EMPURIABRAVA, 24.10.2017 - 02:33 Uhr

Kommentar: Sant Pere Pescador - Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Einsicht

von Max aus Roses

Rein beschilderungs-technisch scheint San Pere Pescador eine Sonderstellung in der Region einzunehmen.

Von Castelló kommend fehlt seit geraumer Zeit das Ortsschild, d.h. für den Autofahrer ist nicht klar ersichtlich, ob und wo genau der Ort anfängt und ob und ab wo er die Geschwindigkeit seines Gefährts auf den innerorts vorgeschriebenen Wert absenken soll.

Als vielfaches Äquivalent für diesen Mangel – im August 2009 unter „ein Land im Schilderwahn“ in ARENA bereits auf’s Korn genommen – ist  jede von einem Feld an die Straße grenzende Fuhre mit einem STOP-Schild versehen, um den von seiner Scholle auf öffentlichen Grund und Boden ausfahrenden Landmann zu pflichtgemäßem Anhalten zu veranlassen.

Inwieweit dies tatsächlich zu vorschriftsmäßem Ein-biegen landwirtschaftlicher Fahrzeuge führt, wurde bislang nicht näher untersucht. Augenscheinlich ist derlei Beschilderung jedoch bei der ins Auge gefaßten Zielgruppe nicht sonderlich beliebt, was zahlreiche umgefah-rene und samt ihren Fundamenten entwurzelte Gebotstafeln dokumentieren. Lediglich diejenigen Schilder, hinter denen sich statt einer Ausfahrt ein Zaun befindet, sind diesem Schicksal bislang erfolgreich  entgangen.

Vor etwa 10 Jahren wurde als Alternative zu der viel zu schmalen Brücke über die Fluviá eine Planung veröffentlicht, die an einer weiter flußab-wärts gelegenen Stelle eine großzügige Neukonstruktion in Verbindung mit einer ebenso großzügigen Umfahrung des Ortes vorsah. Aus welchen Gründen auch immer hat man sich offenbar zu einer etwas bescheideneren Lösung entschlossen und das betagte Bauwerk so gut es ging in Stand gesetzt.

Da das Ziel, dem sich durch den Ort zwängenden Schwerlastverkehr die Überquerung der Brücke auch bei Gegenverkehr zu ermöglichen konstruktiv aufwendig und ordungspolitisch unerwünscht war, hat man  die zulässige Fahrzeugbreite von höherer Stelle aus per  offenbar einseitigem Verwaltungsakt auf 2,30m verschmälert. Das bedeutet für das als lokale Schlüsselbauwerk, daß es  von den meisten landwirtschaftlichen Fahrzeugen, von Wohnwagengespannen, Wohnmobilen, Bussen und LKWs nicht mehr befahren werden darf. Ob die vom darüber erbosten Bürgermeister abgedeckten und damit außer Kraft gesetzten Schilder von höherer Stelle als unberechtigter Eingriff in das Verkehrsgeschehen betrachtet werden und welche Auswirkungen das auf die Kommunikation zwischen „oben“ und „unten“ haben wird, bleibt abzuwarten. Eine zwar wenig visionäre, jedoch einfache und zur Zufriedenheit aller führende Maßnahme wäre, den Verkehr auf der Brücke über Ampeln zu regeln, so daß das Bauwerk  jeweils wechselnd in einer Fahrtrichtung befahren werden kann. Da es dafür vermutlich keinen Zuschuß aus dem EU-Topf geben dürfte, könnte man ja alternativ über die Verlegung des Kreisverkehrs von hinter der Brücke direkt auf die Brücke nachdenken.