EMPURIABRAVA, 26.06.2017 - 14:17 Uhr

Vorschriften müssen keinen Sinn machen - sie müssen eingehalten werden

von Max aus Roses

Hierzulande herrscht die Vorschrift, daß man für den Anschluß an das Versorgungsnetz genau so viele Bescheinig-ungen und Doku-mente braucht, wie für den Kauf einer Immobilie selbst. Man braucht neben einem Kauf- oder Mietvertrag, eine Meldebescheinigung und eine Steuernummer, den Paß und eine cedula de habitabilidad, d.h. eine Bewohnbarkeitsbescheini- gung  und sog. Bulletins, d.h. Bescheinigungen eines Handwerksbetriebes, daß  haustechnische Installationen den gültigen Vorschriften entsprechen. Erstere kann nur ein eingetragener Architekt ausstellen, letztere zugelassene Hand- werksbetriebe.

Die Bewohnbarkeits- Bescheinigung gilt max. 15 Jahre, muß allerdings bei jeder Vermietung, einem tiefgreifenden Umbau oder Verkauf neu ausgestellt und vorgelegt werden. 

Da dies in der Vergangenheit recht lässig gehandhabt und nicht kontrolliert wurde, laufen viele Verträge mit den Versorgungsunternehmen noch auf den Namen früherer und in vielen Fällen bereits verstorbener Vorbesitzer einer Immobilie.

Wer nun als neuer Besitzer oder Mieter möchte, daß er nicht regelmäßig Post auf den Namen einer ihm völlig unbekannten Person  in seinem Briefkasten hat und dies ändern möchte, muß erfahren, daß dies nur der seinerzeitige Antragsteller persönlich kann. Wenn dieser nicht, oder nicht mehr auffindbar ist, bleibt alles, wie es ist. So ist die Vorschrift.

Obwohl seit Jahrzehnten in Europa abgeschafft, ist die grüne Versicherungskarte hierzulande für im europäischen Ausland zugelassen Fahrzeuge ein Muß. Wer sie bei einer Kontrolle nicht vorlegen kann, läuft Gefahr, daß er sein Auto an Ort und Stelle stehen lassen muß, bis er die Karte vorzeigen kann. Daß so manches Fahrzeug mit abgelaufenem Exportkennzeichen oder gar ganz entstempelt über Spaniens Straßen rollt, stört dabei eher weniger. So ist die Vorschrift.

Bei einem Einbruch, und sei der Ort der Tat noch so weit vom nächsten Revier der Mossos entfernt, muß der erstaunte Bürger lernen, daß gem. hiesiger Vorschrift nicht die Polizei zum Tatort, sondern der Geschädigte  zur Polizei zu kommen hat, um das Protokoll aufnehmen zu lassen.

Der Ort des Geschehens muß dabei unberührt, d.h. die aufgebrochenen Türen oder Fenster offen bleiben und es verwundert eigentlich, daß dies in Einbrecherkreisen nicht längst dazu geführt hat, während des Aufenthalts des Geschädigten bei der Polizei das Objekt nicht noch weiter und ungestört auszuräumen.

Noch weniger, als sich hierzulande Behörden als Dienstleister betrachten, tun dies die Banken.

Wer sich erdreistet, an einem ihm passend erscheinenden Tag und zu einer ihm genehmen Tageszeit eine Strom-,Telefon- oder Wasser- rechnung bezahlen zu wollen, dem wird in Form von diversen  schriftlichen Hinweisen und am Schalter verbal klar gemacht, daß es dafür streng vorgeschriebene Tage und an diesen darüberhinaus einzuhaltende Zeitfenster gibt. Auf Nachfrage, welcher Sinn sich dahinter verstecke, erfährt man erwartungsgemäß, es sei eben so Vorschrift.