EMPURIABRAVA, 22.10.2017 - 08:23 Uhr

Küstengesetz: Nach uns die Sintflut!

KATALONIEN: Hat sich mal jemand, allen voran der spanische Staat, Gedanken über die mittel- und langfristigen sozialen und urbanen Folgen der Umsetzung des Küstengesetzes Gedanken gemacht?
Von den in staatlichem Besitz befindlichen Objekten, die auf geradezu zynische  Weise – weil staatliches Objekt auf staatlichem Bo-den - von der Anwendung des KüGe verschont bleiben werden, mal abgesehen, wird die entschädigungslose Enteignung, d.h. die Umwandlung von Eigentumsrecht in Nutzungsrecht zu einer Situation führen, die weder aus staatlicher, noch aus umweltschützerischer Sicht beabsichtigt sein kann.
Der menschlichen Natur entsprechend, werden Immobilienbesitzer ab Verlust des Eigentums- und mit Beginn des Nutzungsrechtes darauf verzichten, ihre Immobilie wie bisher instandzuhalten. D.h. dass z.B. sämtliche staatlich geforderten und geförderten Massnahmen wie Wärmedämmung, Solarinstallationen und Stromeinsparungsmassnahmen keinen geneigten Investor mehr finden werden.
Solange die Objekte von ihren vorherigen Eigentümern noch genutzt werden, dürften  kosmetische Instandhaltungsmassnahmen
noch in geringem Umfang zu erwarten sein. Sobald der Zustand der Immobilien unter ein gewisses Niveau gesunken und das Ende der zugestandenen Nutzungsdauer absehbar ist, wird eintreten, was man aus der Vergangenheit zur Genüge kennt: Die Objekte werden in den Händen einer Bevölkerungsgruppe landen, die weder Interesse, noch die Mittel hat, diese instandzuhalten. Einst gepflegte Siedlungen werden zu Slums und Geisterstädten verkommen, Kriminalität und die bekannten Folgeprobleme inklusive. Dem Staat wird teuer zu stehen kommen, dies im Zaum zu halten und er wird dagegen letztlich machtlos sein. Im Gegensatz zu den vormaligen Besitzern, die einen mehr oder weniger geordneten Rückzug angetreten haben, wird die Vertreibung der genannten Bevölkerungsschicht weit weniger problematisch ablaufen. Die dann verbleibenden Ruinen abzureissen und das Gelände zu renaturieren wird erhebliche Summen verschlingen.
Wäre es nicht sinnvoller, sofort Nägel mit Köpfen zu machen, d.h. die Eigentümer fair zu entschädigen, anstatt die Folgen der jetzigen Massnahmen und die sich daraus ergebenden Probleme auf die nächstenn 30 bis 60 Jahre, d.h. auf die nächste  und übernächste Generation zu verschieben?
Denkbar wären auch staatlich subventionierte Umsiedlungsprogramme. Man könnte nach Massgabe des KüGe neue Urbanisationen begründen und fördern, wo der Betrag, der für die Instandhaltung des enteigneten Objekts innerhalb der vorgesehenen 60 Jahre  anfallen würde, zusammen mit einer staatlichen Entschädigung den Erwerb einer neuwertigen Immobilie ermöglicht. Das würde - abgesehen von ideellen und sentimentalen Kriterien, die ohnehin nicht mit Geld aufzuwiegen sind – den Enteigneten eine Perspektive bieten und zudem Arbeitsplätze erhalten, oder sogar schaffen.
Ungeschoren wird, egal auf welche Weise man vorgeht, ohnehin niemand davonkommen, weder der Bürger, noch der Staat. Die ab-schliessende Lösung des Problems in die Zukunft , d.h. auf die kommenden 30 bis 60 Jahre zu verschieben, kann und darf kein Mittel von Politik sein, schon gar nicht, wenn sich diese auf Umweltschutz beruft. Max aus Roses