EMPURIABRAVA, 26.06.2017 - 14:19 Uhr

Kommentar: Urbi et morbi(s)

von Max aus Roses

Lateiner mögen den grammatikalischen Fehler zugunsten der Wortspielerei bitte verzeihen.

Wenn ein Sprecher des Vatikan vor dem Hinter-grund ständig wachsender Zahlen Betroffener von körperlichem und vor allem sexuellem Mißbrauchs durch Gottesmänner dazu rät „dem Geschwätz kein Gewicht beizumessen“, dann über-schreitet dies nicht nur die Grenze des Erträglichen, es verhöhnt die Opfer geradezu und ist längst fälliger Anlaß, sowohl das Dogma, als auch die klerikale Praxis kritisch zu beleuchten.

Wenn die päpstlichen Edikte trotz Ermangelung göttlicher Allwissenheit den Anspruch auf Unfehlbarkeit erheben, scheint in diesem Fall das Wissen die Unfehlbarkeit zu dominieren.

Schlimm genug, daß Lehrer und Erzieher sich an „Schutzbefohlenen“ vergriffen haben, Gottesmänner und damit die höchste moralische Instanz hat ihre Glaubwürdigkeit und Autorität verloren, wenn sich ihr Vorturner nicht sofort, mit aller Deutlichkeit und gebotenen Schärfe zu diesen Vorgängen äußert und die nötigen Konsequenzen zu ziehen bereit ist.  Statt eines „runden Tisches“ wäre dies die sofortige Suspendierung, d.h. Entfernung aus dem Amt und die Exkom-munizierung der Täter mit Verzicht auf die Wahrnehmung von Verjährungsfristen, da Verjährung von Sünden im Dogma nicht verankert ist.

In der Politik würde die sog. politische Hygiene von einer Führungspersönlichkeit, bzw. dem obersten Dienstherrn, bei vergleichbaren Vor-fällen neben den strafrechtlichen Konsequenzen für die Täter den Rücktritt verlangen.

Die klerikale Hygiene scheint im Verlauf der letzten eineinhalb Jahrtausende in der Folge von schwersten Verfehlungen gegen das eigene Dogma, gegen die Menschlichkeit und gegen bestehende Gesetze gänzlich auf der Strecke geblieben zu sein, so sie denn jemals wirklich existiert hat.

Der Papst könnte und sollte jetzt die Flucht nach vorne antreten, indem er den Anstoß dazu gibt, das christliche Dogma von archaischen Werten und Altlasten zu befreien und die geradezu sadistsichen Elemente der Lehre zu überwinden, auf denen die in Rede stehenden Vorkommnisse letztlich beruhen. Der diesjährige „urbi et orbi“ war die Zeit nicht wert, die zu verkünden er in Anspruch nahm.