EMPURIABRAVA, 23.03.2017 - 09:25 Uhr

Kommentar: Alle Wege führen nach Rom – auf den Puig Rom führt keiner

von Max aus Roses

Es gibt sie noch, die sich beharrlich der motorisierten Fortbewegung  verweigernde Spezies des „homo erectus per pedes“, den gemeinen Fußgänger und Wanderer.

Der aufrechte Gang und die damit mögliche Fortbewegung war dereinst eine Art Quantensprung in der Entwicklung der hominiden, d.h. der menschenartigen Kreaturen in Richtung des modernen Menschen.  Ob es eher seine ihm bis heute innewohnende Veranlagung zu einer gewissen Faulheit, oder der sich zuweilen als fragwürdig erweisende menschliche Erfindergeist war, der zur Entstehung des Rades geführt hat, ist ungeklärt. Fest steht allerdings, daß der Mensch fortan damit beschäftigt war, seine Pfade für das Rad benutzbar zu machen, d.h. befahrbare Wege und Strassen zu baun. Diesem Trend folgend wurde der rosanische Puig Rom mit Fahr-bahnen erschlossen, an die sich die Behausungen des modernen Menschen reihen. Daß die seinerzeitigen Planungsväter noch einer Fußgängerge-neration entstammten, zeigen die - in manchen Lageplänen noch erkennbar -  vorgesehenen Treppen und Wege, die dem Fußgänger das bergige Terrain erschließen sollten. Den Begründern der Urbanisation, von denen sich mancher auch in einflussreicher urbaner Position befunden haben dürfte, schien es wohl mehr auf den Transport von Baumaterial, als auf die Fortbewegung zu Fuß anzukommen, weshalb die peatonalen Erfordernisse zurückgestellt und die Treppen und Wege nie gebaut wurden. Den politischen und wirtschaft-lichen Umständen in der Entstehungsphase geschuldet fielen die Transportwege sowohl  qualitativ,  als  auch bezüglich ihrer Breite und im Blick auf zukünftig zu erwartende Frequentierung wenig vorausschauend, d.h. zum Teil recht schmal  aus. Zu dieser Zeit hat wohl auch noch niemand an irgendwelche tonnenschweren Bimmelbähnchen gedacht, die sich zwischen windschief gekrümmten hölzernen Strommasten und unter unsäglich verzwirbelten Leitungen hindruchzwängen, um ihre fuß lahmen Fahrgäste auf den Berg zu befördern und ihnen in fast allen Sprachen der zivilisierten Welt den Blick über die Bucht und auf die mediterranen Bausünden zu erklären. Das physikalische Gesetz der sog. kommunizierenden Gefäße fand beim Wegebau insofern Anwendung, als sich bergabführende Fahrbahnen bei Starkregen infolge von allen Seiten einströmenden Nieder-  schlages in kleine Sturzbäche und Flüsse verwandeln, was zwar eine zügige Abführung des sog. Oberflächenwassers bedeutet, die Benutzbarkeit der Verkehrswege jedoch erheblich einschränkt und zudem mit geröllartigen Hinterlassenschaften auf den Fahrbahnen verbunden ist. Bezüglich des Parkraumes ging man in einer Zeit, als die Autobegeisterung noch ungebremst wütete, wohl davon aus, daß die Fahrzeuge überwiegend bewegt und nur im Ausnahmefall abgestellt werden. Demzufolge hat man bei der Planung auf ausreichenden Parkraum weitgehend verzichtet und im Gegenzug abenteuerlich steile und für manches Fahrzeug kaum zu bewältigende Ein-fahrten vorgesehen und gebaut. Allein die damals allerdings noch nicht abzusehende Verbreitung von allradgetriebenen Fahrzeugen hat dieses Problem etwas entschärft.

Für den sich auf beiden Beinen fortbewegenden Fußgänger hingegen hat sich die Lage nicht verbessert. Im Gegenteil, das Vorhaben, den Puig Rom per pedes zu erklimmen erfordert neben entsprechender körperlicher Verfassung ein gerüttelt Maß an Gott-vertrauen und Geistes-gegenwart, da Gehsteige – obwohl mit 1m Breite in der Bauordnung vorgesehen – so gut wie nirgends, schon gar nicht an unübersichtlichen und gefährlichen Stellen vor- handen sind. Der aufrecht gehende Mensch wird von den motorisierten Verkehrsteilnehmern ohnehin meist als störend empfunden, an der Pujada al Puig Rom – der Auffahrt zu selbigem – muß er sich zudem auf dem vom Gesetzgeber dem Fahrzeugverkehr zugeteilten Raum, d.h. quasi in fremdem Revier bewegen. Dies ist dem sein Premiumklasse-Fahrzeug pilotierenden Besitzer einer Villa auf dem Puig Rom mehr als ein Dorn im Auge und scheint ihn ab und an zu veranlassen, dem lästigen Fußvolk mit besonders forscher Fahrweise zu begegnen, um dies als unangenehmes, ja als  lebensgefährliches Erlebnis zu verankern. Der damit verbundenen Hoffnung, der moderne Mensch möge sich entweder einer adäquaten, d.h. motorisierten Fortbewegung bedienen, oder gleich zuhause bleiben, scheint sich eine zähe Minderheit an Fußgängern dennoch starrköpfig zu widersetzen, wohl wissend, daß ihnen dasselbe Schicksal wie den fast täglich auf dieser Strecke plattgefahrenen Tieren droht. Gäbe es den ordnungspolitschen Willen und den planerischen Sachverstand, wären Parkraumproblem, Ver- kehrsberuhigung und sichere Gehwege gleichzeitig und auf einen Schlag zu realisieren.