EMPURIABRAVA, 21.08.2017 - 12:13 Uhr

Kommentar: vox populi

von Max aus Roses

Es gibt gute Gründe, warum „Volkes Stimme“ nicht immer und zu jedem Thema gehört und beachtet   werden kann. Der wichtigste  ist,  daß der sog. Mann auf der Straße eben von vielem nichts, oder viel zu wenig versteht, um mitreden, oder gar mitentscheiden zu können.

Wer niemals die Gelegenheit hatte, in einem Tower, oder einem Simulator   zu  erleben und zu sehen, was Fluglotsen tun und leisten müs-sen, der sollte sich an der Diskussion über die Bezahlung dieser Tätigkeit erst gar nicht beteiligen.

Wer zu diesem Thema den Mann auf der Straße befragt, der könnte genau so gut einen Hut zum Fenster hinauswerfen und davon ein Ergebnis ableiten.

Die Herren Politiker, gleich welcher Couleur, sollten schon gar nicht mit Steinen werfen, weil sie selbst im Glashaus sitzen und im Gegensatz zu Fluglotsen die Möglichkeit haben, die Höhe  ihrer Bezüge selbst zu bestimmen.

Ein Herr José Blanco würde – so er denn überhaupt die für einen Fluglotsen erforderlichen mentalen und physischen Fähigkeiten und Qualifikationen mitbrächte – vermutlich nach 5 Minuten zusammenbrechen und hunderte Menschen in den sicheren Tod schicken.

Selbst ein Mechaniker, der mit der Wartung von Flugzeugen beschäftigt ist, trägt mehr unmittelbare  Verantwortung für Menschen und Menschenleben, als jeder Politiker und Wirtschaftsführer – vom Mann auf der Straße erst gar nicht zu reden.  Der Vergleich mit der Verantwortung von Wirtschaftsführern hinkt schon deshalb, weil die unmittellbaren, sofort eintretenden und unkorrigierbaren Wirkungen  eines Fluglotsenfehlers in keiner Weise mit den Konsequenzen einer wirtschaftlichen Fehlentscheidung vergleichbar sind. Wie man weiß, werden Wirtschaftsführer sogar noch für begangene Fehler belohnt. Wenn sich Herr Blanco auf die Suche nach Verantwortlichen für die Wirtschaftskrise begeben will und nach Möglichkeiten sucht, Kosten einzusparen, soll er in den eigenen Reihen beginnen, Banker nicht vergessen und den Mut aufbringen, die Bezüge von Politikern, die in den Vor-ständen von Konzernen alleine durch ihren schmückenden Namen ein Vielfaches der Fluglotsengehälter als Zubrot zu ihrer staatlichen Entlohnung einstreichen, unter die Lupe zu nehmen.

Der Feldzug des Herrn Blanco ist nichts weiter als ein fadenscheiniger populistischer Schachzug, um von eigenen Versäumnissen abzulenken und sich beim „Volk“ auf billige Art und Weise ins rechte Licht zu rücken.

Im Gegensatz zur fast unüberschaubar großen Anzahl von Politikern, die dem Staat auf der Tasche liegen und nicht immer Großes  leisten, handelt es sich bei den Fluglotsen um eine vergleichsweise kleine Zahl von Spezialisten die nachweis- und nachprüfbar und permanent unverzichtbar Wichtiges abliefern. Wenn ein Ministerpräsident weniger als ein Fluglotse verdient, mag das auch daran liegen, daß er mehr „Helfer“ und „Wasserträger“ braucht, um seinen Job zu machen und nicht vom Stuhl zu kippen. Rechnet man deren Bezüge dazu, sind Fluglotsen schlecht bezahlte Leute.