EMPURIABRAVA, 27.03.2017 - 12:42 Uhr

Kommentar: ..und wenn aaner gor nix is’, dann sog’ i halt: Herr Dokter …

Mit diesen Worten beantwortete der Schauspieler Hans Moser vor Jahrzehnten in einem Film als Kellner des Café Sacher in Wien einst die Frage eines Gastes, der darüber erstaunt war, das er offenbar sämtliche  Titel  seiner Gäste zu kennen schien und sie damit ansprechen konnte. Bis in die späten 60iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bestand in Deutschland Titulatur-Pflicht, d.h. jeder Inhaber eines Titels, egal, ob akademisch, adelig, beruflich, oder militärisch, hatte einen einklagbaren Anspruch darauf, mit diesem Titel angesprochen zu werden. Dies wurde in der Folgezeit ebenso abgeschafft, wie die Verpflichtung, über Beruf und Konfession Auskunft geben zu müssen. Ausnahme davon waren und sind die Kirchen und gekrönte Häupter. Dennoch ist es bis auf den heutigen Tag üblich und eine Frage des Respekts, ab einem gewissen gesellschaftlichen Niveau und abhängig von Situation und  Anlass, sein Gegenüber mit seinen Titeln anzusprechen.
Bei Adeligen ist das zuweilen nicht ganz einfach, weil man wissen muss, welcher der meist zahlreichen Vornamen vor dem Titel zu stehen hat.
Rechtlich gesehen gibt es gesetzlich geschützte und unge-schützte Berufsbezeichnungen und Titel.
Akademische Titel – auch wenn sie „h.c.“ d.h. honoris causa, bzw. ehrenhalber verliehen werden - sind per se mit einer „Würde“ verbunden. „Doktor“ ist darüber hinaus ein akademischer Grad, den man sich durch zusätzliche Studienzeiten mit  dazugehörigen Examen und einer sog. Dissertation aus eigener Kraft erwerben muss.
Professor ist – im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung - im rechtlichen Sinne kein akademischer Grad, sondern eine reine Dienstbezeichnung Zum Professor wird man von einem Dienstherrn berufen, der diesen Titel dann verleiht.
Die Führung akademischer Grade ist in Deutschland durch die Hochschulgesetze der Länder geregelt.
Anders, als bei den meisten geschützten Berufsbezeichnungen und Titeln, wo unberechtigtes Führen nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt, ist das unberechtigte Führen eines akademischen Grades gem. § 132a StGB eine Straftat, die ggf. sogar von Freiheitsstrafe bedroht ist.
Im Fall des beim Volk so sehr beliebten Freiherrn zu Guttenberg dürfte das mit aller gebotenen Härte zutreffen.
Zum unberechtigten Führen des Doktortitels, was normalerweise ohne Dissertation geschieht – wird im Falle des Verteidigungsministers wohl noch die Erschleichung des Titels kommen. Jeder Doktorand muss an Eides statt versichern, dass die vorgelegte Dissertationsschrift auf eigenem Mist gewachsen ist, ehe sie überhaupt von der Uni angenommen und zugelassen wird. Wenn dazu noch Plagiat, d.h. der Diebstahl fremden geistigen Eigentums kommt, sind mehrere Straftatbestände gleichzeitig in sog. Tateinheit erfüllt.
Falls der gute Guttenberg sich nicht zum Rücktritt entschliesst, ist die Bundeskanzlerin als seine Dienstherrin gesetzlich verpflichtet, ihn zu entlassen, damit seine Immunität aufgehoben und die von den genannten Gesetzen vorgesehene Strafverfolgung eingeleitet werden kann. Volkes Stimme und die zahllosen Beiträge in den Medien ändern daran nichts.
Es wäre schon schlimm genug und eine Gemeinheit gegenüber allen Kollegen, die ihre Titel korrekt erworben haben, wenn es sich bei Herrn Guttenberg um einen Philosophen, einen Naturwissenschaftler oder gar einen Künstler handeln würde. In diesen und anderen Berufen stehen  rechtliche Normen eher mal weniger weit oben auf dem Verhaltenscodex. Für einen Juristen, der von berufswegen zur Wahrnehmung und zur Durchsetzung bestehender Gesetze mehr als andere verpflichtet ist, sollten Rechtsverletzungen der vorliegenden  Art wirklich tabu sein. Wer sich mit einer derartigen Leiche im Keller trotzdem auf’s politische Parkett wagt, braucht schon eine gewisse Spieler-, oder gar eine Selbstmördernatur. Wer dann noch meint, mit nassforscher Art im Rampenlicht einer Spitzenposition brillieren und sich hervortun zu müssen, macht nicht nur alle, die ihm vertraut und ihn ins Amt gehoben haben zum Deppen, er verliert damit jeden Anspruch auf Loyalität, Respekt und Autorität.
Max