EMPURIABRAVA, 26.06.2017 - 14:20 Uhr

Die Zerstörung des Emporda (2)

Von Dr. Wolfram Janzen

Glücklicherweise sind durch das beherzte Eingreifen von Bürgergruppen Ende des 20. Jahrhunderts wertvolle Naturzonen vor der Gewinnsucht und Bauwut gerettet worden, indem sie zu Naturschutzgebieten erklärt wurden. Aber auch hier werden immer wieder Ausnahmegenehmigungen erteilt. Ein Beispiel ist die Zersiedlung des Cap Creus hinter Cadaques oder der geplante Yachthafen im Eintrittsbereich des Flusses Grao in Santa Margarita ( in einer in Hinsicht auf Geologie und Wasser geschützten Zone, im Bereich der Aiguamolls). Neben dem Eingriff in die Landschaft ist hier auch an die weitere Kontaminierung des Flusses und der Gewässer der Aiguamolls zu denken, die ohnehin schon durch die Anlagen der nahe gelegenen Werft stattfand und stattfindet. Obendrein wurde diese Werft unlängst massiv erweitert – was zumindest rechtlich umstritten ist.

Aber nicht genug: nachdem die Küste an vielen Orten des Emporda verschandelt wurde, greift man nun ins Landesinnere.

Ein Netz von „Windparks“ mit abführenden Stromleitungen wird bald die Landschaft um idyllische alte Dörfer verunzieren. Vor allem im Naturpark der Alberes. Geplant sind sie in: La Jonquera, Molinas, Portbou, Ventallo, Sant Climent, Espolla, Cantallops, Biure, Boadella, Terrades, Darnius, Capmany. Nichts gegen Windenergie, aber müssen die riesigen und heulenden „Windmühlen“ um diese Dörfer in die harmonische Landschaft gesetzt werden? Können die „Parcs Eolics“ nicht um Industriegebiete angeordnet werden, wo sie die Landschaft und das Leben ihrer Bewohner weniger stören?

Müllplätze und Steinbrüche werden an historisch bedeutsamen und landschaftlich wertvollen Plätzen eröffnet oder geplant wie in Cruilles, Ulla, Terrades. Sie reißen große Löcher in die Landschaft, verpesten die Luft und schaffen Unruhe durch Zufahrtswege.

Fährt man durch ländlichen Gebiete, sieht (und riecht!) man überall lang gestreckte Schweineställe. In Rabos wurde eine Anlage für 5000 Tiere genehmigt. Von dort aus werden arme Schweine durch ganz Europa transportiert. Nicht nur, dass diese Massentierhaltung eine Tierquälerei und das Fleisch für die Menschen gesundheitsschädlich ist. Diese Anlagen vergiften Boden und Wasser mit Nitrat! Es gibt andere Möglichkeiten der Tierhaltung und  Spanien muss nicht Europa mit Schweinen versorgen!

Die Gemeinden verabschieden Stadtbebauungspläne (POUMs), die große Erweiterungen der Bebauung in das Land vorsehen, Grünzonen und Ackerflächen werden vernichtet, alte Gebäude oder Siedlungsteile enteignet und niedergerissen, ein Netz von Kreiseln und Straßen - wie in großen urbanen Zentren - errichtet. So plant Castello 3700 Wohneinheiten auf freiem Feld, Roses 3000 auf Flächen, die teilweise als nicht bebaubare Flächen oder Überschwemmungsgebiet (gefährlich!) ausgewiesen sind. Ein neuer POUM soll alte Sünden verdecken, bisher Unerlaubtes legalisieren und neue Einnahmen für Grundbesitzer, Unternehmer und Gemeinde schaffen.

In der Regel steuern einige örtliche Kaziken das ganze aus dem Hintergrund und die Politiker verkaufen das mit wohlklingenden und beruhigenden Argumenten in der Öffentlichkeit.

Fortsetzung morgen