EMPURIABRAVA, 30.03.2017 - 00:59 Uhr

Karneval in Katalonien (2)

von Dr. Wolfram Janzen

Fortsetzung von gestern

Auch die verschiedenen Kommissionen, die Teile des Carnavals gestalten, haben viel Mühe auf ihre Auftritte verwandt.

Carnaval in Katalonien ist ein Gemeinschaftsereignis, das die Bevölkerung verbindet.

Aber weniger die Zuschauer als vielmehr die Beteiligten und ihre Angehörigen. Ursprünglich taten sich Häuser (Familien)  in den Dörfern oder Barrios in den Städten zusammen und bildeten „collas“, feierten, aßen und tranken gemeinsam. Der Spaß und die Freude lag bei denen, die sich aktiv beteiligten. Und das ist auch heute noch zu bemerken. Diejenigen, die den Karneval in Düsseldorf oder Köln kennen, wundern sich, warum bei den Umzügen in Roses oder anderswo so wenig von der Ausgelassenheit  der Festzugsgruppen auf die Zuschauer überspringt. Die Mitglieder der collas wollen die Zuschauer gar nicht animieren oder sich ihnen gegenüber exhibitionistisch  darstellen. In erster Linie wollen sie unter sich feiern und Spaß haben. Kontakt nehmen sie in der Regel mit denen auf, die sie kennen. Die vielen fremden Zuschauer sind willkommen, aber gehören eigentlich nicht dazu, sie sind touristisches Beiwerk.

Niemand soll sich dadurch den Spaß an den prächtigen und farbenfrohen Umzügen verderben lassen. Aber man erlebt auf diese Weise nur einen Teil dessen, was zum Carnaval in Katalonien gehört.

Der Carnaval hierzulande läuft nach einer eigenen „Liturgie“ und bestimmten Ritualen ab, die das Ganze ausmachen.

Am  Abend des „fetten Donnerstag“ zieht „seine Majestät, der Carnestoltes“ ein und ergreift die Herrschaft. Er hält ein „Prego“, eine Ansprache, in der die Zeit der Ausgelassenheit, der Freiheit und der Satire angekündigt wird. Ereignisse und Personen des Ortes werden aufs Korn genommen, was nicht immer Freude bei den Angesprochenen hervorruft. Wegen des Ärgers, den dies oft schafft, ist die Rolle und die Aufgabe des Carnestoltes zu dieser Gelegenheit mancherorts nicht  mehr beliebt und man versucht sie zu ersetzen.

Meist am Freitagabend finden dann die „Rues“, die großen Umzüge, statt, die an darauf folgenden Tagen wiederholt werden. Auch den Kindern räumt man Umzüge ein, die oft in den Schulen vorbereitet werden. Nach den Umzügen treffen sich die Mitglieder der Collas und feiern weiter. Man veranstaltet Bälle - heutzutage auch große Freiluftparties. Auch zu gemeinschaftlichen Essen trifft man sich – in Roses am Montag -, wobei in den einzelnen Orten bestimmte Spezialitäten zubereitet werden, z. B. Escudellas (Suppen mit Einlage) oder Reisgerichte („Arrossada“ in Roses). Ursprünglich waren die Mähler für die Teilnehmer der Collas und ihre Angehörigen gedacht,  kostenlos und alle beteiligten sich bei der Zurichtung. Heute sind aber auch Gäste nach Entrichtung eines Obulus willkommen.

Am Montagabend oder am Dienstag naht dann das Ende der Herrschaft des Carnestoltes.

Er wird feierlich zum Tode verurteilt, verbrannt und beerdigt ( in diesem Fall greift man wieder auf die Puppe zurück). Er hinterlässt ein Testament, das von einem „Notar“ verlesen wird. Wieder wird satirisch Bezug auf alle möglichen örtlichen Geschehnisse genommen.

Traditionell wurde auch zur Beachtung der Fastenzeit aufgerufen. Mancherorts verbindet sich die Verlesung des Testaments mit dem „Enterrament de la Sardina“ am Aschermittwoch

(so vor allem in Orten, wo der Sardinenfang eine Rolle spielte). Dabei wird eine große Papiersardine begraben und werden Sardinen oder Sardellen (aber auch noch süßer Wein) gereicht. Wahrscheinlich hat diese Sitte auch etwas mit den Verzichtleistungen der Fastenzeit zu tun. Man „begräbt“ symbolisch die Köstlichkeiten des Gaumens und der Sinne, ja den ganzen „ alten Adam“.

Ab jetzt herrscht die „Vella Quaresma“,  die katalanisch gekleidete Alte mit dem Bacala (Stockfisch) in der Hand und sieben Füßen, die die Fastenzeit mit ihren sieben Wochen  und die wiederhergestellte „Ordnung“ repräsentiert.

Aber noch ist es nicht soweit! Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim katalanischen Carnaval!