EMPURIABRAVA, 27.04.2017 - 12:58 Uhr

Ausflugstipp: Mit dem „Gelben Zug“ durch die Pyrenäenlandschaft (1)

von Dr. Wolfram Janzen

Schon lange wollten wir diese Fahrt machen, eine Fahrt mit dem historischen „Train Jaune „ oder „Tren Groc“ durch den Conflent und die Cerdagne. Doch Studium der Fahrzeiten dahin und des Fahrplans belehrten uns, dass wir in aller Herrgottsfrühe aufbrechen müssten. Dies hielt uns bisher von dem Unternehmen ab. Doch nun hatten wir den Ausflug in das Programm der „Kulturspaziergänge“ gesetzt und so mussten wir es wagen. Die Abfahrtszeit in Santa Margarita war um 6.00 Uhr morgens angesetzt – es zeigte sich, dass diese frühe Aufbruchszeit gut war – und mit uns hatten es die 26 angemeldeten Teilnehmer geschafft,  da zu sein. Durch den anbrechenden Tag mit seinem rosigen Schimmer über den Bergen ging´s problemlos über Grenze und Autobahn bis Perpignan-Sud.

Die Parole hieß: immer Richtung „Andorra/Prades“ und so gelangten wir trotz der vielen verwirrenden Kreisel auf die N 116, wo wir nach Le Soler abbogen. Wir hatten uns nämlich entschlossen, nicht mit dem Auto zum Anfangspunkt des „Gelben Zuges“ in Villefranche zu  fahren, sondern mit der Bahn. In Soler, einem gepflegten Dörfchen hinter Perpignan, fanden wir rasch den „Gare“, den Bahnhof. Fahrkartenschalter gibt es nicht, man sollte im Zug den Kontrolleur – so man ihn findet - aufsuchen und eine Fahrkarte (7.10 Euro einfach) lösen.

Die Zugfahrt durch das Tal der Tet an immer höher werdenden Bergen, mit der Sicht auf das Canigo-Massiv, an Seen und Städchen wie Prades vorbei, ist bequem und gibt einen Vorgeschmack auf das Kommende. Man könnte natürlich auch auf der gut ausgebauten Straße bis zum Bahnhof Villefranche-Vernet-Les Bains fahren.

In Villefranche lösen wir die Fahrkarte nach Mont-Louis ( 18.20 Euro hin und zurück). Schon sehen wir den „Gelben Zug“ am Bahnsteig stehen, aber wir dürfen ihn noch nicht betreten.

Es ist gut, dass wir so früh da sind und uns so ziemlich an den Anfang der Schlange der Wartenden stellen können, denn nach uns drängen sich immer mehr Menschen an Fahrkartenschalter und in die Warteschlange. Es zeigt sich, dass Vorbestellungen – unser Versuch war auch gescheitert  - sinnlos sind. 1 Stunde vor Abfahrt des Zuges da sein, ist besser.

Wir bestaunen den knallgelb angestrichenen Zug, was ihm den Spitznamen „Canari“ eingebracht hat. Wir sehen auf dem Abstellgleis einen neuen Zug, sicher mit Klimaanlage und allem Komfort. Wir freuen uns aber, dass wir in einen alten Zug steigen können. Er weckt Kindheitserinnerungen mit seinen offenen Plattformen und dem kargen, aber schön renovierten Inneren. Ob die Wagen noch aus der Anfangszeit stammen -1910 wurde die Bahn eröffnet - können wir nicht feststellen. Wie dem auch sei, der Zug ruckelt ganz schön und ich habe das abends mit meinen Bandscheiben gespürt. Natürlich drängte alles in den offenen Waggon, den es in den alten Zügen gibt; aber wer zugempfindlich  und ohne schützende Mütze ist, sollte das vielleicht unterlassen. Man besteigt auch besser keinen der Triebwagen des Zuges, denn die sind laut.

Fortsetzung morgen