EMPURIABRAVA, 26.06.2017 - 14:20 Uhr

Achtung! Einsturzgefahr!

Schaut man sich die Deckenkonstruktionen hierzulande näher an, kommt einem das nicht nur spanisch vor, es ist spanisch. Üblicher-weise werden hierzulande Geschossdecken mit sog. Beton-Vigas (eisenbahnschienenartigen Betonträgern) ausgeführt, die im Abstand von 60 cm verlegt werden. Zwischen den Trägern verlegt man vorgefertigte Elemente, d.h. entweder Formsteine, die im wesentlichen aus Luftkammern und etwas Leichtbeton bestehen, oder sog. Bovedillas, d.h. stichbogenartige Streifen. Das Ganze wird dann von oben mit Baustahl armiert und ausbetoniert. Mit dem darauf verlegten Fliesenboden samt seinem Unterbau ergibt sich eine rechnerische Belastbarkeit von ca. 400kg pro Quadratmeter. Bedenkt man, dass z.B. ein Wasserbett ohne seine Benutzer bereits ca. 2 Tonnen (d.h. 500kg/m²) wiegt, oder dass 5 Personen von je 80kg Lebendgewicht auf einem Quadratmeter stehend derartige Konstruktionen an ihre Belastbarkeitsgrenze führen, mag man bei so manchem auf einem Gebäude, oder freitragend konstruierten Parkplatz erst gar nicht darüber nachdenken, ob man sein Fahrzeug beruhigt darauf abstellen kann. Speziell in bergigem Gelände liegende Häuser verfügen in der Regel über derartige Konstruktionen. Häufig findet man auf dieselbe Weise angelegte Wendehämmer an Sackstraßen, wo ein mit Getränken oder Baumaterial beladener LKW ausreicht, um zumindest Schäden anzurichten, wenn nicht den Einsturz zu verursachen. Dazu kommt, dass in der Mehrzahl der Fälle ein qualitativ schlechter und unverdichteter Beton verwendet wurde, der oft schon am zerbröseln ist. So dringt Feuchtigkeit in die Konstruktion ein und zerstört die Armierung. Bei älteren Konstruktionen besteht darüber hinaus die Gefahr der sog. Aluminose, d.h. das seinerzeit dem Zement beigemischte Aluminium oxidiert und zerstört die Bindekraft und damit die Tragfähigkeit von Beton und Beton-Vigas. Selbst nur von PKWs befahrbare Parkplätze müssen gem. den gültigen Vorschriften mit mindestens 750kg/m² belastbar, d.h. doppelt so massiv und tragfähig wie eine Wohnhaus-Geschossdecke ausgeführt  sein. Meist ist dies aber nicht der Fall.

Unverständlicher-, ja geradezu verantwortungsloserweise kümmern sich weder die Baubehörden, noch das Ordnungsamt darum und nehmen diese Missstände billigend in Kauf.  Weder eine entsprechende Beschilderung, noch  eine Verweigerung der Abnahme sorgen dafür, derartige Risiken zu vermeiden, oder wenigstens durch Beschilderung erkennbar zu machen. Solange nichts passiert, scheint auch behördlicherseits nichts zu passieren. Im Schadensfall wird die Suche nach den Schuldigen mehr Zeit und Geld verschlingen, als eine sofortige Feststellung und Sanierung. Max aus Roses