EMPURIABRAVA, 24.05.2017 - 13:44 Uhr

Talente unter uns! Mit dem Hundeschlitten unterwegs: Susanne Cremer

Wieder hat sich jemand auf unsere Talentsuche gemeldet!

Es ist Susanne Cremer, gelernte Aussenhandelskauffrau, die als junges Mädchen von einem ebenso jungen Freund zum Geburtstag einen Schlittenhund geschenkt bekam. Es war aber kein Husky, wie Sie vielleicht vermuten, wenn Sie an die Schlittengespanne in Filmen denken: viel dunkles Fell und blaue Augen. Nein, so lacht Susanne, ein Schlittenhund in Deutschland muss nicht bei 50 Grad unter Null im Freien nächtigen können. Also züchtet man Mischlinge, die durch Leistungsbereitschaft, Ausdauer und Folgsamkeit auf sich aufmerksam gemacht haben. Denn beim Schlittenrennen hören die Tiere allein auf die Stimme ihres Herren oder ihrer Herrin. Es muss also ein enges Vertrauensverhältnis zwischen ihnen bestehen. Schliesslich teilt das Frauchen die Strapazen eines alpinen Rennens: bis zu 40 Prozent der Kilometer langen Strecken läuft sie hinter dem Schlitten her, lässt sich nicht etwa von den Hunden ziehen, auch wenn es nicht nur Vierergespanne, sondern sogar Zwölfergespanne gibt.  Susanne Cremer war gleich beim ersten Hund vor über 20 Jahren diesem anstrengenden Sport verfallen. Sie trainierte jedes Jahr ab Ende August mit Rollwagen auf weiten Strecken über Strassen und Felder, ab Dezember dann  mit viel Glück im Schnee. Sie hat ihr Hobby zu einer wahren Meisterschaft entwickelt, hat von den Alpen über Schweden und Finnland auch Alaska bereist und war nicht nur einmal deutsche Meisterin, sondern sogar Europameisterin in diesem ebenso attraktiven wie mühsamen Sport.

Durch ihn lernte sie übrigens vor rund 15 Jahren  (notfalls verbessern) bei einem solchen Rennen ihren späteren Ehemann, einen Franzosen kennen. Obwohl der damals weder Englisch noch Deutsch konnte und Susanne auch noch kein Französisch, wurde es dennoch eine glückliche Verbindung, obwohl sie bei den Wettbewerben gegeneinander antraten.

Leider verunglückte ihr Mann im letzten Jahr tödlich beim Absturz seines Kleinflugzeuges. Das ist auch der Grund, weshalb Susanne Cremer jetzt im Hohen Ampurdan wohnt und ihre beiden Söhne in die Grundschule in Navata schickt. Dort wurden die kleinen Franzosen von 10 und 7 Jahren übrigens liebevoll aufgenommen und beim Erlernen der katalanischen Sprache gefördert. Susanne lebt auf dem Grundstück des elterlichen Anwesens in einem kleinen eigenen Haus nahe bei dem weitläufigen Hundezwinger und ihrer Pferdekoppel. Denn die schlanke Frau mit den ausdrucksvollen dunklen Augen und kontrastreichen blonden Haaren hat noch eine zweite Leidenschaft: das Reiten. Auf dem Gelände halten sich neun Pferde auf, darunter auch einige Ponies, ideal für Kinder.

Das Haus in Navata war vor 30 Jahren, als die Eltern es erwarben, noch ein Bauernhof. Diesen Charme hat es sich erhalten, auch oder gerade weil die Mutter es mit unglaublich viel Gespür für das rustikale Ambiente mit sicherem Geschmack ausgestattet hat. Es gibt nicht nur vier Doppelschlafzimmer und zwei Bäder, zwei kleine Büros und einen Wintergarten mit atemberaubendem Blick auf die blühenden Felder, sondern auch allerlei Nebengelass wie einen intimen Innenhof, eine rosengesäumte gedeckte Terrasse und ein gepflegtes Schwimmbad. Die Landschaft ist lieblich, der Blick schweift bis auf die jetzt wieder neu verschneiten Berge. Aber es ist nur eine halbe Stunde bis nach Girona mit seinem Flughafen und knapp 20 Minuten bis nach Empuriabrava mit den vielfältigen Freizeitangeboten. Ideal für Familien mit Kindern, denn durch das grosse Anwesen windet sich auch noch ein Flüsschen, das sich am Ende zu einem kleinen Stausee verdichtet. Für Abwechslung beim Spielen in der Natur ist also gesorgt.

Susanne Cremer hat den Schicksalsschlag einer viel zu frühen Witwenschaft tapfer hingenommen und denkt jetzt nur noch an das Wohl ihrer Kinder, denen ihre ganze Liebe und Fürsorge gilt. Aber gleich danach kommen die 25 Schlittenhunde, auf die sie um keinen Preis der Welt verzichten würde. Wenn sie die Tür des grossen Hundetransporters öffnet, dann springen die Rennhunde von selbst in jede einzelne der ihnen zugewiesenen 25 Boxen, denn sie wissen: jetzt geht’s wieder los. Sie scheinen zu spüren, dass Frauchen schon mit dem Gedanken spielt, die nächste Pirena mitzumachen, das inzwischen berühmte Hundeschlittenrennen durch die Pyrenäen. Die Geschirre und der Schlitten sind bereit, jetzt  heisst es bald wieder hart trainieren.

Ob denn ein solches vielbeiniges Hobby nicht eine Unmenge Geld verschlinge, will ich zum Schluss wissen. Susanne lächelt: nein, denn wenn man erst einmal eine Renngrösse ist (wie sie mit ihrem Team), dann gibt es fast immer Futtermittelsponsoren. Das hilft schon sehr!

Susanne Cremer veranstaltet am kommenden Sonntag, den 16. Mai, eine Grillparty ab mittags ab 13.00 Uhr. Sie alle sind herzlich eingeladen, diese tüchtige und lebensmutige Frau und ihre Tiere kennen zu lernen. Keine Angst um Ihre Kinder: sowohl die Hunde wie die Pferde sind an diesem Tag unter sicherem Verschluss.

Wie Sie hinkommen?  Auf der Nationalstrasse 2 (N II) von Figueres aus in Richtung Girona fahren, Abfahrt Pontos nehmen. Von da aus 3,3 km der Strasse folgen, ohne in den Ort Pontos abzubiegen!! Nach ca 2,5 km biegt die Strasse nach links ab. Von da aus auf die grünen Schilder MAS ARMENGOL achten.

Wer Susanne Cremer lieber direkt ansprechen möchte, dem geben wir hiermit ihre Handynummer bekannt: 605 294 341,

e-mail susicremer @gmail.com.

Angelika Eisenführ