EMPURIABRAVA, 24.05.2017 - 13:50 Uhr

Der Wolf in Katalonien – Mythen und Realität (4)

von Dr. Wolfram Janzen

Fortsetzung von Freitag

Der Wolfsfänger erhielt in den Häusern Gaben. Dann schnitt man dem Tier Pfoten, Ohren, den Kopf ab oder zog ihm das Fell vom Körper. Diese Teile präsentierte der Wolfsfänger den Behörden und kassierte noch einmal eine Belohnung. Ab Ende des 19. Jahrhunderts vergiftete man die Wölfe mit Strichninködern.

Mit der Sesshaftwerdung des Menschen und der damit verbundenen Viehhaltung und Weidewirtschaft  entstand eine Erzfeindschaft zwischen Mensch und Wolf. Insbesondere für Hirten war der Wolf ein Feind.  Aufschluss über Schäden , die der Wolf noch Ende des 19. Jahrhundert an den Herden des Emporda anrichtete und die Bedrohung, die er für diese darstellte, geben Berichte des katalanischen Schriftstellers Carles Bosch de la Trinxera (1831-1897, gest. in Jonquera). Er beschreibt in seinen Jagd- und Wanderberichten ( Records d´un excursionista 1887/ De ma collita 1890) den sommerlichen Zug der Hirten (Transmigration) in die Almen der Pyrenäen.des Ripolles. Beim Auf- und Abzug zählten die Carrabiner von Setcases die Zahl der Tiere. Die Hirten präsentierten beim Abgang die Felle der von Wölfen

gerissenen Schafe und die Zöllner machten regelmäßig „große Augen“ über deren Zahl. Man muss freilich fragen, ob diese Verluste allein auf das Konto der Wölfe gingen. Bosch de la Trinxera erzählt auch von einer Wildschweinjagd in der Gegend des Schlosses von Requesens. Nach ihm gab es dieses Tier damals in Katalonien nur noch in den dichten Wäldern um Requesens. Er berichtet, dass die Wölfe in kalten Wintern von den Bergen kamen, um Wildschweine zu jagen. Es muss sie aber nur noch selten gegeben haben, denn bei der Wildschweinjagd gibt es die Anweisung, dass die Wölfe verschont bleiben sollen..

Die Hirten wehrten die Wölfe mit großen Hunden ab, den Mastins (Pyrenäenhunde). Diese trugen zum Schutz gegen die Bisse der Wölfe breite Stachelhalsbänder. Zum Hüten der Herden wurden übrigens andere Hunde verwendet, die Gossos d´atura, die katalanischen Hütehunde. Man war auch der Meinung, das Spielen der Hirtenflöte schrecke mit ihren schrillen Tönen die Wölfe ab. Überhaupt gibt es viele Erzählungen, in denen berichtet wird, dass Wölfe durch das Spielen von Instrumenten abgeschreckt oder bezähmt wurden. Das erinnert an den antiken Mythos von Orpheus, dem Hirten, der die wilden Tiere durch seinen Gesang und das Spiel der Harfe besänftigte

Wenn Hunde, Gruben und Stöcke nicht zu helfen schienen, griff man auch zu magischen Mitteln. Es gab extra einen Heiligen für diese Fälle, den Sant Llop. In Darnius gibt es die Ermita Sant Esteve del Llop, wohin man wallfahrtete und  den Heiligen um Schutz vor den Wölfen bat.

Aus dem Gebiet von La Selva/Montseny  wird folgende Geschichte erzählt:  Ein Hirt von Sant Llop (Riells - Viabrea) wurde von einem Wolf angegriffen. Er wollte um Hilfe schreien, aber die Stimme versagte ihm. Einem anderen Mann, der ihn gestikulieren sah und ihm zu Hilfe eilte, versagte ebenfalls die Stimme. Beide sahen sich schon verloren, als die Glocke vom nahen Kirchlein Sant Llop ertönte und den „Zauber“ brach. Der Wolf enteilte in den Wald und der Hirt kehrte mit seiner Herde unbeschadet zu seiner Behausung zurück.

Fortsetzung morgen