EMPURIABRAVA, 18.01.2018 - 14:35 Uhr

Kommentar: Die katalanische Misere

Wie in ARENA zu lesen, beklagt man mal wieder tote Hose in Empuriabrava und Roses. Die Gründe dafür sind seit langem erkennbar und bekannt, die Entwicklung war absehbar. Der Versuch, etwas gegen den schleichenden Verfall zu tun, beschränkte seine Maßnahmen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf Stückwerk, oberflächliche Kosmetik und kurzfristigen Profit. Bis heute scheut man größere Investitionen und tiefgreifende Veränderungen. Anstatt die Region zukunftsfähig zu machen, schafft man es nicht einmal, sie wenigstens auf die Höhe der Zeit zu bringen. Nicht nur, dass man der Zeit städte- und verkehrsplanerisch um Jahrzehnte hinterherhinkt, Großteile der Gebäude bedürfen massiver Sanierung, oder sind technisch und wirtschaftlich Abrissfälle. In Empuriabrava verdientes Geld machte Castelló zum historischen Schatzkästchen, während Empuriabrava und Sta. Margarida auf Ostblockniveau der 80ziger Jahre vor sich hindümpelten.

Die Zeit, zu der man glaubte, dass Meer und schönes Wetter ausreichen, Besucher und Immobilienkäufer in Scharen anzulocken, um von Investoren und vom Tourismus gut leben zu können, sind längst vorbei.

Die Generation derer, für die das Angebot ausreichend und vergleichsweise preiswert war, stirbt weg.

Da die Ansprüche ihrer Kinder und Enkel sich verändert haben und gestiegen sind, bleiben sie zunehmend weg. Wer in der Vergangenheit Zeit und Geld für die Anreise nach Catalunya im eigenen Auto opferte, fliegt heute in einem Bruchteil der Zeit und zu einem Bruchteil der Kosten zu anderen Zielen mit besserem Wetter und interessanteren Angeboten. Die Welt hat sich weitergedreht. Anstatt die richtigen Schlüsse, seien sie noch so radikal, für die Zukunft zu ziehen, ist zu befürchten, dass sich die im Beitrag von ARENA angekündigten Schritte der Rathäuser von Roses und Castelló wieder einmal auf Stückwerk und kleine Einzelmaßnahmen beschränken werden, die nicht über den eigenen Tellerrand hinausgehen. Was fehlt, ist ein schlüssiges Gesamtkonzept, dessen Erstellung die Verwaltungen fachlich und personell überfordern. Dazu braucht es Fachleute und Spezialisten, deren Blick nicht durch lokale Scheuklappen begrenzt und verstellt wird. Auch wenn es auf den Einen oder Anderen nicht zutrifft, die katalanische Mentalität ist insgesamt weniger von erlesener Freundlichkeit, politischem und wirtschaftlichem Weitblick und Beratungsbereitschaft geprägt, als vielmehr von schwäbischer Bauernschläue, Engstirnigkeit und landsmannschaftlicher Ichbezogenheit.

Was fehlt, ist der Blick und Beratung von außen. Anstatt woanders nach Sympathisanten für eigene Vorhaben und Geistesblitze zu suchen, sollte man sich der Kritik, Überlegungen und Beratung von außen stellen.

Gerade weil man sich gerne als überzeugte Europäer bezeichnet, reicht es in Zukunft nicht mehr, eigene Vorstellungen und Wünsche in die Tat umzusetzen. Es geht nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, es geht auch um menschliche und politische Akzeptanz von außen. Als Deutscher kann man zu den separatistischen Bestrebungen der Katalanen inhaltlich stehen, wie man will. Offenbar geht es dabei aber auch in nicht geringem Maß um die Begleichung alter Rechnungen mit Spanien. Wenn politischer und ziviler Ungehorsam zur Gestaltung der katalanischen Zukunft erklärt wurden, ist es um so verwunderlicher, weshalb dazu in Catalunya nicht schon längst ziviler und politischer Ungehorsam und Widerstand gegen die Anwendung des Küstengesetzes als vertretbares Mittel angewendet werden.

1-1-2018 Max

Mittwoch 03. Januar 2018 03.01.18 09:57

          

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