EMPURIABRAVA, 29.03.2017 - 13:17 Uhr

Talente unter uns Fritz A. - DEN MENSCHEN HELFEN

Seine wissenden Augen schauen auf sympathische Weise  neugierig, um seinen Mund spielt ein humorvolles Lächeln.

Die Visitenkarte des Mannes aus der Schweiz weist eine e-mail-Adresse aus, der man entnehmen kann, dass ihm nicht nur das Wohl der Menschen am Herzen liegt, sondern auch das der Natur.  Insekten wie Bienen und Schmetterlinge, so erklärt der etwas über siebzigjährige Herr, der sich auf meine Talentsuche hin beworben hat, seien ebenso schützenswert wie alle anderen Kreaturen. Sie hülfen bei der Fortpflanzung  in der Natur und seien daher ein nützliches Glied in der Nahrungskette.

In dem Gespräch, das uns von ARENA auf den Grund seiner Bewerbung als „Talent unter uns“ führte, stellt sich heraus, dass Fritz A. – mehr wollte er von seinem Namen nicht preisgeben, weil er ein kostbares Gut hütet - ,  nicht nur ein Freund der Tiere und Pflanzen ist, sondern nicht zuletzt auch der Menschen. Und so ist seine Erfindung denn auch dazu geeignet, Tausenden, ja vielleicht sogar Millionen Menschen  hilfreich zu sein. In einer fast zehnjährigen Entwicklung hat Fritz A. zusammen mit einem Ingenieur ein unfehlbares Mittel gefunden, wie man Kreditkarten in aller Welt  gegen Fälschungen schützen kann. Natürlich kam das nicht von ungefähr: er war über 30 Jahre lang im Computerbereich, insbesondere aber mit der Softwareentwicklung beschäftigt.  Einen Fachmann für Verschlüsselungstechnik nennt er sich in aller Bescheidenheit. Als solcher hat er viele Jahre mit Banken zu tun gehabt und konnte darüber nachdenken, wie man den rund 500 Millionen Euro Kreditkartenbetrug pro Jahr allein in der EU ein Ende bereiten könnte.

Grob geschätzt zirkulieren international pro Jahr 2 Milliarden Kreditkarten in aller Welt. Und raten Sie mal den Prozentsatz der Fälschungen. Es sind 30 bis 40 %, die da von Fälscherbanden über das Internet in alle Welt vertickt werden, sodass die Konten der rechtmässigen Besitzer abgeräumt werden können! Denn das Magnetband auf der Rückseite der Kreditkarte enthält in aller Regel auch die Pin-Nummer des Bankkunden.  Wenn das nicht reicht, schieben die Fälscher in die Geldautomaten eine sogenannte Platine ein, die Tag und Nacht die Daten der Kreditkarteninhaber kopiert. Diese werden dann auf laufende Meter von Kreditkartenrohmaterial eingespeist und ab geht die Post. Im Internet kosten solche Karten zwischen 100 und 200 Euro oder Dollar und die Möglichkeit, von einem fremden Konto Tausende Dollar oder Euro abzuräumen, lässt viele  Menschen schwach werden. Man riskiert es eben einfach! Für die Fälscher wiederum ist es wichtig, ihre zukünftigen Kaufkunden der Kreditkarte nicht zu verprellen. Daher werden nur solche Konten kopiert, auf denen es lukrative Beträge abzuzocken gibt.

Die Fälschung von Geldnoten und Kreditkarten ist heutzutage ein international operierendes Geschäft geworden und oftmals sind die Fälscher dem normalen Konsumenten zwei Schritte voraus. Deshalb geben die Kreditkartenhersteller ein Vermögen für Sicherheit aus, aber  der bisher entwickelte Kopierschutz, so Fritz A., reicht bei weitem nicht aus.

Auf meine Frage, warum seine Erfindung, die doch absoluten Schutz vor Missbrauch  verspricht, noch keinen Grossabnehmer gefunden habe, gibt mir der jung gebliebene Schweizer eine niederschmetternde  Erklärung: die Banken wälzten Verluste durch Kreditkartenbetrug auf ihre Versicherungen ab und die Mastercard, Visa und Konsorten hätten ebenfalls kein besonderes Interesse daran.  Sie legten die Kosten lieber auf ihre Hunderttausende von Kunden um.  Und was die Kreditkartenhersteller angeht, so ist das Fazit noch ernüchternder: je mehr Karten gestohlen,  kopiert und unbrauchbar gemacht werden, umso mehr blüht ihr Geschäft. Eine Fabrik im Jura, so der Schweizer, kostet bis zu 40 Millionen Franken, wobei diese Kosten zum Teil von den Banken mit getragen werden.

In der Schweiz, erläutert Fritz A. mit wissendem Lächeln, bekommt jeder Asienreisende nach Abhebungen in Thailand, Indonesien oder auf Bali automatisch eine neue Kreditkarte an seine Heimatadresse zugestellt: gleichgültig ob er die Karte auf dem Ferntrip verloren hat, sie ihm gestohlen wurde oder ein Fälscher sie missbrauchte. So ernährt das Kreditkartengewerbe sich teilweise selbst, indem sie Nachfrage auch dort künstlich schafft, wo eigentlich keine war.

Warum seine spektakuläre Maschine zur Sicherung von Kreditkarten, auf die Fritz A.  und Partner schon im Jahre 2000 ein Patent anmeldeten, bis heute nicht gebaut ist und von keinem Geldinstitut, keiner Regierung und keinem Grossunternehmen  verlangt werden, gibt es nur die Erklärung: kein Interesse, weil nicht im eigenen Interesse. Dabei könnten der Erfinder des Systems und sein Partner, der Ingenieur, die Funktionsfähigkeit des Programms jederzeit am Computer demonstrieren. Eine Million Schweizer Franken hat es bereits gekostet, so weit zu kommen, jetzt fehlt nur noch ein Abnehmer dafür. Ob  er darüber nicht untröstlich sei, frage ich den zarten alten Herrn. Nein, es tue ihm nur leid, dass die Menschen sich so gedankenlos damit abfänden, um ihr Geld gebracht zu werden. Kaum jemand liesse sich aufrütteln, dieses Milliardengeschäft von Kriminellen unterbinden zu helfen. Auf meine letzte Frage, wieso er denn als Einziger ein absolut kopiersicheres System zur Verhinderung von Missbrauch an Kreditkarten  erfunden habe und vor ihm noch kein anderer, gibt Fritz A. die entwaffnende Antwort: „Auch einen Einstein hat es nur einmal gegeben“.

Angelika Eisenführ