EMPURIABRAVA, 23.11.2017 - 08:38 Uhr

Kinder, Kirche, Missbrauch (3)

Dr. Wolfram Janzen/ Dagmar Bleil

Unsere Gesellschaft schafft es, durch Sanktionen, Falschaussagen, Hetzkampagnen gegen bestimmte Gruppen von  Menschen mit abweichendem Verhalten diese immer mehr zu isolieren und mit ihren Problemen unter sich zu lassen. Dies gilt auch für Menschen mit abweichendem sexuellen Verhalten, den sogenannten „Perversen“. Damit ist soll nicht gesagt sein, dass alles tolerierbar ist. Aber besser als Verdrängung und Sanktionen ohne Hilfe sind:  Zugebenkönnen, offenes Gespräch, Beratung, Anlaufstellen.

„Perverses“ Verhalten am Kind findet überall statt  Schon auf dem Wickeltisch, wenn Mama dabei Lust verspürt, den Kleinen am Glied zu waschen, zu salben, zu pudern und zu streicheln. Wir sind nicht frei von geheimen, oft gar nicht bewussten, von der offiziellen Moral abweichenden Trieben und Wünschen. Aber weil uns das peinlich ist, schieben wir dieses gern auf andere ab, vor allem auf die, die sich dabei ertappen ließen.

Es gibt einen anerkannten psychologischen Versuch:

Es wurden Männer unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Berufen, in mehreren Folgen von Versuchen an elektrische Messgeräte angeschlossen. Sie sahen Filme mit leicht oder gar nicht bekleideten Kindern in verschiedenen Positionen. Das Ergebnis: alle Männer hatten phallische Zeichen, Erregung, erhöhten Blutdruck.

Haben die Lebscha in Indien mit ihren Regelungen etwa Recht? Warum fallen dann nicht alle Männer über unsere Kinder her?

Unsere Gesellschaft – und dazu gehören auch die Kirchen – hat im günstigsten Fall den Erwachsenen Werte und Normen (Verhaltenswei- sen) vermittelt: Un-antastbarkeit, Wür- de, Schutz eines jeden Lebens, des Schwachen, des  Abhängigen und Hilfsbedürftigen, auch des Kindes. Fast nicht zu glauben! Nicht zuletzt sind das Werte, die das Christentum in die Welt gebracht hat!

Wie gesagt, nicht alle Männer, die pädophile oder päderastische Neigungen haben, leben diese an Kindern aus. Aber viele suchen diese Nähe in kirchlichen Einrichtungen, in Schulen, Kindergärten oder Pflegeeinrichtungen und tun dort einen unschätzbaren, hohen Dienst an unserer Gesellschaft. Oder möchten Sie ein leprakrankes Kind eincremen  oder sich um einen körperlich oder geistig behinderten Jugendlichen liebevoll bemühen?

Kirche, das ist nicht nur der Gottesdienst am Sonntag und der Pfarrer, das sind auch viele andere Mitarbeiter und Berufe, viele Ehrenamtliche, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime, Behinderten- einrichtungen, Beratungsstellen, soziale Projekte, Entwicklungshilfe, Verwaltung etc. Die Kirchen sind nach dem Staat in Deutschland die größten Arbeitgeber, vor allem im sozialen Bereich. Es ist richtig, der Staat zahlt da viel dazu, aber ohne die Kirchen und die Unterstützung ihrer Mitglieder würde unser soziales System zusammenbrechen und wäre unsere Welt ärmer und unmenschlicher. Vor allem würden Menschen fehlen, die sich eben auch aus christlichen Motiven darin engagieren und wertvolle Arbeit leisten. Dass es in der Organisation  Kirche Menschen gibt, die die christliche Botschaft mit ihrem Verhalten verleugnen und sich an ihrer Verantwortung verfehlen, ist ein Ärgernis. Aber es ist unrealistisch, anderes zu erwarten. Und es macht auch das nicht unwahr, was Jesus Christus die Menschen lehrt. Nicht umsonst steht warnend am Anfang der Kirchengeschichte: „Dreimal krähte der Hahn“. „Heilige“? – Es gibt sie, aber sie sind selten, und auch sie haben ihre menschlichen Schwächen. Nicht umsonst war Martin Luther ihnen gegenüber skeptisch und hat betont, dass wir unvollkommene Menschen sind und der göttlichen und menschlichen Hilfe und Vergebung bedürfen.

Ende der Serie