EMPURIABRAVA, 15.12.2018 - 13:22 Uhr

Harry Pahl vom Restaurant „Die Insel“ wird heute 65

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN: Ansehen tut man es ihm eigentlich nicht – die 65 Jahre, die er heute, den 27. Juli vollmacht. Die Rede ist von Harry Pahl, seineszeichens Eigentümer des Restaurants „Die Insel“ in Roses.

Eigentlich war Harry schon immer hier – zumindest dem Gefühl nach – und tatsächlich ist er schon 1976 in die Region gekommen, also vor gut 42 Jahren und damals noch quasi als Jungspund. Der aus Hohenlohe in Württemberg stammende Schwabe-Franke-Bayer (als solch einen Mischmasch bezeichnet er sich selber) machte damals nicht lange rum und kaufte kurzentschlossen 1978 das Restaurant „Die Insel“, das 1972 von einem Deutschen eröffnet wurde.

Woher der Name Insel kommt, erklärte uns Harry kurz. „Der Laden war damals tatsächlich so etwas wie eine Insel. Zum einen, weil man dort Anfang der 70er-Jahre deutsches Essen bekam, was damals noch nicht so üblich war und viele Germanen meinten, dass das Lokal wie eine Insel und gleichbedeutend damit eine „Rettung“ darstellte. Zum anderen lag der Laden damals in der Strasse recht alleine da und weder links noch rechts noch gegenüber war etwas gebaut und das Gebäude ragte wie eine Insel aus dem Zentrum von Roses hervor.“

Jedenfalls eröffnete Harry den ein Jahr zuvor erworbenen Laden zusammen mit seiner Frau Chonny im Jahr 1979 und der gelernte Koch legte von Anfang an sehr viel Wert auf ein gediegenes Interieur und vor allem auf gepflegte Speisen, die weit über dem Durchschnitt des sonst Angebotenen lagen und noch liegen. Dieses Konzept gab ihm Recht und der Erfolg stellte sich fast umgehend ein. „Die Insel“ brummte und wurde nicht nur von den Deutschen besucht, sondern mehr und mehr auch von den einheimischen Katalanen, Spaniern und Franzosen.

Die exzellente Küche sprach sich schnell herum und mit dem Zuwachs an Kunden konnte auch der Laden nach und nach erweitert werden.

Bis heute zählt für Harry Pahl nur eines: Frische. Ihm kommen keine Tiefkühlsachen im die Küche und Dosen (bis auf ganz wenige Ausnahmen, die man aber an einer Hand abzählen kann) erst recht nicht. Täglich besucht er persönlich die Gemüse- und Obsthändler sowie den Fischmarkt. Ist keine Saison für ein spezielles Produkt, wird dies woanders geordert und sogar aus Frankreich kommt einmal die Woche ein LKW mit den leckersten Zutaten und Rohstoffen.

Dies alles erfordert eine Menge Zeit und kostet natürlich auch wesentlich mehr als im normalen Laden, aber das Resultat stimmt und diese Mühe und vor allem die Achtsamkeit auf Qualität und Frische wird honoriert. Und mal ehrlich: in der „Insel“ schmeckt es einfach und es ist dabei völlig egal, was man bestellt.

Wichtig zum Abrunden eines Mahls sind natürlich auch die Getränke. „Die Insel“ verfügt über einen geradezu sensationellen Weinkeller und vom einfachen Tischwein bis hin zum viele hundert Euro teuren Rebensaft findet sich alles, was man sich nur wünschen kann.

Für die Freunde des Gerstensaftes wird Radeberger Pils ausgeschenkt und dann gibt es noch etwas (oder gab es zumindest): Schnaps vom Opa. So bezeichnete Harry immer einen selbstgebrannten Obstler (selbstverständlich nicht von ihm hergestellt) aus Mirabelle, Kirsche, Birne und… oder… und. Wo das Gebräu nun tatsächlich herstammte, bleibt ein Geheimnis, aber superlecker war es immer. Da der Verfasser dieser Zeilen keinen Alkohol mehr trinkt, kann auch nicht zu 100% gesagt werden, ob es „Opas Schnaps“ noch gibt – aber eigentlich sollte noch das eine oder andere Fläschchen irgend- wo verstaubt gelagert sein.

Manchmal findet man Harry selber - meist zu später Stunde - relaxt und nach einem langen Tag zur Ruhe kommend an einem Tisch im Restaurant. Es ist immer wieder ein Erlebnis, ihn von alten und manchmal auch neuen Zeiten erzählen zu hören und sein „Archiv“ an Geschichten aus der Region, vom Lokal oder über Personen ist schier unerschöpflich. Man könnte Nächtelang zuhören und es würde nie langweilig werden.

Wie sieht denn die Zukunft von Harry Pahl und der Insel bzw. Harrys Bar aus? Mit 65 muss man sich schliesslich Gedanken darüber machen und wie uns Harry verriet, hat er schon einiges an Plänen in der Hinterhand.

Im Moment der allgemein mässigen Zeiten ist das Führen eines Restaurants alles andere als einfach und im Fall der „Insel“ sogar noch schwerer, da im Sommer bis zu 16 Leute nötig sind, um den Laden am Laufen zu halten und dem Gast den gewohnten Service und die Qualität zu bieten.

Noch schafft dies Harry und es bleibt zu hoffen, dass dies auch noch viele Jahre weiter gelingt.

ARENA wünscht dem Jubilar alles Gute und einen richtig tollen Tag. Übrigens hatte sich Harry im Vorfeld mächtig dagegen gewehrt - wie eigentlich alle, die langsam älter werden - , dass wir überhaupt etwas über ihn zu seinem Jubeltag veröffentlichen. Da hat er aber keine Chance und unter der Androhung einiger dann von uns erfundenen infamen Lügen über ihn in der nächsten Ausgabe lenkte er dann letztendlich ein. Gegen den vorliegenden „kleinen und kurzen“ Text wird er ja nichts einzuwenden haben...

Freitag 27. Juli 2018 27.07.18 09:34

          

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