EMPURIABRAVA, 24.05.2017 - 13:45 Uhr

Talente unter uns - Heute: Martina Nusch

Eines ihrer Talente entdeckte Martina Nusch, geborene Bähner schon im Kindesalter. Als kleines Mädchen freute sie sich zwar über geschenkte Puppenstuben, aber meistens fand sie an der Anordnung der Zimmer etwas auszusetzen und modelte sie entsprechend um. Später baute sie sich selbst Puppenstuben mit allem was dazugehört: Bad, Herd und Treppen, die nach ihrem intuitiven Verständnis eine ganz besondere Form und Anordnung haben sollten. Als junges Mädchen hatte sie das Glück, durch familiäre Umstände preisgünstig an das Magazin Schöner Wohnen heranzukommen. Das wurde zu einer ihrer Lieblingslektüren. Das Interesse an dem Thema, wie der Mensch auf dieser Erde sich beherbergen, wohnen und leben solle, brachte sie schon früh mit der asiatischen Lehre des Feng Shui in Berührung. So war es nur folgerichtig, dass sie an die indische Lehre des Sthaphatyaveda dem Vaastu gelangte, dem Wissen vom Leben im Raum und in der Geographie. Dabei ist es für die indischen Weisen nicht besonders wichtig, ob die irdische Behausung eine Villa, eine Wohnung, ein Iglu oder ein Zelt in der Wüste ist: alle gehorchen - im besten Falle - den Gesetzen der Himmelsrichtungen, der Resonanz, der Geologie, der Gravitation, der Statik und den Naturgesetzen.

Vaastu-Vidya aus Sthapatya-Veda, der Vedischen Architektur im Einklang mit dem Naturgesetz, beschreibt ausführlich die der Natur eigenen zeitlosen Baupläne und Struktu- rierungsgesetze, die bewirken, dass jedes einzelne Teilchen der Schöpfung in einem Zustand vollkommener Harmonie mit allem anderen bleibt.

Vaastu Vidya oder Sthapatya-Veda ist das älteste und vollständigste  Architektur- und Planungssystem der Welt und ist eine Schwesternwissenschaft des Ayurveda.

In diesem vollkommenen System werden die Einflüsse von Sonne, Mond, Sternen und Planeten in Bezug auf den Nord- und Südpol, sowie auf den Äquator berücksichtigt. Wohnhäuser, Bürogebäude und Siedlungen, die entsprechend der Vaastulehre gebaut werden, verbinden das individuelle Leben mit dem Kosmischen Leben, die individuelle Intelligenz mit der Kosmischen Intelligenz und sorgen dafür, dass alle guten Einflüsse aus der nahen und fernen Umgebung, den Bewohnern zu Gute kommen während gleichzeitig alle negativen Einflüsse abgewehrt werden.

Wer etwas von Astrologie versteht, der weiß, dass die gleichen Grund- sätze, die sich im menschlichen Geburtshoroskop als angelegte Krankheiten erkennen lassen, auch auf das Haus zutreffen, in dem dieser Mensch lebt. Eine große Zahl von Menschen wissen das nicht und leben in Wohnstätten, die sie auf die Dauer krank oder erfolglos machen.

Kluge Vaastu-Architekten kennen die Grundgesetze eines gesunden Bauens und richten sich danach. Da sind erst einmal acht Haupthimmelsrichtungen und die Planeten, die zu beachten sind.

Warum soll der Hauseingang im Osten liegen? Na sicher doch: weil im Osten die Sonne aufgeht. Die Grundlage unseres Lebens. Mit ihr kommt das Licht, das, wie wir kürzlich in unserer Kolumne Sprache spielerisch erläuterten, nicht nur Helligkeit mit sich bringt, sondern auch Lebenskraft, Vitalität und Erleuchtung.

Der Grundstein eines Hauses, einer Industriehalle oder eines Wolkenkratzers sollte daher immer in Richtung Osten erfolgen. Sonne symbolisiert Kraft, Ordnung, Gesundheit. Folgerichtig zum Hauseingang in Richtung Osten sollten auch die meisten Fenster des Hauses nach Norden und Osten gehen. Dagegen ein Minimum an Öffnungen nach Süden vor allem südlichen Ländern. Dort brennt bekanntlich die Sonne (weshalb so viele Deutsche in den sonnigen Sü-den fahren!) und der Hausbesitzer muss sich sofort mit Rollläden und Markisen vor der massiven Strahlkraft schützen. Anders sieht es beim Herd aus: wer den in den Süden stellt, kann sich die Wärme zunutze machen und verbraucht weniger Energie. Ideal ist es, wenn die Köchin am Herd im Süden den Blick nach Osten hat. Wer den Kamin im Salon in den Süden bauen lässt, braucht weniger Holz, um ihn warm zu halten. Das Haus wird besser beheizt.

In der modernen Welt werden allzu viele Häuser, davon ist Martina Nusch überzeugt, gegen die elementaren Regeln des indischen Vaastu gebaut.

Die indische Variante des Feng Shui, Vaastu, wird auch als Mutter des Feng Shui bezeichnet. Es beachtet anders als im jüngeren Feng Shui, was noch die Elemente Holz und Metall nutzt, grundsätzlich die vier Grundelemente Feuer, Erde, Luft und Wasser, die das Leben auf der Erde und der Menschen bestimmen. Diese grobe Aufteilung kann der Kenner dieser astrologisch-philosophisch-metaphysischen Wissenschaften bis in kleinste Einheiten unserer Lebens-, und Wohnräume verfolgen, aber das würde den Rahmen unserer Kolumne „Talente unter uns“ sprengen.

Wir wollen Ihnen unter diesem Titel die Ehefrau von Joachim Nusch vorstellen, der seinerseits unter demselben Motto vor einigen Monaten bei uns in ARENA zu Wort kam mit dem Thema der indischen Astrologie, Jyotish.

Vaastu als Leitmotiv für den Hausbau berücksichtigt auch die zukünftigen Bewohner des Hauses: ihre Größe, ihre Stärke. Die Raumverteilung, die Fenstergröße, die Anordnung der Treppen: alles ist auf den individuellen Menschen zugeschnitten im Einklang mit den Gesetzen der Natur.

Worin sie ihre Aufgabe sehe? frage ich Martina Nusch zum Ende des Gespräches. Natürlich darin, so die Antwort, die Defizite und Fehler auszugleichen, die entstehen, wenn Häuser gegen die Elemente gebaut werden. Sie berichtete, dass bei einem kürzlichen Großfeuer in Los Angeles eine ganze Siedlung von Vaastu-Häusern völlig von den Flammen verschont blieb, nur eines nicht: es war ein Haus, das zwar nach Vaastu-Prinzipien gebaut worden war, an dessen Grundstück man aber nachträglich grobe Veränderungen vorgenommen hatte, indem man den Swimmingpool verlegte.

Martinas Ehemann Joachim Nusch ergänzt das Interview noch mit dem Hinweis, dass auch die Anlage von Gärten den Gesetzen des Vaastu unterliegen sollte. Welche Teiche, welche Brunnen sollen angelegt werden? Der Grill muss natürlich in den Süden gestellt werden. Auch die Auswahl der Pflanzen und Blumenarten will bedacht sein. Gerade Steingärten unterliegen den Gesetzen der Element! Ach, es ist ein unerschöpfliches Thema. Aber leider ist der Platz in unserer Zeitung begrenzt. Daher nur dieser Hinweis auf ein hochinteressantes Ehepaar, dessen Harmonie ganz eindeutig den universellen und göttlichen Geboten folgt.

Sie erreichen Martina Nusch unter www.jyotishi.de oder www.vedharma.de

Angelika Eisenführ