EMPURIABRAVA, 24.05.2017 - 13:50 Uhr

Auf den Spuren von Josep Pla – ein literarischer Streifzug

Von Dr. Wolfram Janzen

Beim letzten Kulturspaziergang am 25.3. hatten sich die Teilnehmer aufgemacht, um einen

Schriftsteller und seine Wurzeln zu entdecken. Josep Pla ( 1897-1981) gilt als einer der bedeutendsten katalanischen Schriftsteller der neueren Zeit. So sehr er in Katalonien geschätzt wird, uns Deutschen ist er kaum bekannt. Wenn man von ihm gehört hat, dann als Reiseschriftssteller, der Katalonien und das Emporda in verschiedenen Büchern Besuchern näher gebracht hat. Von den 48 Bänden seiner gesammelten Werke ist von ihm nur wenig ins Deutsche und andere Sprachen übersetzt worden. So ist es schwer, seine über Katolonien hinausgehende Bedeutung einzuschätzen. Ist Pla ein „Heimatschriftsteller“ oder erheben sich seine Beobachtungen, Schilderungen und Reflexionen zu den katalanischen Landschaften und Menschen über das Regionale ins Europäische und Allgemein-Menschliche hinaus? Das ist die Frage, die sich auch uns bei dieser Exkursion und bei seinen Texten stellte. Auf jeden Fall lohnt es sich, sich mit ihm zu beschäftigen, wenn man in Katalonien lebt und sich für dieses Land interessiert. Man wird bei seinen Schilderungen und Beobachtungen vieles wieder erkennen, was man selbst gesehen und erfahren hat. Pla kann zu einem tieferen Verständnis seiner Heimat, der Menschen und der Kultur Kataloniens beitragen.

Wir fuhren nach Palafrugell, der Geburtsstadt Plas. Unsere Fahrt ging am Bergmassiv des Montgri vorbei, durch das Baix oder Petit Emporda. Das ist die Landschaft Plas, in der er zuhause war. In seinem Tagebuch „ Das graue Heft“ ( El  quadern gris -1918/19 herausgegeben 1966; deutsch: Bibliothek Suhrkamp 1424) schreibt er : „ Ich bin am 8. März 1997 in Palafrugell ( Emporda Petit) geboren worden. Ich stamme zu Hundert Prozent aus dem Emporda. Meine eigentliche Landschaft liegt zwischen Puig Son Ric bei Begur im Osten, den Bergen von Fitor im Westen, den Formigues-Inseln im Süden und dem Montgri im Norden“.

Wir fahren durch die Reisfelder von Pals, machen bei der Reismühle Halt, wo wir uns mit dem vorzüglichen Vollkornreis versorgen. Vor uns erhebt sich der Hügel von Pals, an dem  sich die alten Häuser emporwinden, gekrönt von der Turmspitze des Pedro. Dort oben gibt es einen Mirador, einen Aussichtsplatz, der Pla gewidmet ist. Von ihm aus schweift der Blick über den Baix und Alt Emporda mit seinen Ebenen und Bergen, begrenzt vom Meer und dem Gipfel des Canigou.  Der Blick – schreibt Pla in seinem „Führer durch Katalonien“ (1971) – „ ist von großer Reichweite und wer nicht den wunderbaren Diamant des winterlichen schneebedeckten Canigou von Pals aus erblickt hat, hat etwas Wichtiges versäumt.“ Das Baix Emporda zu Füßen ist eine „liebliche, fruchtbare und (human) geordnete Landschaft“, „die den Nutzen dem Chaos entgegenstellt“. Das Emporda  ist „Grenzlandschaft“ – wie ganz Katalonien – stets vom Land und Meer aus umstritten und angegriffen . Das hat den Charakter der Menschen geprägt. Die Lage hat „in großem Maße dazu beigetragen, den Empordaner zu formen, den ich von meiner Warte aus mit zwei Gesichtern sehe: Auf der einen Seite ist er im Guten wie im Schlechten eine Art Blaupause des Katalanen, auf der anderen Seite ein Skeptiker, der zuweilen Rauschzustände erlebt, die üblicherweise nicht lange anhalten.“ ( J. Pla: Die Grenzmark und das Emporda, in: El meu pais, 1968; deutsch in : J. Subirana, Willkommen in Katalonien, Eine literarische Entdeckungsreise, dtv 13605). Ohne Zweifel ist bei Pla die skeptische Seite ausgegeprägt, im Gegensatz etwa zu Dali, über den Pla einen aufschlussreichen Aufsatz geschrieben hat ( Homenots – d.h. „Kerle“/bedeutende Menschen -, Quarta serie, 1975, auch in Deutsch: Dali, Berlin 2005).

Fortsetzung morgen