EMPURIABRAVA, 20.11.2017 - 02:53 Uhr

Cadaqúes

Cadaqúes liegt am äussersten Zipfel des enormen Gebirgsvorsprunges und wird von dem Cap Norfeu und dem Cap de Creus flankiert. Einladend bietet Cadaqués seine geschützte Bucht als Zuflucht vor den seltenen, aber immerhin doch möglichen Stürmen des Mittelmeeres.

Die Ortschaft selbst ist von äusserst malerischem Reiz. Zu den einfachen Fischerhäusern gesellen sich einige wenige Neubauten, die als Sommerwohnungen dienen, und die sich harmonisch der Landschaft anpassen.
Das strahlende Weiss der Häuser ( daher auch der Name : die weisse Stadt ) hebt sich eindrucksvoll von dem dunklen Hintergrund des Schiefergebirges ab, das wie eine Rahmen das Ganze einbettet.

Cadaqúes ist dazu geschaffen in Ruhe und Ausgeglichenheit einen Urlaub inmitten einer harmonischen Landschaft von Meer und Felsen zu geniessen.
Es gibt aber auch kleine, malerische Badestrände wie Platja Gran , dieser Strand liegt
im Inneren der Bucht, und entspricht dem ältesten Teil der Ortschaft. Von Cadaqúes in nördlicher Richtung kommt man nach Port Lligat. Diese kleine Ortschaft bietet einen wahrhaft unvergesslichen Eindruck, mit einem äusserst geschützten natürlichen Hafen , wo der berühmte Maler Salvador Dalí seine Wohn- und Arbeitsstätte hatte.

Für einen Hundertjährigen ist der Mann verdammt mobil, geradezu allgegenwärtig: Von Tassen, Postern und aus Schaufenstern stiert Salvador Dalí die Menschen an. Und keiner hier auf dem Platz kann ihn übersehen. Zu dominant hängt er - schwarz auf weiß - an der Wand jenes Cafés, das alle Casino nennen. Wer angesichts dieser gottähnlichen Gleichzeitigkeit - und dieser Vergleich hätte seinem maßlosen Ego sicher gefallen - behaupten will, ER habe hier seine Spuren hinterlassen, untertreibt: Cadaqués hat Dali sein heutiges Aussehen zu verdanken.

Als an dieser Küste der Touristenboom ausbrach, wollten die Stadtoberen - wie andernorts an der Costa Brava auch - Bettenburgen hochziehen. Statt Fischfang sollten Besucher den Bewohnern das Auskommen sichern. Doch Dalí, dessen Vater aus Cadaqués stammt und der seit 1948 mit seiner Frau Gala im benachbarten Port Lligat lebte, machte sein Einfluss geltend: Er verhinderte die Verschandelung der "weißen Stadt".

Manch einer wird diese Tat vielleicht als das bedeutendste Vermächtnis des Surrealisten ansehen: Nicht klotzige Hotelbauten, sondern - wie ehedem - die Kirche ist in Cadaqués das höchste Gebäude. Die im Laufe der Jahre gebauten Hotels und Ferienwohnungen verlieren sich in den Gassen, sie fallen höchstens in der Nebensaison durch permanent geschlossene Fensterläden auf.
Und so entspricht ein Blick über die Hafenbucht - am besten abends bei Fisch und Wein - auch heute noch jener Atmosphäre, die Touristen unter dem Begriff "mediterran" verstehen.

Lange schon vor Dalí war Cadaqués ein Anlaufpunkt für Maler, Musiker und Schriftsteller.
In die 1500-Einwohner-Stadt kamen Pablo Picasso, Henri Matisse, Max Ernst, André Breton, Paul Eluard, Marcel Duchamp, Man Ray oder Gabriel García Márquez. Heute pflegen die Geschäftsleute des Ortes die Vergangenheit als Künstlerkolonie: Neben den üblichen Boutiquen und Souvenirläden mit Dalí-Nippes gibt es in den verwinkelten Straßen auch zahlreiche Galerien und Kunsthandwerkgeschäfte.

Ein wiederkehrendes Motiv in Dalís Gemälden ist die karge Landschaft um Cadaqués: Die je nach Licht gelblich oder grün schimmernden Hügel der Pyrenäenausläufer, die hier mit scharfkantigen Felsen ins Mittelmeer stürzen, bilden am Cap de Creus den nordöstlichsten Vorsprung der Iberischen Halbinsel. Wenn kühle Winde aus den Pyrenäen Nebelschwaden über die seit 1998 unter Naturschutz stehenden Bergrücken schieben und das Meer aufwühlen, begreift man, warum dies die "wilde Küste", die Costa Brava ist.
Von den Winden nicht erreicht wird hingegen eine Welt, deretwegen heute viele Gäste auf die Halbinsel kommen: Die Felsen setzen sich mit Höhlen und Überhängen unter Wasser fort - überzogen von einem lebenden Flaum aus bunten Schwämmen und Anemonen. Und auch wenn nicht sicher ist, wie streng die Naturschutzbehörden die Einhaltung von Fischerei- und Harpunierverboten überwachen, können Taucher bei Cadaqués noch durch eine Unterwasserlandschaft schweben, deren Artenreichtum schon die Tauchpioniere des Mittelmeeres begeisterte - eine fast surrealistische Welt aus fließenden und verzweigten Formen, wie sie sich Dali nicht besser hätte ausmalen können.