EMPURIABRAVA, 31.10.2014 - 20:03 Uhr

Aufsehenerregendes Immobilienurteil in Spanien

NAVARRA  / SPANIEN: In Navarra auf dem spanischen Festland hat sich etwas zugetragen wo von viele Immobilienbesitzer in Spanien vergeblich träumen. Ein Schuldner gewinnt gegen die Bank BBVA. In diesem konkreten Fall handelt es sich um den 47-jährigen J.A.L. Arróniz, dem es 2009 nicht mehr möglich war die Hypothek auf sein Häuschen zu bedienen. „Meine Monatsraten betrugen 450 Euro. Der Kreditvertrag lief seit 2006 ohne Probleme. Dann kam es zu beruflichen Schwierigkeiten, und zudem musste ich gleich drei teure Reparaturen an meinem Auto vornehmen lassen. Dadurch kam 2009 das Aus“, erzählte er dem Wirtschaftsjournal „Cotizalia“.
Die Konsequenz nach zwei geplatzten Monatsraten, war die Einleitung eines Versteigerungstermins. Das Haus wurde weit unter Marktwert verkauft, und so blieben für José Antonio noch 28.000 Euro Schulden stehen. Dagegen klagte er und gewann. Das oberste Provinzgericht hat das Urteil nun bestätigt, und damit ist es rechtskräftig. José Antonio muss die Differenz nicht zahlen. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem: „Die Bank selbst hat das Wertgutachten erstellt. Die Tatsache, dass sie nun unter Preis verkauft hat, kann nicht dem Schuldner zur Last gelegt werden“. Dieses Urteil ist sensationell und macht vielen Kreditnehmern Hoffnung. Doch Vorsicht: Man sollte sich nicht zu früh freuen, denn  Experten warnen. Das Urteil widerspricht eigentlich dem spanischen Recht. Die Richter begründeten unter anderem,  dass man die Rechtsprechung der Realität anpassen und im Einzelfall entschieden werden müsse.
In den USA ist dieses Geschäftsgebaren übrigens gang und gäbe. Wer die Hypothek für eine Immobilie nicht mehr bezahlen kann, übergibt der Bank den Schlüssel und die Papiere und damit sind alle Schulden automatisch getilgt. Dieses System würden sich viele Kreditnehmer auch für Spanien wünschen. Doch so weit ist es noch nicht, obwohl das Urteil diese Hoffnung nährt.

Kein Präzedenzfall
„Aus moralischer Sicht ist dieses Urteil anerkennenswert, aber ich glaube nicht, dass andere Richter es wagen werden, ebenso zu urteilen“, mahnt Luis María Grande, der Immobilienexperte von Ernst & Young Abogados. Tatsächlich widerspräche es dem spanischen Hypotheken-System und dessen Grundprinzip. Demnach muss der Schuldner für die Deckung des Kredits haften. Verliert er eine Immobilie, muss die verbleibende Differenz mit dem Erlös aus anderen Immobilien oder durch weitere Ratenzahlungen getilgt werden. Kein Wunder, dass das Urteil in Bankkreisen für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt hat. Allein in den Jahren 2009 und 2010 seien in Spanien circa 240.000 Immobilien an die Banken und die Kreditinstitute zurückgefallen.  In den meisten Fällen urteilten die Richter, dass der Schuldner mit seinem Einkommen oder mit anderen Immobilien für die nach einer Versteigerung verbleibende Kredithöhe haften müsse. Ein Urteil, wie es in Navarra gefällt wurde, ist daher das Horrorszenario für jede Bank. Dennoch gehen die Experten davon aus, dass es sich um eine isolierte Entscheidung in einem Einzelfall handelte, die weit davon entfernt ist, gängiger Usus in Spanien zu werden. Zwar hat ein Komitee der spanischen Regierung im Dezember letzten Jahres über mögliche Änderungen im Immobilien-Hypotheken-Gesetz beraten, aber derzeit sind noch keine offiziellen Neuregelungen in Sicht. Experten gehen davon aus, dass es sich auch nur um geringfügige Reformen handeln wird. Keinesfalls glauben sie, dass das Urteil zu einer Umwälzung der Gesetze in großem Ausmaß  führen wird.

Tausende verloren ihre Häuser
Auch auf den Kanaren wurde 2010 ein Alptraum vieler Immobilienbesitzer Realität: sie verloren ihre Häuser, weil sie die Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. Bis Ende September fielen 3.618 Immobilien zurück an die Bank. Damit zählen die Kanaren zu den traurigen Spitzenreitern bei geplatzten Finanzierungen in Spanien. Sie werden nur noch von Andalusien, Katalonien, Valencia, Madrid und Castilla-La Mancha übertroffen.
Obwohl die Zahlen schon etwas besser sind als noch 2009, als in jedem Quartal rund 1.500 Häuser und Wohnungen von den Banken einkassiert wurden, haben sich die Zahlen im Vergleich zur Zeit vor der Krise ungefähr vervierfacht. Diese Tendenz ist eine direkte Konsequenz der anhaltenden Arbeitslosigkeit auf dem Archipel. Mit rund 260.000 Arbeitslosen bewegt sie sich seit Monaten auf einem hohen Niveau. Enteignungsprozesse an sich dauern einige Monate und können, je nach Finanzinstitut, nach einer bis drei ausgefallenen Ratenzahlungen angestrebt werden.
Die Vermittlungsagentur für Bankprodukte schätzt die Zahl der beschlagnahmten Immobilien zum Jahresende landesweit auf rund 118.000 Immobilien. Das Überangebot am Immobilienmarkt, gepaart mit der hohen Arbeitslosenquote macht es Eigentümern auch nicht gerade leicht, ihren Besitz zu verkaufen. Ein Ausweg, der außerhalb der Krisenzeit, oft die Rettung war, endet nun in einer Sackgasse. Dennoch raten Verbraucherverbände bei Zahlungsschwierigkeiten das Gespräch mit den Banken zu suchen und neue Konditionen auszuhandeln. Die Kreditinstitute säßen jetzt schon auf einer Vielzahl von Immobilien und seien meistens nicht daran interessiert, diesen Stock noch weiter anwachsen zu lassen. Verhandlungen könnten demnach für beide Seiten, Gläubiger und Schuldner, interessant sein. Die Situation bei den Hypothekenverträgen deckt sich übrigens mit den normalen Verbraucherkrediten. Bis Oktober waren etwa 5,66 Prozent aller Kreditnehmer nicht mehr zahlungsfähig.
Quelle: www.comprendes.de / Kanarenexpress

Dienstag 01. März 2011 01.03.11 07:02

          

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