EMPURIABRAVA, 30.03.2017 - 00:48 Uhr

Der Wolf in Katalonien – Mythen und Realität

von Dr. Wolfram Janzen

Fortsetzung von gestern

Nach Meinung von Naturschützern stellt die Wiederkehr des Wolfes eine Bereicherung der Fauna dar, Wolf und Mensch könnten bei entsprechenden Maßnahmen gut zusammenleben.

Der iberische Wolf – eine Unterart des Wolfes

Die neuen Wölfe Kataloniens sind Immigranten. Sie gehören der Unterart  canis lupus italicus an und stammen ursprünglich aus den Abruzzen. Von dort sind sie über die Alpen und Frankreich nach Katalonien gewandert. Das ist die Meinung von Naturkundlern – obwohl unter pyrenäischen Viehhaltern die Meinung verbreitet ist, die Generalitat habe sie heimlich eingesetzt. Der in Spanien und früher auch in Katalonien heimische Wolf ist der Iberische Wolf,  canis lupus signatus  – genannt nach seiner weißen Zeichnung an der Unterschnauze und schwarzen Streifen über Rücken, Schwanz und Läufe. Heute schätzt man seine Population auf ca. 1500 - 2000 Exemplare, die hauptsächlich im Nordwesten Spaniens, aber auch Portugals, leben, in Galizien, Kastilien und Leon, Asturien. Am dichtesten ist die Wolfpopulation im Naturschutzgebiet der Sierra de la Culebra (Zamora). Es gab übrigens auch noch einen Spanischen Wolf, canis lupus deitanus, den Angel Cabrera in seiner grundlegenden Schrift  „Los Lobos de Espagna“ 1907 beschrieben hat. Cabrera hat ihn wohl noch in der Gegend von Murcia erlebt, heute ist er ausgestorben.

Neuerdings scheint es aber nicht nur den Zuzug von Wölfen nach Katalonien über die französischen Küstengebirge und Garrigues zu geben, sondern auch vom Nordwesten Spaniens über die pyrenäische (Vor-)Gebirgslinie. 2008 wurde in der Cerdanya ein Iberischer Wolf gesichtet. Auch am Canigou fand man Wolfsspuren.

Inzwischen gibt es einen regelrechten „Wolftourismus“ in die Sierra de Culebra ( der von Naturschützern bereits mit Argwohn betrachtet wird). In unserem Bereich führt Galanthus in Celra solche Wolfsexkursionen durch. Unter den touristischen Nutznießern in Zamora ist der Spruch „Ein lebender Wolf ist besser als ein toter“ (in Umkehrung des früheren Wortes) zum Schlagwort geworden. Die Provinzialregierung von Castilla y Leon verkauft eine begrenzte Zahl von Abschüssen an reiche Jäger, für 8000-9000 Euro. Jeder lebende Wolf  bringt aber weit mehr an Einnahmen durch Touristen.

Naturkundler prognostizieren, dass in 10 Jahren der Wolf wieder in den katalanischen Pyrenäen und den Vorgebirgen verbreitet sein wird. Ob dann unsere Wandergruppen in den Alberes wieder Wölfe heulen hören oder gar sichten werden? Vielleicht führe ich dann neben Kulturspaziergängen auch Wolfsexkursionen durch. A ver…

Der Wolf in unserer Region – Geschichte

Im 19. Jahrhundert war der Wolf in den weniger besiedelten und waldreichen Gebieten unserer Region noch weit verbreitet. Die Alberes, die Gavarres, La Selva, Montseny und natürlich die Pyrenäen waren die Rückzugsgebiete.  Der letzte Einfall von Wölfen in den Bergen über Roses geschah 1850 – in einem äußerst kalten Winter. Nach dem Bericht eines Korrespondenten der „Gaceta de Madrid“ übersprangen die Tiere die Steinwälle,  die die Schafherden der Gehöfte Llovatera und Baltra umschlossen  und richteten unter den Augen der hilflosen Bewohner und ihrer Hunde Verheerungen unter dem Viehbestand an. In den Alberes wurde der letzte Wolf 1905 erlegt, zwischen 1910-20 in La Selva, 1926 bei Prades in den nordkatalanischen Pyrenäen.

Fortsetzung morgen