EMPURIABRAVA, 24.10.2017 - 02:33 Uhr

Die „inneren Werte“ sieht man nicht

Wir sind nicht alle von der Natur gleichermassen ausgestattet, d.h. es gibt schöne und weniger schöne Menschen. Als Äquivalent für äusserliche Defizite werden daher traditionell die sog. inneren Werte, d.h. der Charakter und das gegenüber dem Äusseren angeneh-mer wirkende Wesen ins Feld geführt.

Das mag für den/die Betroffenen selbst in gewisser Weise tröstlich sein, für den Rest der Welt zählt, vor allem ohne das Gegenüber näher zu kennen,  der äussere Schein, d.h. das Aussehen. Zweifelsohne sind diesbezüglich nie da gewesene Auswüchse und Übertreibungen im Hinblick auf Styling und kosmetischen Schnickschnack festzustellen. Es stellt sich dennoch die Frage, ob dies, oder die vermutlich daraus resultierende Gegenbewegung, die zuweilen als „die neue Hässlichkeit“ apostrophiert wird, im täglichen Um-gang erträglicher ist.

Getreu nach Shakespeare sollte „..jeder das sein, was er scheint“. Wer in diesen Tagen an Stränden, auf  Promenaden und in Supermärkten das genannte Zitat auf die ihm über den Weg laufende menschliche Biomasse zu übertragen versucht,

wird allzu häufig bei animalischen Kategorien landen. Es hat wirklich nichts mit Freiheit und Freizügigkeit zu tun und erfüllt im rechtlichen Sinne bereits den Tatbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses, wenn unförmige Monster, egal welchen Alters und welchen Geschlechts in geradezu obszöner Weise ihre figürlichen Defizite mit einer geradezu gnadenlosen Selbstsicherheit öffentlich zur Schau stellen. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das, was man noch vor einer Generation unter „Anstand“ subsummierte verlorengegangen zu sein scheint, ist es eine Zumutung, wenn männliche Exemplare meinen, mit nacktem Oberkörper im Supermarkt einkaufen zu müssen. So manche Vertreterin des sog. schönen Geschlechts“, dem man nachsagt, in Sachen Stil, Mode und Bekleidung den Männern um Lichtjahre voraus zu sein, wird diesem Ruf nicht im geringsten gerecht und scheint sich zur „neuen Hässlichkeit“ zu bekennen, indem sie sich ihrer Figur und ihrem Alter völlig unangemessen, gewagt, unvorteilhaft, ja geradezu abstoss-end in der Öffentlichkeit präsentiert. Das hat nichts mit Natürlichkeit zu tun, das ist schlicht und einfach primitiv, stil- und geschmacklos und lässt die Vermutung zu, dass die „inneren“ Werte ein vergleichbar klägliches Bild abgeben.

Max aus Roses