EMPURIABRAVA, 21.10.2017 - 17:50 Uhr

Wissenswertes aus Katalonien: Les Trementinaires – Die Kräuterweiber aus Katalonien (2)

So fand sich für jedes Leiden ein Mittelchen, denn Katalonien ist der reinste Kräutergarten.

Vor allem in den Bergen finden sich heilkräftige Bäume und Pflanzen. So benutzten die Trementinaires – um nur einige Beispiele zu nennen – den seltenen blauen Pyrenäen-Felsenteller (Orella d´os/“Bärenohr“ – Ramonda myconi), den es nur in den Pyrenäen gibt.

Er ist fast ein Allheilmittel. Er hilft als Aufguss, Kompresse oder Öl genommen gegen hohen Blutdruck, Magen- und Darmbeschwerden, Durchfall, offene Stellen in Mund und Beinen, Ohrschmerzen, Hämorrhoiden, verbessert die Blutzirkulation, beruhigt, reinigt, senkt das Fieber… Oder die Corona de rei (saxifraga longifolia), der Pyrenäen-Steinbrech, auch selten und nur auf Pyrenäenfelsen wachsend. Er wurde als Abtreibungsmittel verabreicht, denn nicht immer waren in den bäuerlichen Familien Kinder ein „Segen“. Die Pflanze ist sehr giftig, und sie musste – wie bei vielen Mitteln der Kräuterfrauen – in äußerst geringer und genauer Dosierung verwendet werden.  Neben diesen speziellen sind im „Kräutergarten“ Kataloniens die bekannten Heil- und Gewürzpflanzen zu nennen: Rosmarin, Thymian, Salbei, Lavendel, Oregano, Malve, Arnika …und können von jedermann verwendet werden.

Auch muss noch er-wähnt werden, dass der Beruf der Termentinaires für alleinstehende Frauen, aber auch für die armen Bergbauersfrauen eine Möglichkeit darstellte, den Lebensunterhalt zu verdienen oder die Familieneinkünfte zu verbessern. Sie kamen aus dem einfachen Volk und dienten ihm.

Die letzte Trementinaire, Sofia d´Ossera,  machte 1982 ihren Weg.

Heute bewahrt ein kleines Museum, das Museu de les Trementinaires, in Tuixent im Alt Urgell das Andenken dieser Frauen. Das Valle de la Vansa, bei den Serres de Cadi und Pedraforca gelegen, ist ein Ursprungsgebiet der Trementinaires. Die Anfahrt dorthin ist weit, aber ein Wochenendaufenthalt lohnt sich schon wegen der Naturschönheiten, zu denen auch die Baum- und Pflanzenvielfalt gehört. Am 29. und 30. Mai 2010 gibt es eine Festa de les Trementinaires, die in die Welt der Kräuterfrauen, ihrer Pflanzen und Heilmittel, einführt www. trementinaires. org).

Wir sind bereit, bei rechtzeitiger und genügender Anmeldung, eine Fahrt mit privaten Pkw. im Rahmen der „Kulturspaziergänge“ mit zwei Übernachtungen ( 28./29./29./30. Mai) zu organisieren. Anmeldungen: Tel. 972 459 526 oder 677 604 507.

Zum Schluss das „Terpentin-Salbe“ Rezept einer Trementinaire – hilft gegen Entzündungen und Infektionen von Wunden. Aber beachten Sie: Terpentin ist hautreizend, kann Allergien auslösen und Terpentindämpfe sind giftig! Und nehmen Sie echtes („venezianisches“) und reines Terpentin aus der Apotheke oder dem Naturmittelhandel – kein Terpentinöl oder Essenz aus dem Baumarkt! Also:

Die Terpentinsalbe bereitet man, indem man folgendes mischt: Ein Eigelb (nur aus biologischer Haltung), eine Unze (28 Gramm) 9 mal gewaschenes, also zähflüssiges, Terpentin ( Terpentin mischt sich nicht mit Wasser), zwei Esslöffel Zucker, zwei Esslöffel Honig und zwei Esslöffel (reines) Schweinefett. Dies wird gut gemischt, bis die Konsistenz einer Salbe erreicht ist.

Dagmar Janzen