EMPURIABRAVA, 21.06.2018 - 05:01 Uhr

Die Inquisition: Letztes Opfer war ein Katalane

KATALONIEN / SPANIEN: Autodafé (aus port. auto da fé von lat. actus fidei, Glaubensakt) bezeichnet die Vollstreckung eines Urteils der Inquisition oder eines Glaubensgerichts, beispielsweise die Verbrennung eines Ketzers oder Verbrennung ketzerischer Bücher. Im übertragenen Sinn auch für die Verbrennung oder Zurschaustellung jeder Form von missliebigen Schriften verwendet.

Die volksfestartig inszenierten Schauprozesse der spanischen Inquisition bestanden aus dem Glaubensbekenntnis des Gerichtes, der Urteilsverkündung und anschliessend der Vollstreckung. Meyers Konversationslexikon von 1888 schreibt dazu zum Ablauf einer solchen Veranstaltung:

In Prozessionen führte man die zum Tod verurteilten Ketzer, welche barfuss gingen und mit dem Sanbenito und einer spitzen Mütze angethan waren, und hinter denen die Bildnisse entflohener und in Särgen die Leichname verstorbener Angeklagten hergetragen wurden, zur Kirche, wo die Verurteilten mit ausgelöschter Kerze in der Hand vor einem Kruzifix aufgestellt wurden, um ihr Urteil zu vernehmen. Darauf wurden sie dem weltlichen Richter überliefert und gefesselt in den Kerker zurückgebracht, um von da zum Richtplatz geführt zu werden. Widerriefen sie schließlich noch ihre Ketzerei, so wurden sie vorher erdrosselt, im entgegengesetzten Fall aber lebendig verbrannt und mit ihnen die Bildnisse und Gebeine der entflohenen oder verstorbenen Ange- klagten.

Das erste Autodafé fand wahrscheinlich am 6. Februar 1481 in Sevilla statt. Insgesamt wurden etwa 9000 Autodafés durchgeführt - hiervon eine Großzahl vom spanischen Großinquisitor Tomás de Torquemada (1420 - 1498).

Diese Art der Hinrichtung hat bis ins 19. Jahrhundert stattgefunden. Ein Artikel der Zeitschrift Die Gartenlaube von 1863 beschreibt das letzte spanische Autodafé, welches im Jahre 1826 an einem Katalanen namens Ripoll stattfand. Dort heißt es:

„Der Unglückliche war Vorstand einer von ihm selbst errichteten Privatschule, und hatte die unvorsichtige Behauptung ausgesprochen, dass Christus kein Gott, sondern nur ein Mensch gewesen sei. Nach dem Bekanntwerden dieser Aeußerung wurde Ripoll der allerärgsten Ketzerei, der Gotteslästerung angeklagt und in die Gefängnisse der Inquisition gesteckt. Dort ließ man ihn über ein Jahr zwischen feuchten Kerkerwänden schmachten, bis er, von Ungeziefer zerfressen, in stillen Wahnsinn verfiel. In diesem Zustande kam er ins Verhör. Torranzo, der Präsident, legte ihm verschiedene Kreuz- und Querfragen vor und forderte ihn auf, seine Meinung über Christus zu äußern.

Der arme geistesschwache Mensch wusste nicht zu heucheln. Er wurde gehenkt, umgeben von Flammen, damit es den Anschein hatte, als verbrenne man ihn. Die Leiche warf man sodann in ein Faß und wälzte es in die Fluthen des Guadelaviar, wo man dieselbe einige Male untertauchte und darauf der Brüderschaft der Büßenden übergab, die den Leichnam in ungeweihte Erde begrub.“

Quelle: Meyers Konversationslexikon

Samstag 10. März 2018 10.03.18 06:04

          

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