EMPURIABRAVA, 24.10.2017 - 02:31 Uhr

Kommentar: Katalanische Eselei

von Max aus Roses

Mit der Geschichte und Bedeutung der Wappen und der Wappentiere befasst sich die sog. „Heraldik“. Symbole für Herrscher und deren Völker sind so alt wie die Menschheit. Meist stehen die Motive in Bezug zu Herkunft, Landschaft, Beruf und Namen.

Über Wappentiere finden Fähigkeiten und Eigenschaften ihren Ausdruck, über die jemand verfügt, bzw. die der Betreffende sich gerne zuschreiben möchte. Daher werden vor allem kraftvolle, mächtige, gefährliche, auch schlaue und endemisch vorkommende Tiere (z.B. der Kiwi für Australien) für die Selbstdarstellung bevorzugt. Löwen, Tiger, Schlangen und vor allem Adler und Falken haben sich am weitesten verbreitet. Der Adel bediente sich traditionell  und bevorzugt des gefiederten Fluggetiers, weil z.B. die Jagd mit dem Falken dem Adel vorbehalten und dem Rest der Welt bei Strafe verboten war.  ( Bis zum heutigen Tag ist z.B. die Jagd auf Schwäne in Enland der königlichen Familie vorbehalten). Darüberhinaus war fliegen lange Zeit ein Wunschtraum des Menschen, um sich über die irdischen Widernisse zu erheben. Fliegen war und ist ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Der Adler steht für diese Werte und verkörpert zudem die von „oben“ kommende Macht. In diesem Zusammenhang gibt es eine nette Anekdote, warum unsere französischen Nachbarn keinen Adler, sondern einen  Hahn als nationales Wappentier haben: „ Es ist der einzige Vogel, der immer noch laut schreit, selbst wenn er einen halben Meter tief in der Scheisse steht“ (der Ausspruch stammt übrigens von einem Franzosen selbst).

Wenn dem spanischen Stier Agressivität zugeschrieben wird, ist dies nur ein Teil der Wahrheit und genau genommen sogar falsch. Der Stier war schon im Altertum ein Symbol für Kraft, Wehrhaftigkeit und Fruchtbarkeit.

Dass ein gereizter Stier aggressiv wird, unterscheidet ihn nicht von anderen Tieren und trifft auch auf den Menschen zu. Das Wappentier und Symbol der Automarke Lamborghini ist ein schnaubender, zum Angriff bereiter Stier als Ausdruck der überlegenen Kraftentfaltung der Sportwagen aus diesem Hause. Man muss schon ein besonders weichgespülter Warmduscher sein, um derartige Symbole nur negativ zu besetzen und im Falle Spaniens – wo der Stier unabhängig von politischen Konstellationen von tradioneller Bedeutung ist – zentralistische Unterdrückung damit in Verbindung zu bringen. Die Geschichte von Don Quijote, in der dem Esel zusammen mit seinem Reiter Sancho Pansa sowohl eine gewisse  Sturheit und Beratungsresistenz,als auch eine fast schon philosophisch anmutende Naivität und praktische Intelligenz, ja eine Bauernschläue zugeschrieben wird, mag für den katalanischen Charakter nicht ganz untypisch sein. Sich für den Esel als Nationaltier zu entscheiden erfordert ein gerüttelt Mass an Selbsterkenntnis und Selbstironie, das man den Katalanen gar nicht so ohne weiteres zutrauen möchte. Ob man den Esel auf die Stufe mit anderen Wappentieren stellen kann, bleibt zumindest aus heraldischer Sicht fraglich. Er ist eher eine kabarettistische, als eine zivilisierte Antwort auf vermeintlich kraftmeierisches Geprotze des spanischen Stiers. Aus dieser Perspektive könnte man auch den musikalischen Vergleich zwischen der als katalanisch geltenden Sardana - die in gewisser Weise an den Stil einer nicht ganz nüchternen Feuerwehrkapelle erinnert - und dem kraftvollen spanischen Flamenco ziehen. Die stilistischen Analogien würden dazu recht gut passen. Wenn die katalanischen Riesen-Esel denn wirklich grösser sein sollten, als andere weltweit nachweisbare Exemplare, deckt sich dies mit Erfahrungen, die man hierzulande machen kann und nährt berechtigte Zweifel an der Behauptung, dass es nur noch 300 von ihnen gebe.