicht ganz einfach ist und 4 Stunden dauert. Durch die Verdunstungskälte des Wassers wird uns die Temperatur nichts ausmachen.

Allgemeine Hinweise für Gäste:

Wir treffen uns  um 09.oo Uhr  vor dem Mercadona-Markt am Ortseingangskreisel Empuriabrava. Die Anfahrt zum Wanderziel erfolgt in eigenen PKWs – möglichst durch Bildung von Fahrgemeinschaften. Da wir dieses Mal nicht zu einem gemeinsamen Mittagsmenü einkehren,  müsst Ihr dieses als Picknick mitführen. Gäste zahlen einen Unkostenbeitrag von 5 €. Wir sind kein Verein: deshalb erfolgt die Teilnahme auf eigenes Risiko.  Weitere Fragen beantworte ich unter den Telefonnummern 972-454791 oder 639-843215. Im Internet können Sie mich anmailen unter: herbertstrothbaeumer@gmail.com   Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich – pünktliches Erscheinen am Treffpunkt reicht aus. Bis zum nächsten Event verbleibe ich mit dem Wunsch nach immer festem Boden unter den Füßen und vielen Grüßen als Ihr und Euer Herbert mit Marijana und den Wanderhunden Stella und Elvis