EMPURIABRAVA, 23.03.2017 - 09:23 Uhr

Ausflugstipp: Mit dem „Gelben Zug“ durch die Pyrenäenlandschaft (2)

von Dr. Wolfram Janzen

Fortsetzung von gestern

Die Triebwagen werden angeworfen, der Schaffner pfeift, es tutet – und nun zuckelt der Zug los.  Antriebskraft beziehen die Triebwagen aus der neben den Schmalspurgleisen (1 m) laufenden Stromschienen ( 850 V Gleichstrom). Die Elektrizität wird aus dem reichlich vorhandenen Wasser der Tet gewonnen. Wir reisen also sehr ökologisch! Rechts oben sehen wir das Fort Liberia, links die Festungsmauern der Vauban-Festung Villefranche, einem viel besuchten alten Städtchen mit netten Geschäften und den nahe gelegenen sehenswerten Canalettes-Höhlen. Dafür haben wir aber heute keine Zeit. Unser Ziel ist Mont-Louis, die höchste Grenzfestung Frankreichs (über 1600 m hoch), ebenfalls von Vauban ( 1633-1707) erbaut.

Bald geht es steil aufwärts. Nach 20 km hat der Zug eine Höhendifferenz von 600 m überwunden. Das Tal wird immer enger, der Blick fällt in tiefe Schluchten und auf schroffe Felsen. Von einer Seite auf die andere windet sich die Streckenführung, durch Tunnels und über Brücken. In den dunklen Tunnels hören wir die Leute im offenen Wagon kreischen. Beim Blick von der Hängebrücke Pont Gisclard in die Tiefe ( benannt nach dem bei der Errichtung zu Tode gekommenen Kontruk- teur Gislard) kann einem schon schwindelig werden.

Nach einer eindrücklichen Fahrt kommen wir in Mont-Louis-La Cabanasse an. Von dort fährt der Zug weiter auf die Passhöhe Bolquere (1592 m), dann hinunter nach dem Bahnhof des alten Pilgerortes und heutigen Wintersportzentrums Font-Romeu und durch die Hochebene der Cerdagne bis nach   Latour-de-Carol-Enveitg. Dort trifft die Schmalspurbahn auf die Bahnlinien Barcelona-Toulouse-Paris. Nach einer Vorfahrt mit dem PKW hatten wir beschlossen, nicht bis zum Endpunkt zu fahren, da die Strecke landschaftlich nicht mehr so interessant ist und in Latour wenig geboten wird.

An blühenden Gärten und Bergwiesen vorbei mit phantastischen Ausblicken auf die Berge      ( rechts die Zacken des 2700 m hohen Cambra d´Ase –„Eselsrücken“- dahinter die höheren Pic d´Eina und Pic del Gegant) steigen wir nach Mont-Louis hinauf.

Durch ein Vor- und ein Hauptportal gelangen wir in das mit Wall, Graben und dicken Mauern und Bastionen bewehrte Garnisonsstädchen. Über ihm erhebt sich, noch einmal befestigt, die Zitadelle. Der Marschall und Militärarchitekt Sebastian Le Preste de Vauban ließ die Anlage ab 1682  - sozusagen aus dem Nichts – auf dieser Bergeshöhe an strategisch wichtiger Stelle errichten. Auch deutsche „Bausoldaten“ haben dabei mitgewirkt. Die Festungsanlage gehört zu dem Gürtel an Festungen und Festungstädten, die Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, an der Grenze zu Spanien errichten ließ. Im „Pyrenäenfrieden“ von 1659 wurden Nordkatalonien und die Cerdagne an Frankreich von Spanien abgetreten und die Grenze verlief über die Pyrenäen. Die Stadt erhielt ihren Namen zu Ehren des „Sonnenkönigs“ und übernahm auch dessen Wappen. Auch die klassizistisch-barocke Kirche im Zentrum des Ortes wurde dem Namenspatron und Vorgänger des Königs, Ludwig dem IX. und Heiligen (1214-1270), geweiht.

Es lässt sich schön durch den Ort und um die Mauern spazieren. Es gibt einige Cafes, Gaststätten und Geschäfte. Wir hatten Glück, am Donnerstag findet der pittoreske Markt statt. Man kann - nach Anmeldung im Fremdenverkehrsbüro – Teile der Zitadelle, die noch heute Garnison ist, besichtigen ( Ausbildung und Training einer Truppe für Spezialaufgaben). Sehenswert ist u.a. der „Puit des forcats“, ein tiefer Brunnen mit gewaltigem Schöpfrad, der die Wasserversorgung der Zitadelle sicherstellte. Seinen Namen hat er davon, dass ihn angeblich Sträflinge betreiben mussten.

Wir hatten uns entschieden, den „Sonnenofen“ (Four Solaire) zu besichtigen. Sehr passend zum Ort  (300 Sonnentage im Jahr) und seinem Patron, dem „Sonnenkönig“, hatte hier ab 1949 der Prof. Felix Trombe den ersten großen „Sonnenofen“ in Betrieb genommen und damit experimentiert (wie so oft, hatte dieses wissenschaftliche Experiment zuerst militärische Ziele!). Heute ist die Anlage mit einem großen Hohlspiegel ( dem „Konzentrator“) und einer viereckigen Flachspiegel auf einer Bastion unübersehbar.

Wie ein Brennglas bündeln die Spiegel das Sonnenlicht und erzeugen im Brennpunkt hohe Temperaturen ( bis zu 3500 Grad C.). In einem großen Ofen wird die Hitze zum Brennen von Keramik und Schmelzen von Metall verwendet. Die interessante Führung ( in Französisch –aber vieles spricht für sich!) zeigt in eindrücklichen Versuchen und auch an Modellen das Prinzip der Solarenergie.

Auf gleichem Wege ging´s am späten Nachmittag wieder zurück. In Soler wieder angekommen, waren sich alle einig: ein lohnender Ausflug! 

(Informationen und Fahrplan:www.trainstouristiques-ter.com – wählen: Region Languedoc Roussillon –Train Le Train Jaune, deutsche Flagge anklicken.)